Nach dem Champions-League-Finale

Zwanziger empfiehlt Hoeneß eine Auszeit

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Nicht gerade beste Freunde: Uli Hoeneß (l.) und Dr. Theo Zwanziger.

München - Der frühere DFB-Chef Theo Zwanziger hat Uli Hoeneß eine freiwillige Auszeit nach dem Champions-League-Endspiel bis zur Klärung seiner Steueraffäre empfohlen.

„Bis zum Finale oder bis zum Empfang am Tag danach sollte er Bayern-Präsident bleiben. Dann sollte er klug sein und auch ein Stück an die anderen denken“, sagte Zwanziger am Sonntagabend im TV-Sender Sky. Nach seiner Selbstanzeige ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung.

„Das ist ein Verhalten, das man auch nicht bagatellisieren darf. Das ist nicht nur ein Fehler, das ist schon eine kriminelle Handlung“, urteilte Zwanziger. Er hoffe auf Einsicht bei Hoeneß. Der Fall sei „tragisch“, der Patriarch des deutschen Rekordmeisters habe „viele enttäuscht“. Allerdings sei es auch „eine Schweinerei, dass diese Selbstanzeige öffentlich wird“, monierte Zwanziger.

Bushido: "Kopf hoch, Herr Hoeneß" - Reaktionen auf Hoeneß' Selbstanzeige

Bushido: "Kopf hoch, Herr Hoeneß" - Reaktionen auf Hoeneß' Selbstanzeige

Jupp Heynckes (Trainer Bayern München): „Das ist eine Privatangelegenheit des Präsidenten. Bei uns gibt es immer irgendwelche Meldungen. Das schärft die Sinne, das macht uns noch ehrgeiziger. Meine Mannschaft lässt sich von nichts beeindrucken.“ © dpa
Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): „Dass ist eine private Konstellation. Uli Hoeneß ist für uns natürlich ein wichtiger Mann, aber wir äußern uns dazu nicht. Das belastet uns überhaupt nicht.“ © dpa
Franz Beckenbauer (Ehrenpräsident Bayern München): „Ich kann Uli nur die Daumen drücken, dass es gut ausgeht.“ © picture alliance / dpa
Rudi Völler, Sporchef von Bayer Leverkusen, zeigte sich bei Sky90 "ein bisschen geschockt": „Das ist eine Privat-Angelegenheit. Ich kenne die Fakten nicht und habe Uli Hoeneß als ganz großen Menschen kennengelernt, deshalb bin ich zurückhaltend.“ © dpa
Der frühere Bayern-Kapitän Stefan Effenberg erzählte in derselben Sendung, er habe Hoeneß am Freitag noch getroffen: "Da wirkte er entspannt und gelöst. Da war ihm überhaupt nichts anzumerken." © picture alliance / dpa
Sigmar Gabriel (SPD-Vorsitzender) im ZDF: „Es zeigt sich, worum es CDU/CSU beim Steuerabkommen mit der Schweiz ging, nämlich Steuerbetrüger sozusagen zu schützen. Deshalb war es vernünftig, das nicht zu machen. Wir müssen einfach dafür sorgen, dass in unserem Land wieder alle Menschen gleich sind und nicht die einen brav die Steuern zahlen und sich die sehr wohlhabenden Menschen davor drücken.“ © picture alliance / dpa
Florian Pronold (SPD-Vorsitzender Bayern): „Uli Hoeneß hat seine Vorbild-Funktion mit Füßen getreten. Uli Hoeneß ist kein Vorbild mehr. Steuerflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern die schlimmste Form asozialen Verhaltens.“ © picture alliance / dpa
Sylvia Schenk (Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International): „Wenn er Herrn Blatter (unter Korruptionsverdacht stehender Präsident des Weltverbandes FIFA; Anm. d. Red.) angreift und fordert, dass dieser den FIFA-Saustall endlich aufräumen soll, aber selbst Geld an der deutschen Steuer vorbeibringt, dann schmeißt Uli Hoeneß hier mit Felsbrocken aus dem Glashaus. Dieser Fall ist auch ein Schlag gegen den ganzen Sport, der gerade auf verschiedenen Gebieten um seine Glaubwürdigkeit kämpft. Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen.“ © dpa
