tz exklusiv: Vettel verrät seine Siegerformel 

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Sebastian Vettel verrät in der tz seine Sigerformel

München - Sebastian Vettel fährt der Konkurrenz in dieser Saison davon. In der tz erklärt der Formel-1-Weltmeister, worauf es dabei ankommt. Ein Punkt ist nicht jugendfrei.

Olé! Ein Kurzauftritt als Torero und dann an die Arbeit! Sebastian Vettel kommt gut gelaunt zum Europa-GP nach Valencia. Er führt mit 60 Punkten Vorsprung in der WM und sieht selbst den kleinen Ausrutscher von Montreal positiv: „Dieser zweite Platz hat mir immer noch wertvolle Punkte beschert.“ Da ist es kein Wunder, dass er frech grinst, wenn er diese Frage hört: „Welche Dinge machen einen Rennfahrer wie dich so schnell?“ Vettel: „Drei Dinge braucht der Mann. Eigentlich vier. Aber das vierte ist nicht jugendfrei…“ Was er meint: die dicken Eier“, das Rennfahrersynonym für Mut. „Also“, so Vettel, „beschränken wir uns auf Füße, Hände und den Kopf.“

Vettel zeigt auf die Füße: „Der linke Fuß ist fürs Bremsen da, mit dem rechten gebe ich Gas. Wir haben nicht viel Spielraum im Pedalweg, vielleicht vier Zentimeter. Die Kunst ist es, das Pedal so zu dosieren, dass die Hinterreifen beim Beschleunigen nie durchdrehen. Das ist beim Start wichtig und beim Gasgeben aus Kurven heraus. Durchdrehende Räder bedeuten nicht nur, dass du weniger Beschleunigung hast, sondern auch, dass du dann die Hinterreifen zu sehr belastet. Dann musst du eventuell einen Boxenstopp mehr machen und das kann entscheidend sein.“

In Monaco bewies Vettel, wie man mit dem richtigen Gefühl im rechten Fuß Rennen gewinnt. Er beschloss gegen den Willen der Boxenstrategen, die letzten 58 Runden nicht mehr an die Box zu kommen. Vettel: „Ich musste das riskieren. Ein weiterer Boxenstopp hätte bedeutet, dass ich am Ende nur Dritter geworden wäre. So aber konnte ich die Führung behalten. Ich wusste, dass es nicht einfach werden würde, aber ich wusste auch, dass es geht, wenn ich mir die Reifen richtig einteile.“ Sein Reifeningenieur, Kevin Nix, bringt das Phänomen Vettel auf den Punkt: „Er weiß, wie man das Auto am Reifenlimit bewegt und nicht darüber. Verschleiß, aber auch Arbeitstemperatur hat er immer im Griff.“

Als sich Vettel seine Hände betrachtet, schwelgt er in Erinnerungen: „Wenn ich mich an meinen ersten Formel-1-Test erinnere, 2006, da war ich von den ganzen Knöpfen am Lenkrad überfordert. Zwei Wochen vorher hatte ich ein dickes Buch auf den Tisch gelegt bekommen, es hieß: Lern das auswendig! Beim Fahren dann habe ich mich zunächst auf das Minimum beschränkt: Wie fahre ich los? Wie schalte ich? Aber irgendwann wurde ich gelassener und bekam den Kopf frei, um bei Tempo 300 nebenher was zu verstellen.“

Und da sind wir bei Punkt drei. Vettel: „Mit dem Kopf gewinnst du die Rennen. Entscheidend ist, wie jemand mit dem Stress beim Fahren umgeht. Der eine hat genug damit zu tun, auf die Rundenzeit zu kommen, der andere kann es sich erlauben, in der Gegend herumzuschauen, den einen oder anderen Knopf zu drücken, um etwas zu verstellen, weil er meint, das Auto fährt sich dann besser.“ Vettel weiter: „Entscheidend ist, wie viel Kapazität du noch frei hast, während du auf der Strecke bist. Der eine sieht den Regen vorher kommen, der andere bemerkt ihn erst, wenn ein Tropfen auf dem Visier zerplatzt…“ Eines aber könne keiner vermeiden: Fehler. Entscheidend sei, wie die Fahrer damit umgehen, so Vettel: „Ich halte es für wichtig, auch Fehler zu begehen und schlechte Tage zu haben. Die schlechten Tage sind es, die einen besser machen.“ Und, natürlich, die vierte Rennfahrerdimension. Vettel grinst und formt mit der Hand – Sie wissen schon. „Ohne die geht es auch nicht.“

Ralf Bach

Quelle: tz

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