Vettel hat große Probleme

Herr Berger, kriegt Red Bull das noch hin?

+
Gerhard Berger

Melbourne - Red Bull hat bisher die größten Probleme im Formel-1-Starterfeld 2014 hat. Wir sprachen mit F1-Insider Gerhard Berger über die kommende Saison.

Der Countdown läuft, am Sonntag um 7.00 Uhr startet in Melbourne die neue Saison. Eng wird es vor allem für Sebastian Vettel, dessen Red Bull bisher die größten Probleme im Feld hat. Wir sprachen mit F1-Insider Gerhard Berger über die kommende Saison.

Herr Berger, Sie waren selbst bei den letzten Tests in Bahrain. Wie ist der Stand vor dem Saisonstart am 16. März in Melbourne?

Berger: Im Moment ist das Mercedes-Werksteam noch klar vorne. Das Auto wirkt kompakt und bildet schon jetzt eine Einheit mit den komplizierten Antriebssystemen. Man merkt, wie gut Mercedes in der Vergangenheit gearbeitet hat, wie gut sie sich auf das neue Reglement vorbereitet haben. Alles wirkt sehr homogen. Sie sind in der Entwicklung einen Schritt weiter als alle anderen.

Können Sie das erklären?

Berger: Die Schaltvorgänge zum Beispiel sind beim Mercedes viel flüssiger. Der Ferrari wirkt da nicht so homogen, da blockieren auch die Hinterräder mal kurz beim Anbremsen. Das belastet die Reifen dann viel mehr. Beim Mercedes habe ich das zum Beispiel nicht gesehen. Der Mercedes scheint ein besseres Motorenmapping zu haben.

Wer wirkt noch stark?

Berger: Hinter Mercedes sehe ich McLaren, die natürlich auch vom Mercedes-Motor profitieren. Aber das Auto an sich hat einen guten Eindruck gemacht. Dahinter dann Ferrari und Williams auf Augenhöhe.

Das ist überraschend...

Berger: ...aber Williams hat ein gutes Auto gebaut, das schnell aussieht und vor allen Dingen zuverlässig ist. Klar, wie bei McLaren haben sie das Glück, den Mercedes-Motor zu haben. Aber davon abgesehen ist Williams ein gutes Beispiel dafür, dass auch sogenannte kleinere Teams mit weniger Budget einen richtig guten Job machen können.

Um Sebastian Vettel und Renault steht es nicht so gut – oder kriegt Red Bull das noch hin?

Berger: Im Moment sind sie noch dahinter, weil Red Bull von Renault abhängig ist. Aber ich glaube, nach drei Rennen werden sie voll da sein. Denn Red Bull hat fantastische Leute, die sogar Renault helfen können, die komplizierte Elektronik in den Griff zu bekommen. Und dann haben sie Sebastian Vettel. Er ist schon der beste Fahrer. Ich bin sogar der Meinung, dass er in Zukunft noch besser wird. Eigentlich spielt ihm das Reglement sogar in die Hände.

Wie meinen Sie das? 

Berger: Die Rennen werden unberechenbar, gegen Ende kann ein Resultat noch mal völlig auf den Kopf gestellt werden. Es wird auch nicht wie befürchtet eine Meisterschaft nur für die Techniker. Denn der Fahrer spielt immer noch eine tragende Rolle. Das fängt beim Reifenschonen an. Durch die Extrapower der Motoren fahren die Autos öfters quer durch Kurven, die Hinterräder drehen schnell beim Beschleunigen durch. Das belastet extrem die Hinterreifen. Der Fahrer, der dieses Problem am besten lösen kann, wird einen Vorteil haben. Und da sehe ich Vettel vorn. Er kann ein Rennen lesen wie kein Zweiter.

Was halten Sie vom neuen Reglement – blickt der Fan denn noch durch am Ende?

Berger: Ich war auch skeptisch am Anfang, aber jetzt muss ich mal eine Lanze für das neue Reglement brechen. Was ich in Bahrain gesehen habe, war nur positiv. Die Neuerungen mit den Hy­bridsystemen sind nicht nur zeitgemäß – nein, das versprüht immer noch den Glanz, den die Formel 1 ausmacht. Gerade für die Automobilhersteller ist die Formel 1 jetzt mehr denn je der perfekte Prüfstand für ihre Serienauto-Entwicklung. Auch der Sound der Motoren ist viel besser als erwartet. Die Diskussion, ob die Autos nicht mehr wie Formel-1-Wagen klingen, wird ganz schnell wieder vorbei sein. Diese Diskussionen gab es doch immer, wenn es ein neues Reglement gab. Und was den Speed betrifft: Die Rundenzeiten sind schon jetzt, im Anfangsstadium der Autos, extrem schnell. Und die Höchstgeschwindigkeit ist beeindruckend. Der Top-Speed ist um 20 km/h höher geworden. Die Fans und die Show werden sicher nicht mit zu viel Technik überlastet. Wir werden eine extrem spannende Saison erleben.

Interview: Ralf Bach

Quelle: tz

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Michael Schumacher: Wirbel um vermeintliche „rätselhafte Botschaft“ von Corinna - „Große Dinge ...“
Michael Schumacher: Wirbel um vermeintliche „rätselhafte Botschaft“ von Corinna - „Große Dinge ...“

Kommentare