Der Computer bremst Weltmeister Vettel

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Red Bulls Teamchef Horner am Computer.

Jerez - Turboantrieb, zwei KERS-Systeme und vor allen Dingen eine neue Regel haben den Computer zum Hauptdenker bei einem Formel-1-Rennen gemacht. Darunter leidet auch Sebastian Vettel.

Stellen Sie sich vor: Sie geben auf der Autobahn Vollgas, aber der Motor liefert trotzdem nur halbe Kraft. Weil der Computer berechnet hat, dass der Tank bei dieser Fahrweise leer ist, bevor Sie die nächste Tankstelle erreicht haben. So ähnlich kommen sich die Formel-1-Piloten in dieser Saison vor. Sie haben viel von Ihrem Einfluss im Cockpit an die Computer verloren. Schuld daran ist das neue Reglement. Turboantrieb, zwei KERS-Systeme und vor allen Dingen eine neue Regel haben den Computer zum Hauptdenker bei einem Formel-1-Rennen gemacht: Ab 2014 dürfen die Autos beim Rennstart nur noch 100 Kilogramm Benzin im Tank haben. Das sind circa 135 Liter Sprit. Das wiederum bedeutet: Die hochgezüchteten Formel-1-Motoren, die 15 000 Umdrehungen in der Minute leisten und als Spitzenwert 800 PS haben, dürfen nur noch rund 45 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Das klingt viel, aber der Vergleich ist interessant: 2013 haben die Autos noch etwa 65 Liter im Schnitt verbraucht.

Das führt dazu, dass die Antriebseinheit 2014 das komplizierteste Stück Technik der F-1-Geschichte ist. Diese Teile sind technische Monster. Die große Kunst ist es, die Power so zu verteilen, dass dabei die bestmögliche Rundenzeit bei der zur Verfügung stehenden Sprit­menge herauskommt. Der Fahrer wäre, alleine auf sich gestellt, schlicht überfordert. Der Computer bestimmt also am Ende, wie schnell ein Pilot fahren darf. Vollgas heißt deshalb nicht mehr unbedingt Vollgas, sondern ist für das Kontrollsystem nur der Hinweis, dass der Fahrer jetzt gerne die maximale Power hätte...

Renault-Motorenchef Rob White versucht, die Befürchtungen zerstreuen, dass es langweilige, ferngesteuerte Rennen geben wird, die kaum noch zu verstehen sind. White: „Was sich ändern wird, ist die Art der Leistungsabgabe – aber das lässt viele Strategien zu. Damit erhöht sich die Zahl der Faktoren, die den Ausgang des Rennens unberechenbar werden lassen. Es wird gutes Racing geben.“ Sein Wort in Gottes Ohr – hoffentlich müssen die Zuschauer keinen F1-Taktikkurs belegen, um die Rennen zu verstehen...

Wenn schon nicht die Rennen, dann doch die Wertung will Bernie Ecclestone durcheinanderwirbeln. Ihm scheint das Abschlussrennen mit doppelten Punkten nicht genug. Laut auto, motor, sport hat er an die Teams geschrieben und bittet um Zustimmung für seinen neuesten Plan: Nun soll es bei den letzten drei Rennen doppelte Punkte geben, also in Austin, Sao Paulo und Abu Dhabi. Red Bull-Teamchef Christian Horner zum Thema: „Ein Rennen mit doppelten Punkten wäre ziemlich viel Lotterie. Würde man für drei Rennen doppelte Punkte vergeben, wäre der Zufallsfaktor nicht so groß.“

Ralf Bach

Quelle: tz

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