FCB-Forward Williams im Exklusiv-Interview

Derrick Williams: "Es gibt Angebote aus der NBA"

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Derrick Williams 

Bleibt er, oder geht er? Derrick Williams hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er in die NBA zurückkehren will. Warum ein Verbleib in München dennoch nicht ausgeschlossen ist, verrät er im tz-Interview.

München - Der eine oder andere Fan des FC Bayern Basketball dürfte langsam nervös werden. Und das liegt nicht nur am bevorstehenden Playoff-Start Mitte Mai, sondern auch an einer bestimmen Personalie. Die große Frage: Kann der Verein den Ex-NBA-Star Derrick Williams in München halten? Zumindest sein Bild wird vorerst bleiben. Der Künstler „Loomit“ verewigte Williams im Zuge des „Z Common Ground“-Projekts auf ein Hauswand in der Zschokkestraße 36 (siehe unten). Die tz traf den 27-Jährigen dort zum Interview.

Herr Williams, wurden Sie jemals zuvor auf einer Hauswand verewigt?

Derrick Williams (lacht): Nein, das ist in der Tat das erste Mal! Ich finde, das Ganze ist großartig geworden und ich fühle mich sehr geehrt, dass ausgerechnet mein Bild als Vorgabe ausgewählt wurde.

Was haben Ihre Familie und Ihre Freunde zu dem Kunstwerk gesagt?

Williams: Besonders meine Mutter war begeistert (lacht). Und überhaupt: Ich wurde so toll in München aufgenommen, die Fans sind großartig. Ich hoffe, dass ich ihnen bisher durch mein Spiel etwas zurückgeben kann. Am Ende dieser Saison wollen wir mit ihnen den Titel feiern.

Wie enttäuscht sind Sie, dass es nicht mit den Euroleague-Playoffs geklappt hat?

Williams: Natürlich bin ich enttäuscht. Denn wir hatten eine realistische Chance, die nächste Runde zu erreichen. Alles in allem können wir aber zufrieden sein. Es war von vornherein das Ziel des Vereins, eine Rolle zu spielen und sich in der Euroleague beweisen zu können. Das ist uns gelungen. Wir haben eine tolle Saison gespielt. Und das, obwohl wir immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatten. Devin (Booker, die Red.) hat uns beispielsweise sehr gefehlt. Es war großartig, wie er von Sekunde eins nach seinem Comeback an, wieder zu hundert Prozent da war und dem Team geholfen hat.

Und auch auf den kleinen Positionen gab es einige die in die Bresche gesprungen sind.

Williams: Stimmt. Über Petteri (Koponen, die Red.) brauchen wir gar nicht reden. Da weiß jeder, dass dieser Kerl aus allen erdenklichen Positionen trifft (lacht). Und ich bin auch ein großer Fans von Braydon (Hobbs, die Red.). Er hat ein unglaubliches Spielverständnis und ich habe ihn niemals schlecht gelaunt erlebt.

Dennoch bekommt er nicht so viel Spielzeit. Wie sehen Sie das?

Williams: Das ist letztendlich die Entscheidung des Coaching-Staffs. Ich kann nur sagen, dass ich ihn gern noch häufiger auf dem Feld sehen würde. Aber wir sind ein tolles Team mit großartigen Spielern. Das ist es, was zählt. Und nun, da die Doppelbelastung aus Euroleague und BBL wegfällt und wir uns zu hundert Prozent auf die Liga konzentrieren können, werden wir noch einmal durchstarten.

Sie sind die hohe Spielbelastung aus der NBA gewohnt. War diese Saison damit vergleichbar?

Williams: Ich würde sagen, dass die Reisen sogar noch ein wenig anstrengender waren. In der NBA ist ja alles darauf ausgelegt. Die Vereine fliegen beinahe ausschließlich mit Privatmaschinen und sind so noch flexibler, was die Gestaltung der Reisepläne angeht. Aber das ist für mich nebensächlich. Die Euroleague ist eine tolle und anspruchsvolle Liga und ich bin sehr froh, dass ich mich hier beweisen durfte.

