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"Nicht ganz ohne Konfliktpotenzial"

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Von: Jörg Bullinger

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Frank Buschmann kommentiert am Sonntag die Partie ALBA gegen den FC Bayern. © sport1

München - Frank Buschmann ist die Stimme des Basketballs. Der Kult-Kommentator spricht im Interview über die Verpflichtung von Svetislav Pesic und das Basketball-Projekt des FC Bayern.

Svetislav Pesic wird neuer Trainer beim FC Bayern. Sein Sohn Marko ist als Sportdirektor dadurch sein Vorgesetzter. Könnte das Probleme geben?

Frank Buschmann: Ich denke, dass die Bayern sich das gut überlegt haben. Das ist nicht ganz ohne Konfliktpotential. Das war es aber damals bei ALBA Berlin auch schon nicht, als der Vater der Vorgesetzte des Sohnes war und ihn gecoacht hat. Reibung erzeugt aber auch Energie. Marko wird keine Spieler verpflichten oder Verträge verlängern, wenn es nicht im Sinne des Trainers ist. Beide leben für den Basketball und werden sehr wohl wissen, was für eine Verantwortung sie bei Bayern haben.

Wie beurteilen Sie die Entlassung Bauermanns?

Buschmann: Es hat schon länger im Gebälk gekracht. Da sind Welten aufeinandergetroffen, die nicht zueinander gepasst haben. Da werden beide Seiten Fehler gemacht haben. Das wird auch Dirk so sehen, da er weiß, dass er ein Typ ist, der nicht immer leicht zu händeln ist. Der Zeitpunkt war aber alles andere als glücklich.

Dirk Bauermann war an der Kaderplanung beteiligt. Ist die Mannschaft für die offensivere Spielausrichtung falsch zusammengestellt?

Buschmann: Nein, ich halte den Kader für einen der besten, vielleicht sogar den besten Kader in der Basketball-Bundesliga. Svetislav Pesic wird das Team ganz schnell in eine Hierarchie und Rollenverteilung bringen, damit der Kader das bringt, was er kann.

Gegen Bamberg schnupperten die Roten an der Sensation, dann folgte die Heimpleite gegen Braunschweig. Wie kann so etwas passieren?

Buschmann: Das ist für mich eine Charakterfrage. Ich war auch überrascht, weil die Bayern nach dem Bamberg-Spiel auf einem guten Weg waren. Sie waren bis eineinhalb Minuten vor Schluss auf Augenhöhe. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass sie zu Hause gegen Braunschweig verlieren. Das Spiel wurde auch als Charaktertest ausgegeben. Der ging mal richtig in die Hose.

Ist das Fehlen Jared Homans eine Entschuldigung?

Buschmann: Nein, wenn du auf der großen Position Troutman, Jagla, Nadjfeji und dazu Roberts hast, musst du Braunschweig am Brett ganz klar dominieren.

Was halten Sie von Jared Homan?

Buschmann: Ich beurteile das, was ich auf dem Spielfeld von ihm sehe. Da ist mir sein Auftritt beim MBC negativ in Erinnerung geblieben, als er für mich zwei, drei ganz unsportliche Aktionen hatte. Da hat er mich extrem enttäuscht. Ich bewerte nicht die Dinge, die im Umfeld schon in der vergangenen Saison passiert sind. Ich beurteile nur den Spieler Homan und da glaube ich, dass er ein „Bad Apple“ ist, der einer Mannschaft extrem schaden kann. Es gibt jetzt unter Svetislav Pesic nur zwei Möglichkeiten: Ein Bad Apple landet ganz schnell auf dem Kompost oder wird ein fruchtiger, goldener Apfel.

Bei den Bayern ging es in dieser Saison drunter und drüber. Wie fällt Ihr Fazit von eineinhalb Jahren Bundesliga-Basketball aus?

Buschmann: Das erste Jahr war im Rahmen der Erwartungen, die ich an die Bayern hatte. Das zweite Jahr verläuft sehr holprig. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe dem Kader zugetraut, nach zehn Spielen mit mindestens sieben bis acht Siegen da zustehen. Die Vermeldung des neuen Cheftrainers zeigt die Richtung, in die es gehen soll. Deshalb glaube ich nach wie vor an das Projekt, das ich für den deutschen Basketball für sehr wichtig halte.

