Wer ist besser: Schumi oder Vettel? Der tz-Gigantencheck

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Michael Schumacher (li.) und Sebastian Vettel verstehen sich gut.

Singapur - Die Frage vor dem GP in Singapur, dem Flutlichtrennen der Formel 1 am Sonntag, ist klar: Wird Sebastian Vettel der jüngste Doppelweltmeister aller Zeiten?

Siegt der Deutsche, und Fernando Alonso wird höchstens Vierter sowie Jenson Button und Mark Webber höchstens Dritter, dann ist er nach dem 14. von 19 Rennen durch. Doch wer ist der größere Dominator in einer Saison? Schumi war vor zehn Jahren kaum zu schlagen, Vettel ist es 2011 – die tz macht den großen Gigantencheck über eine Dekade Formel 1:

Punkt eins, die Autos:

Der beste Kronzeuge, was die Boliden angeht, ist natürlich Michael Schumacher selbst. Er vergleicht seinen Ferrari von vor zehn Jahren mit den Autos von heute: „2001 war es eine andere Herausforderung,“ sagt Schumi. „Zum einen gab es elektronische Möglichkeiten, die wir heute nicht mehr haben. Heute müssen wir mit sehr vielen Kompromissen leben, weil die sich nicht abstellen lassen.“

Im Klartext heißt das: Mit der elektronisch gesteuerten Traktionskontrolle, die 2001 erlaubt war, konnte Schumacher den für sich optimalen Schlupf der Hinterräder einstellen. Heute regelt das Gefühl im Gasfuß, ob die Hinterräder beim Gasgeben durchdrehen. Und da ist Vettel unschlagbar.

Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer

Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Das Schläfchen vor dem Rennen - mal kürzer, mal länger - ist für Michael Schumacher zum Ritual geworden. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
“Ja, das habe ich immer gemacht“, erzählte der mittlerweile 41-Jährige einmal. “Manchmal war ich nur eine ganz kurze Phase eingeschlummert, aber das reichte dann schon." © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
"Manchmal schlief ich auch tief und fest für eine halbe Stunde.“ Seit 1998 zelebrierte “Schumi“ sein Mittagsschläfchen. “Es war mir wichtig.“ © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Genau wie eine ungerade Startnummer. Eigentlich sollte die einstige Nummer Eins der Königsklasse mit der 4 auf dem neuen Silberpfeil ins Rennen gehen. Doch tauschte er mit Erlaubnis der Rennstall-Leitung die Startnummer mit Rivale Nico Rosberg. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Teamchef Ross Brawn wisse eben, “dass ich ungerade Startnummern lieber mag“, erklärte Schumacher. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Schließlich brachten sie ihm bislang Glück: Bei allen sieben WM-Titeln trug er eine ungerade Startnummer; fünfmal die 1 und je einmal die 3 und die 5. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Ist doch auch schön, die Nummer 1 zu sein, oder? © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Schumacher steigt auch nie von rechts ins Rennauto ein. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Sehen Sie... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Chinesische Schriftzeichen mit den Namen seiner beiden Kinder auf seinem knallroten Helm,... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
...ein Armband von Gattin Corinna,... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
...ein Haifischzahn um den Hals, den er einst von einem Tauchlehrer geschenkt bekam: Ohne all das kann Schumi nicht. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Rückblende: Bahrain 2004. Schumacher findet sein Amulett nicht. Vor der Rennpremiere des Wüstenkurses in Sachir stellt der damalige Ferrari-Pilot fest: Er hat den Glücksbringer im Hotel vergessen. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Das Amulett muss herbei. Schumachers damaliger Masseur Balbir Singh eilte in die Unterkunft, holt es, Schumacher gewinnt das Rennen und am Ende zum bislang letzten Mal die Weltmeisterschaft. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Bis heute trägt er seinen geliebten Anhänger. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Auch Schumachers Rivale, Vizeweltmeister Sebastian Vettel, hat für gewöhnlich einen an Bord. Sein Glückscent ist schon jetzt legendär. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
“Ich habe sogar sehr viele Glücksbringer, auch wenn ich nicht allzu abergläubisch bin“, erklärte Vettel einmal. Sie entscheiden nicht über Sieg und Niederlage, geben ihrem Besitzer aber ein besseres Gefühl. So war es wohl auch mit Schumachers Schläfchen. “Es war einfach angenehmer, wenn ich es geschafft habe - ob ich es wirklich gebraucht habe, weiß ich selber nicht.“ © Getty

Laut Toro Rosso-Teamchef Franz Tost sind die Autos von 2011 schwerer zu fahren: Das heißt, das Risiko einen Fahrfehler zu begehen, ist bei Vettel größer als bei Schumacher damals. Tost: „2001 waren die Autos viel berechenbarer im Grenzbereich. Es gab Reifen, die fast immer das gleiche Grip­level hatten. Das Benzinlevel war auch immer ähnlich, da Tankstopps noch erlaubt waren.“

Vettel hätte es da 2011 schwerer, sagt Tost: „Die Autos sind am Anfang eines Rennens sehr schwer und träge. Das Bremsen ist sehr schwierig, das Fehlerrisiko deshalb hoch. Dazu kommt: Die Reifen bauen nicht konstant ab, sondern bieten immer wieder Überraschungen. Die Gefahr, die Reifen beim Gasgeben aus Kurven zu ruinieren ist ohne Traktionskontrolle ebenfalls hoch.“

Punkt zwei, die Reifen:

2001 gab es mit Bridgestone und Michelin zwei Reifenhersteller. Der Konkurrenzkampf sorgte dafür, dass beide immer weichere Mischungen zur Rennstrecke brachten, die den Autos extremen Grip boten. Ferrari und Bridgestone entwickelten in zahllosen Testfahrten – auch die sind heute während der Saison verboten – Reifen ganz nach Schumis Geschmack.

Einheitshersteller Pirelli baut 2011 auf Sicherheit. Die Italiener liefern Reifen, die für alle gleich sind, länger halten, dafür aber weniger Haftung bieten – kein Fahrer kann sich also wie Schumi 2001 durch Endlostests Vorteile verschaffen.

Punkt drei, die Gegner:

2001 hatte Schumacher mit den McLaren-Piloten Mika Häkkinen und David Coulthard sowie Ralf Schumacher und Juan-Pablo Montoya (BMW-Williams) vier ernstzunehmende Gegner. Teamkollege Rubens Barrichello musste Zubringerdienste für Schumacher leisten. Vettel muss sich 2011 mit fünf Sieganwärtern herumschlagen – einschließlich seines Teamkollegen Mark Webber, der gar nicht daran denkt, für den Heppenheimer zu fahren!

Einen guten Vergleich kann auch Toro-Rosso-Technikchef Giorgio Ascanelli ziehen, der sowohl mit Vettel als auch Schumi arbeitete. Er ist ein Fan von beiden, sagt aber zur tz: „Jedes Team, in dem Sebastian bisher gefahren ist, wurde mit ihm zum Siegerteam. Erst Toro Rosso, jetzt Red Bull. Das liegt allein an Sebastian. So war es zumindest bei uns und ich habe keine Scham das auch zuzugeben. 2008 waren wir nur deshalb besser als Red Bull, weil Vettel besser als Coulthard und Webber war.“

Ascanelli weiter: „Michael habe ich zweimal erlebt: Erst 1991 bei Benetton, als er noch sehr jung war. Dann bei Ferrari, schon erwachsen. Sowohl Schumacher als auch Vettel waren sehr fordernd und wussten: Talent ist nicht genug. Was die beiden noch verbindet, ist die Kontrolle auf der Bremse. Michael Schumacher und Sebastian Vettel können ihr Verhalten am Lenkrad und das auf der Bremse außergewöhnlich gut aufeinander abstimmen. Das ist ist in meinen Augen entscheidend – und für mich macht das den Unterschied zwischen Champions und Nicht-Champions aus.“

Eins aber unterscheidet laut Ascanelli Vettel und Schumacher dann doch: „Michael musste für seinen Erfolg härter arbeiten als zum Beispiel ein Ayrton Senna oder Sebastian Vettel. Die beiden haben etwas Naturgegebenes.“

Ralf Bach

Quelle: tz

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