BMW -Sauber-Team an Schweizer Investor verkauft

+
Nick Heidfeld in seinem BMW-Sauber. Wo der Deutsche in der kommenden Saison fahren wird, ist noch unklar.

Stuttgart - Der Schweizer Investor Quadbak hat das Formel-1-Team BMW-Sauber gekauft. Das gab der bisherige Mehrheitseigner BMW bekannt. Die Verträge seien am Dienstag unterzeichnet worden.

BMW hat einen Abnehmer für sein Formel-1-Team gefunden, den letzten sicheren Startplatz für die Saison 2010 bekommt aber Lotus. Wenige Stunden, bevor der deutsche Autokonzern seinen Sauber-Rennstall an den Schweizer Investor “Qadbak“ verkaufte, gab der Internationale Automobilverband FIA dem traditionsreichen Mitbewerber am Dienstag den entsprechenden Zuschlag. Damit Sauber aber auch im kommenden Jahr mitfahren kann, möchte die FIA ihre bedeutendste Rennserie auf 14 Teams aufstocken. Ob sich das umsetzen lässt, hängt von Gesprächen mit den anderen Teams ab.

So sexy ist die Formel 1

fotostrecke

Eine wichtige Voraussetzung für den Verbleib in der Formel 1 wurde am Dienstag aber schon einmal erfüllt: Der neue Besitzer Qadbak garantiert frisches Geld und mehr Planungssicherheit. Die Schweizer Stiftung handelt vornehmlich im Interesse und mit dem Geld arabischer Familien. Nach Angaben der Fachzeitschrift “Auto, Motor und Sport“ (Internet-

Lesen Sie dazu auch:

BMW: Mit Paukenschlag aus der Formel 1

Ausgabe) übernimmt sie für geschätzte 80 Millionen Euro den 80-prozentigen Anteil von BMW. 20 Prozent des Teams gehören weiter seinem Gründer Peter Sauber. BMW sprach von einem “starken Investor“ und wünschte “Qadbak und dem Sauber Team viel Erfolg für die Saison 2010 und darüber hinaus“. Die Stiftung hatte in diesem Jahr bereits den viertklassigen englischen Fußballclub Notts Counts gekauft und dort Ex-Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson zum Sportchef ernannt.

Der Kauf von Sauber war ein wichtiges Signal: Denn noch am Dienstagmorgen hatte die FIA die Vergabe des 13. Formel-1-Platzes an Lotus unter anderem damit begründet, dass “die Besitzverhältnisse bei Sauber noch ungeklärt“ seien. Auch der schweizer Rennstall und Epsilon Euskadi aus Spanien hatten sich um den Startplatz beworben.

Trotz ihrer Entscheidung pro Lotus würde die FIA Sauber gern weiter in der Formel 1 sehen. Für den Fall, dass die anderen Teams eine Aufstockung ablehnen, hält sie immer noch eine Hintertür offen: Der Verband stufte Sauber schon einmal als “Reserve“ für die kommende Saison ein. Sollte sich ein anderer Rennstall zurückziehen, würde das neue “Quadbak-Team“ ihn ersetzen. “Wir freuen uns, dass uns die FIA einen Startplatz in Aussicht gestellt hat. Das Team geht davon aus, beim Saisonstart 2010 am Start zu sein“, hieß es bei BMW.

Am schweizer Sauber-Standort Hinwil herrscht dennoch weiter Ungewissheit. Ein Verbleib in der Formel 1 ist für die Fabrik wichtig, wäre Sauber nicht mehr dabei, gerieten mehr als 400 Arbeitsplätze in Gefahr. Ob noch ein Platz im Starterfeld frei wird, ist aber fraglich. Ob die großen Rennställe wie Ferrari oder McLaren einer Aufstockung zustimmen werden, genauso. Bereits die Expansion von zehn auf 13 Teams gefiel ihnen nicht. Denn mehr Starter bedeuten in der Formel 1 meist auch weniger Einnahmen. Die TV- und Marketing- Erlöse müssten auf mehrere Teams verteilt werden.

Wirklich sicher ist nur, dass mit Lotus ein Traditions-Rennstall nach 16 Jahren in die Formel 1 zurückkehren wird. Er nahm zwischen 1958 und 1994 an 491 Rennen teil und fuhr dabei 79 Siege heraus. Jim Clark (1963, 1965), Graham Hill (1968), Jochen Rindt (1970), Emerson Fittipaldi (1972) und Mario Andretti (1978) wurden im Lotus sogar Weltmeister. Das neue Team wird aber nicht mehr unter britischer, sondern unter malaysischer Federführung fahren. Teamchef wird der Malaysier Tony Fernandes, dem unter anderem die Fluglinie “Air Asia“ gehört. Und Unterstützung erhält Lotus von einem Konsortium, dem die Regierung und mehrere Unternehmen des asiatischen Landes angehören. Immerhin bleiben die Motoren des Teams britisch. Auch Lotus wird in der kommenden Saison mit Cosworth zusammenarbeiten.

Von Sebastian Stiekel und Christian Hollmann (dpa)

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare