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Bayern: Darum musste Bauermann gehen

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Dirk Bauermann (l.) ist weg, Denis Wucherer auch. Neuer Chef: Yannis Christopoulos (Mitte) © sampics

München - Der FC Bayern hat sich am Freitag zur Trennung von Dirk Bauermann geäußert und seinem Nachfolger Yannis Christopoulos das Vertrauen ausgesprochen.

Dirk Bauermann hat den Boden unter den Füßen verloren. Am Tag nach der Entlassung beim Basketball-Bundesligisten Bayern München wusste der ehemalige Bundestrainer immer noch nicht, was genau eigentlich passiert ist. „Ich muss mich erst mal sammeln und sortieren und meine Fassung wiederfinden“, sagte Bauermann.

Video: Bauermann als Bauernopfer?

Bauermann, der am Donnerstagnachmittag „eine ganz normale Einheit“ geleitet und anschließend noch Interviews gegeben hatte, war von der Entscheidung des Vereins komplett überrascht worden: „Ich bin noch nicht einmal im Besitz der schriftlichen Beurlaubung. ` Zu den Gründen für seine Entlassung wollte sich der 54-Jährige zunächst nicht äußern: `Dazu kann ich im Moment nichts sagen, ich muss mich zurückhalten.“

Im München nannten derweil Vizepräsident Bernd Rauch und Sportdirektor Marko Pesic „die sportliche Entwicklung, aber auch die Probleme mit der Disziplin innerhalb der Mannschaft“ als Gründe für den überraschenden Schritt. Bauermanns Nachfolger Yannis Christopoulos, bisher Co-Trainer, nannte Pesic die „absolute Ideallösung. Wir sind überzeugt, dass er das packt.“

Allerdings gilt der Vertrag nur bis zum Saisonende. Spekulationen, dass danach Bundestrainer Svetislav Pesic bei den Bayern anheuern könnte, nannte Rauch „abwegig. Damit haben wir uns nicht befasst.“ Für Marko Pesic ist die Verpflichtung seines Vaters „auch in der Zukunft keine Option“.

„Ich kann nicht sagen, ob wir besser sind als ALBA Berlin oder Bamberg. Ob es für die Meisterschaft reicht, weiß ich nicht. Aber das Potenzial haben wir“, betonte Pesic. Rauch bestätigte ohne konkrete Benennung von Details noch einmal, dass eine gemeinsame Basis mit Bauermann nicht mehr bestanden hatte. „Die Positionen waren nicht mehr auszugleichen“, erklärte er. „Ob der Zeitpunkt gut oder schlecht war, wird die Zukunft zeigen.“

Mit Bauermann, der 2010 den damaligen Zweitligisten übernommen und zugunsten seines Engagements bei den Bayern im August 2011 seinen Job als Bundestrainer aufgegeben hatte, wollen sich die Bayern in nächster Zeit zusammensetzen, um über eine mögliche Vertragsauflösung zu verhandeln. Der Kontrakt läuft noch bis 2014 und soll mit geschätzten 500.000 Euro dotiert sein.

Mit der Entlassung von Bauermann, der sich in internen Gesprächen in den letzten Wochen angeblich beratungsresistent gezeigt und mit einem Interview zu Wochenbeginn für weitere Unruhe gesorgt hatte, wollen die Verantwortlichen auch der Mannschaft ein Zeichen setzen.

Auch bei der Bundesliga-Konkurrenz wurde die Bauermann-Beurlaubung aufmerksam registriert: „Für Dirk ist das hart, weil ich weiß, was er für ein Kämpfer ist und wie viel er investiert. Das ist sicher eine ganz harte Pille für ihn“, sagte ALBA-Geschäftsführer Marco Baldi.

Die Spieler sollen „den Klub im Herzen tragen“, verlangten Rauch und Pesic und kündigten an, die Zügel anzuziehen. Mehr Disziplin, frühere Trainingszeiten, keine Party-Trips mehr. Sollte sich innerhalb des Teams „nichts entscheidend ändern“, würden demnächst auch Spieler entlassen.

Eskapaden wie die der US-Stars Tyrese Rice, Chevon Troutman und Jared Homan nach einem Testspiel in Berlin oder „inoffizielle“ Besuche beim Oktoberfest sollen der Vergangenheit angehören. Schließlich hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß erst kürzlich die Meisterschaft in der BBL als Nahziel ausgegeben.

Die Vereinsführung sorgte sich wegen Disco-Besuchen einiger Profis um die „Außendarstellung“, wie Rauch sagte: „Wir sind nicht irgendein Club in der Republik.“ Wenn ein Spieler den Verein „nach außen dauerhaft schädigt, ist er ganz schnell weg“, mahnte der Vize. „Die Spieler stehen jetzt in der Verantwortung, auf dem Spielfeld und abseits des Spielfeldes“, ergänzte Sportdirektor Pesic.

Ob Christopoulos, der 2010 mit Apoel Nikosia zypriotischer Meister wurde, das ambitionierte Basketball-Projekt des deutschen Fußball-Rekordmeisters länger als übergangsweise als Trainer anführen wird, muss die Zukunft zeigen. „Christopoulos ist auch eine Persönlichkeit, eine andere als Bauermann. Er muss jetzt Gesicht zeigen“, sagte Rauch. Unter Bauermann waren die Bayern in ihrer ersten Bundesliga-Saison bereits in der ersten Playoff-Runde ausgeschieden.

Nach dem Aus in der ersten Play-off-Runde in der vergangenen Spielzeit stehen die Münchner fünf Tage vor dem Saison-Auftakt gegen die EWE Baskets Oldenburg nun allerdings vor einer ungewissen Zukunft. Mit dem Testpiel am Samstag gegen Panathinaikos Athen (17. 00 Uhr) tritt der 38 Jahre alte Christopoulos das schwere Erbe von Dirk Bauermann an.

sid/dpa

Die Karrieredaten von Yannis Christopoulos

Verein: FC Bayern München

Position: Cheftrainer

geboren am: 7. Juni 1974

Geburtsort: Patras, Griechenland

Nationalität: griechisch

Gewicht: 85 Kilogramm

Größe: 1,78 Meter

Bisherige Vereine: Apoel B.C. (2004 bis 2005), Apollon Patras (2005 bis 2006), AEL 1964 BC (2006 bis 2007), Olympiada Patras (2007 bis 2008), A.S. Trikala 2000 BC (2008), Apoel B.C. (2010 bis 2011) FC Bayern München (seit 2011)

Wichtigste Erfolge: Zypriotischer Meister 2001, Zypriotischer Supercup Gewinner 2011, Teilnahme am EuroChallenge - Halbfinale 2010

dpa

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