Christian Ude (Oberbürgermeister München/SPD): „Ich verstehe seit Jahren nicht, warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt. Dass Hoeneß so heftige Sympathien für die CSU hegt, findet in den kommenden Wochen vielleicht eine zusätzliche Erklärung.“ © picture alliance / dpa
Horst Seehofer (Ministerpräsident Bayern): „Ich weiß, dass ein Verfahren läuft. Ich bin darüber bereits seit geraumer Zeit informiert. Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln. Er wird behandelt wie jeder andere Bürger auch.“ © picture alliance / dpa
Norbert Walter-Borjans (Finanzminister Nordrhein-Westfalen/SPD): „Der Fall Hoeneß macht deutlich, wie wichtig es war, nicht zuzulassen, dass die Bundesregierung ein Steuerabkommen mit der Schweiz durchbekommt, mit dem Leute wie Herr Hoeneß zum Sonderrabatt unerkannt davongekommen wären.“ © dpa
Christoph Daum (Fußball-Lehrer und 2000 bis zu Aussagen von Hoeneß über seinen Kokain-Konsum als Bundestrainer vorgesehen): „Die Nachricht hat mich absolut überrascht. Das hätte ich ihm niemals zugetraut, vor allem nicht, wenn man sieht, wie Uli Hoeneß in vielen Situationen seines Lebens aufgetreten ist. Hoeneß hat sich schließlich zu einer absoluten moralischen Instanz aufgeschwungen. Ich hätte so etwas niemals vermutet. Hoeneß tut mir leid. Ich bin nicht derjenige, der mit dem Zeigefinger auf andere Menschen zeigt. So möchte ich nicht leben. Ich verspüre Mitgefühl für ihn und hege keinen Groll. Ich weiß sehr genau, was Uli Hoeneß alles für den deutschen Fußball und die Gesellschaft geleistet hat. Ich hoffe und wünsche ihm deshalb von Herzen, dass er da heil wieder rauskommt.“ © dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble: „Jeder Kommentar von mir wäre einfach falsch“, © dpa
„Steuerhinterziehung ist eine Straftat, kein Kavaliersdelikt. Wer Steuern hinterzieht, unabhängig von Amt und Person, der schadet unserem Land und hat jeden Anspruch verloren, Vorbild zu sein.“(Wirtschaftsminister und FDP-Chef Philipp Rösler in der „Bild“-Zeitung) © dpa
„Ihm steht das zu, was jedem Staatsbürger zusteht. Und ich will sehr deutlich machen, ich möchte nicht, dass er einen Prominenten- Bonus bekommt, aber ich möchte auch nicht, dass er einen Prominenten- Malus bekommt.“(SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück) © dpa
„Auch diejenigen, die es scheinbar nicht nötig haben, schaffen ihr Geld am Finanzamt vorbei ins Ausland und das auf Kosten aller anderen ehrlichen Steuerzahler unseres Landes. Das ist zutiefst unmoralisch! Der Fall Uli Hoeneß beweist eindrücklich wie richtig und wichtig es war, das Steuerabkommen mit der Schweiz zu verhindern.“(SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles) © picture alliance / dpa
„Ginge es nach (Finanzminister) Wolfgang Schäuble, würden Leute wie Uli Hoeneß noch immer ihre Gelder anonym in der Schweiz horten.“(Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin in der „Bild am Sonntag“) © dpa
„Uli Hoeneß kann keinen Promibonus erwarten. Steuerbetrug ist ein schwerwiegendes Verbrechen zum Schaden der Allgemeinheit.“(Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) in der „Bild“-Zeitung) © picture alliance / dpa
Rapper Bushido (via Twitter): „Kopf hoch Herr Hoeneß ich hatte letztes Jahr die selbe Bild-Schlagzeile.“ © dpa

Der einstige Präsident des Deutschen Fußball-Bundes war lange Jahre Widersacher von Hoeneß. Er verspüre jedoch „keine Häme“, betonte Zwanziger. Wenn Hoeneß Verantwortung übernehme und Einsicht zeige, könne er langfristig auch weiter eine Führungsposition im deutschen Fußball bekleiden.

dpa

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