Sind die Bayern beim Projekt Basketball vielleicht zu ungeduldig?

Buschmann: Sie haben es zumindest immer anders beschrieben. Ich fand es sehr gut, dass man einen Dreijahresplan gemacht hat und innerhalb von drei Jahren Deutscher Meister werden möchte. Von daher weiß ich gar nicht, ob sie so ungeduldig sind. Sie wissen aber natürlich sehr wohl um die Strahlkraft ihrer Marke. Wo Hoeneß draufsteht, soll auch Hoeneß drin sein und das heißt gnadenloser Erfolg. Das kann man aber nicht von heute auf morgen erreichen. Ich habe den Eindruck, dass Uli Hoeneß immer noch genauso viel Bock auf Basketball hat wie zu dem Zeitpunkt, als das Projekt ins Leben gerufen wurde – Ich glaube sogar fast noch ein bisschen mehr.

Wenn die Allianz Arena abbezahlt ist, hat Bayern mehr Geld, wahrscheinlich auch für den Basketball. Wird Bayern die Nummer eins?

Buschmann: Das kann man nicht nur durch die Strahlkraft der Marke Bayern erreichen. Das muss man aufbauen. Es muss breit wachsen. Das heißt auch, dass man in München mehr als 4000 bis 5000 Eventzuschauer zum Basketball bringt. Das geht nur mit Geduld und Spucke. Dass die Bayern dann Rahmenbedingungen wie kein anderer Basketballklub in Deutschland haben und Richtung Europa tendieren können, ist unbestritten. Die Möglichkeiten sind extrem gut.

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Hoeneß hat Bauermann Realitätsverlust vorgeworfen. Ist der Bayern-Präsident mit dieser Aussage zu weit vorgeprescht?

Buschmann: Mal rein menschlich: Jemanden, der unbestritten unglaubliche Erfolge vorzuweisen hat, der für den Basketball lebt – Bauermann ist ein Irrer, was Basketball betrifft –, dann so hinzustellen, war für viele grenzwertig. Generell sind das Angelegenheiten, die normalerweise nicht öffentlich im Basketball ausgetragen werden sollten.

ALBA empfängt am Wochenende die Roten Riesen. Was ist drin in der Partie?

Buschmann: Für alle Basketballinteressierten ist es aus vielerlei Hinsicht ein Knaller, weil es für Bayern Spiel eins unter Svetislav Pesic ist. Die Familie Pesic kehrt zurück an die alte Wirkungsstätte nach Berlin. Da sind Emotionen drin. Und jeder erwartet, dass die Bayern ein anderes Gesicht zeigen. Das Problem für die Münchner ist nur, dass die andere Mannschaft auch noch mitspielt. Für ALBA gibt es keine größere Motivation, als dem Alten zu zeigen, dass ein guter Start überall stattfinden kann, nur nicht in Berlin Von daher erwarte ich unglaublich viel von dem Spiel, was Dramatik, Spannung und Emotion angeht.

Trifft der FC Bayern auf den „FC Bayern des Basketballs“?

Buschmann: Nein, auch wenn ich das oft gehört habe. ALBA ist sicherlich eine Topmarke im deutschen Basketball, ansatzweise auch im europäischen Basketball. Ich hasse aber Vergleiche zwischen Basketball und Fußball, weil diese einfach nicht legitim sind. ALBA ist eine große Nummer, hatte lange den Ruf, Krösus der Liga zu sein und das größte Potenzial durch den Hauptstadtstatus ausschöpfen zu können. Aber das mit Bayern München im Fußball zu vergleichen, da lass' ich die Finger davon. Das sind zwei paar Schuhe.

Svetislav Pesic hat vor Kurzem gesagt, dass ALBA Meister werden soll und er deshalb keinen Bundesliga-Job annehmen möchte.

Buschmann: Spätestens jetzt wird er es anders sehen. Ich könnte mir vorstellen, dass er gerne möchte, dass Bayern München Deutscher Meister wird. Stand jetzt sind für mich die Favoriten ALBA und Bamberg - nicht zu vergessen das kleine, beschauliche Ulm.

Gewählt: Die beliebtesten Sport-Kommentatoren

Sport 1 zeigt am Sonntag um 17 Uhr den Kracher ALBA gegen Bayern mit Frank Buschmann als Kommentator.

jb

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