Vor der Saison sprachen Sie davon, dass viele Ihren Schritt nach Europa nicht verstanden und Sie in der NBA bereits abgeschrieben haben. Gab es nach Ihrer guten Leistung in der Euroleague schon den ein oder anderen Anruf aus den USA?

Williams (lacht): Oh ja, den gab es. Ich würde lügen, wenn ich da nicht ein klein wenig Genugtuung empfinden würde. Aber letztendlich spiele ich nur für mich und mein Team. Man muss als Spieler ausblenden, was in der Öffentlichkeit gesprochen wird. Mein Credo ist: Niemals zu hoch fliegen, niemals zu tief.

Die Frage aller Fragen: Bleiben Sie auch in der kommenden Saison in Europa – vielleicht sogar in München? Es heißt, es haben schon Namen wie der FC Barcelona angeklopft.

Williams: Ich weiß, das klingt jetzt nicht besonders glaubwürdig. Aber es ist noch nichts entschieden. Ich würde sagen, die Chancen, dass ich in München bleibe, sind 50:50. Aber es gibt einige Angebote – ja.

Auch aus der NBA?

Williams: Ja, auch aus der NBA.

Damit ist die Sache doch klar, oder?

Williams: Nicht unbedingt. Mein Ziel war es immer, wieder in der NBA zu spielen. Aber nicht um jeden Preis. Basketball zu spielen, soll Spaß bringen. Und ich kann sagen: So viel Spaß, wie in dieser Saison hatte ich lange nicht mehr auf dem Parkett. Du kannst nur wirklich gut sein, wenn die Umstände stimmen.

Welche Rolle spielt das Geld bei Ihrer Entscheidung?

Williams: Früher, zu Beginn meiner Karriere, hat die Bezahlung in der Tat eine große Rolle gespielt. Aber das hat sich mit den Jahren geändert. Ich bin reifer geworden und weiß, was wirklich zählt im Leben. Mir ist wichtig, dass es meiner Familie gut geht und ich sie unterstützen kann. Ich selbst brauche nicht viel. Vor dieser Saison hatte ich ebenfalls einige Angebote. Ich hätte drei Mal so viel verdienen können wie in München. Aber ich habe mich für Bayern entschieden.

Am vergangenen Wochenende hat Tiger Woods sein erstes großes Turnier seit elf Jahren gewonnen. Sie haben immer wieder von ihm als eine Art Vorbild gesprochen.

Williams: Ich habe mich sehr für ihn gefreut. Er ist einer der wenigen Athleten mit afroamerikanischen Wurzeln im Golfsport. Ich finde es toll, wie er sich behauptet und zeigt, dass jeder Mensch, ganz gleich welcher Herkunft er ist, alles erreichen kann. Und dann freut mich, dass er sich zurückgekämpft hat, obwohl ihn die meisten längst abgeschrieben haben. Es geht immer weiter. Das wichtigste ist, dass man auf sich selbst vertraut.

Interview: Lena Meyer

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FCBB goes Streetart:

Das bis zum voraussichtlichen Abriss im Sommer 2019 befristete Kunstprojekt „Z Common Ground“ in der Zschokkestraße 36 wird vom „Verein zur Förderung urbaner Kunst“ organisiert. Neben der Stadt München fördert nun auch der FCBB die Zwischennutzung des Areals. So wird ein bunter Court im Innenhof entstehen, auch im Audi Dome soll es Aktionen geben, FCBB-Hauptsponsor BayWa unterstützt die Künstler mit Material. Offizielle Eröffnung wird mit einem Fest am 30. April/1. Mai sein, dann werden die 4000 Quadratmeter zur Aktions- und Ausstellungsfläche für 60 Kreative wie Graffiti-Sprayer, Street-Artisten, Performance- und bildende Künstler.

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