Piräus-Coach Bartzokas im Interview

"Der FC Bayern strotzt vor Enthusiasmus"

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„Wir haben qualitativ bessere Spieler als letztes Jahr“: Piräus-Trainer Bartzokas, hier im Gespräch mit Spanoulis, einer seiner Schlüsselfiguren.

München - Piräus-Coach Bartzokas spricht im Interview über Hoeneß’ Basketball-Vision, die Euroleague als Party und Besuche auf dem Oktoberfest.

Georgios Bartzokas (48) hat Olympiakos Piräus nach dem Überraschungssieg in der Euroleague im Sommer 2012 als Chefcoach übernommen – und schaffte es prompt, den Coup zu wiederholen. Im Interview spricht er über das Duell mit dem FC Bayern.

Herr Bartzokas, zwei Euroleague-Siege in Serie: Was ist der Schlüssel?

Die koordinierte Arbeit vieler Menschen. Es war keine pure Glückssache. Das hohe organisatorische Niveau, die gute Verwaltung und vor allem die Unterstützung der Familie Angelopoulos (die Brüder Panagiotis und Georgios sind Präsident bzw. Besitzer des Klubs/d. Red.) war essentiell.

Wie ist es zu erklären, dass ein Verein gleich zwei Mal die finanzkräftigere Konkurrenz wie etwa Madrid, Barcelona und Moskau hinter sich lässt?

Unser Klub hatte tatsächlich im Vergleich zu den genannten Teams ein geringes Budget. Olympiakos hat die Konkurrenz hinter sich gelassen, indem die Spieler zusammengehalten haben. Die gute Auswahl der Spieler sowie die Art und Weise, wie sie gelernt haben, zusammen zu arbeiten, bringt eine gute Atmosphäre, das finde ich sehr wichtig.

Europas Topklubs im Basketball sind fast ausnahmslos prominente Fußball-Marken. Ist es ein wirtschaftlicher Vorteil – wird das ein Problem für Piräus?

Olympiakos hat schon auch eine gute Fußballmannschaft – es ist die beste in Griechenland. Natürlich ist sie nicht so gut wie die des FC Bayern. Bayern und Barcelona haben über den Fußball beispielsweise mehr Einnahmen, das ist wahr. Bei uns hilft wie gesagt die Familie Angelopoulos, der ich sehr dankbar bin, sie macht das als Hobby. Sie sieht ihre Unterstützung nicht als Arbeit oder Investition an, sie ist einfach für uns da. Für Piräus stellt dieser wirtschaftliche Vorteil der Konkurrenz kein so großes Problem dar, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Was benötigt wird, ist das „Know-How“ und gute Spieler. Griechenland ist sehr wettbewerbsfähig.

Griechenland erlaubt maximal sechs Ausländer auf dem Spielbericht. Wie bewerten Sie diese Regel?

Es ist erlaubt, vier Amerikaner und zwei Europäer zu holen. Ich glaube, dass es eine sehr gerechte Regel ist. Vor allem, wenn man sieht, dass Europa vereint ist. Es werden auch in anderen Arbeitsfeldern Ausländer benötigt, wieso nicht auch im Basketball?

Sehen Sie sich eigentlich auch Fußballspiele an?

Sehr oft und gern. Auch deutsche Spiele. Mein Lieblingsteam ist Manchester United. Bayern und Dortmund habe ich in Deutschland am liebsten, obwohl sie große Rivalen sind. Als ich in Larissa Trainer war, hatte ich drei Jahre den Deutschen Stephen Arigbabu als Spieler. Damals hatten wir zusammen viel Spaß, indem wir gemeinsam Bayern-Spiele angeschaut haben.

Wie sehen Sie die Figur Uli Hoeneß, den Präsidenten des FC Bayern?

Ich erinnere mich noch, als er selbst gekickt hat. Für mich ist er ein Spieler des Ruhms. Ich kenne ihn zwar nicht persönlich, aber ich erkenne sein Verwaltungsmodell. Man erkennt, dass es seine Idee war, das Basketball-Team FC Bayern zu bilden. Er hat eine Vision – eine Basketball-Vision, und er denkt weit voraus. Im Fußball hat er seine außergewöhnliche Klasse bewiesen. Mit Jupp Heynkes hat man alle Titel ergattert, und mit Pep Guardiola sieht es nun so aus, als würde wohl auch wieder alles sehr gut klappen.

Das klingt, als hätten Sie für München immer einen besonderen Blick.

Ja, das stimmt. Und wissen Sie was? Ich war mit meiner Frau schon zwei Mal im Sommer in München. Die Lebensqualität ist hier sehr hoch, die schönen Parks für die Kinder, die geringe Kriminalität. Mir persönlich hat es gefallen, wie viele Fahrradfahrer es da gibt. Meine Frau war so begeistert, dass sie noch mal allein nach München geflogen ist – und zwar für das Oktoberfest.

Bayern-Trainer Svetislav Pesic glaubt, dass Olympiakos besser ist als im letzten Jahr. Hat er da Recht?

Vielleicht haben wir qualitativ bessere Spieler als letztes Jahr. Jedoch hat das Team seine Spitzenleistung noch nicht erreicht. Wir haben sehr viele Verletzungen. Brent Petway wird gegen Bayern ausfallen, dafür kann Mirza Begic wohl wieder eingesetzt werden. Ich hoffe, dass wir uns in Zukunft noch verbessern werden.

Wie lautet Ihre Einschätzung von Ihrer Euroleague-Gruppe?

Man muss Respekt vor jedem Gegner haben, egal welchen. Wir unterschätzen keinen.

Wie sehen Sie den FC Bayern? Kann das Team in Zukunft sogar einmal die Spitze Europas erobern?

Ich sehe den FC Bayern so, wie das die ganze Welt tut. Das Team ist sehr stark, hat hervorragende Spieler und hat bislang kein Spiel verloren. Dass sie ständig gewinnen, ist kein Zufall. Die Mannschaft hat Qualität und ist geistig stark, sowohl die Spieler als auch der Coach.

Wie bewerten Sie die Arbeit Ihres Bayern-Kollegen Svetislav Pesic?

Er ist ein sehr erfahrener Trainer, und ich habe sehr großen Respekt ihm gegenüber. Er hat eine sehr starke Mannschaft gebildet, die vor Enthusiasmus und Tempo strotzt. Die Verteidigungspositionen sind auch stark besetzt. Die Titel, die Herr Pesic in Europa bisher auf all seinen vorherigen Stationen erobert hat, sind der Beweis dafür. Meiner Meinung nach werden wir und Bayern die nächste Runde erreichen. Und soll ich Ihnen noch etwas verraten?

Bitte sehr.

Für uns Trainer ist die Euroleague das Event des Basketballs schlechthin. Wir Trainer freuen uns da immer ganz besonders auf die Vorbereitung und Durchführung der Spiele. Es ist wie eine große Party.

Bei der es aber letztlich doch ernsthaft um Siege und Titel geht – wer gewinnt denn nun das Duell Piräus gegen Bayern?

Meiner Meinung nach der Bessere. Also wir (lacht).

Interview: Heidi Vilia und Patrick Reichelt

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