Rosbergs nicht das erste Familienduo

Formel-1-Projekt Doppelweltmeister!

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Nico Rosberg und Papa Keke.

Melbourne - Die „Formula One“ als „Formula Son“: In Melbourne gab es – neben all den neuen Regeln – ein kurioses Novum. In Nico Rosberg (28) und Kevin Magnussen (21) standen zwei Formel-1-Söhne auf den Plätzen eins und zwei.

Kevins Papa Jan galt einst als größtes Talent nach Ayrton Senna, ­Nicos Papa Keke war 1982 Weltmeister. Das will ­Nico in diesem Jahr nachmachen – es wäre das familiäre Projekt Doppelweltmeister. Neben solchen Erfolgsduos gibt es eine Reihe von Vater-Sohn-Geschichten in der F1:

Der Weltmeister-Papa

Vater und Sohn als Weltmeister – das gab es bisher nur einmal, bei der englischen Rennfahrer-Dynastie Hill. Sohn Damon war erst 15, als Doppelweltmeister Graham Hill 1975 mit dem Flugzeug tödlich verunglückte. Geld für die Karriere von Damon hatte die Familie keines, der Junior musste sich als Motorradkurier durchschlagen und kam erst mit 31 in die Formel 1. Aber fighten, oh ja, das konnte Damon Hill. 1994 knöpfte ihm Michael Schumacher mit einem nicht ganz hasenreinen Manöver in Adelaide die WM ab, doch 1996 sorgte Damon im Williams für den dritten WM-Titel im Hause Hill. Am Ende hatte er 22 Grand Prix gewonnen, acht mehr als sein Dad – doch der Junior relativiert: „Man darf nie vergessen, wie wenig Rennen es damals gab. Dafür sind 14 Siege eine ganze Menge. Und die Zeiten waren so unterschiedlich, jeder Vergleich mit meinem Vater hinkt.“

Das gilt auch für das Familienduell Nico vs. Keke, aber der Filius hat alle Chancen Kekes Überraschungs-Titel 1982 (mit nur einem Sieg!) nachzumachen. Doch das war’s auch schon mit den Vater-Sohn-Erfolgsgeschichten. Beim Rest lief es eher so mittel. David Brabham, Sohn von Dreifach-Weltmeister Sir Jack, fuhr mit Gurkenautos (Brabham, Simtek) in den Neunzigern hinterher. Michael Andretti, Sohn von 78er-Champ Mario, kam 1993 als US-Superstar mit großem Brimborium zu McLaren – und blamierte sich. Nach Platz drei in Monza (sein einziger Erfolg) musste er für Testfahrer Mika Häkkinen Platz machen.

Nelson Piquet junior, der Filius von Dreifach-Weltmeister Nelson, hinterließ mehr Eindruck – an einer Wand in Singapur, in die er 2008 auf Geheiß von Teamchef Flavio Briatore seinen Renault warf, um Teamkollege Fernando Alonso durch eine Gelbphase den Sieg zu ermöglichen. Erfolglos blieben auch Wilson und Christian Fittipaldi, Satoru und Kazuki Nakajima sowie die Pilettes aus Belgien, André und Teddy.

Der gute Sohn

McLaren-Shootingstar Kevin Magnussen ist erst der zwölfte Sohn eines Ex-GP-Fahrers, der es in die F1 geschafft hat. Jackie Stewart hielt Papa Jan einst für das größte Talent seit Senna, doch der Däne verschlampte seine Karriere. Nach einem Rennen für McLaren 1995 als Ersatz für den erkrankten Häkkinen und eineinhalb Jahren bei Stewart war mit 25 Schluss. „Ich habe geraucht und nicht anständig trainiert. Aber Kevin kann aus meinen Fehlern lernen“, hofft Magnussen senior, selbst gerade erst 40, der sich noch an die neue Situation gewöhnen muss: „Kevin war immer der Sohn von Jan Magnussen. Und plötzlich bin ich der Vater von Kevin Magnussen.“

Der lahme Sohn

Anders als bei den Magnussens lautete die Formel bisher: Entweder Papa und Sohn erfolgreich, wie in den Familien Hill, Villeneuve und Rosberg. Oder, noch viel öfter, der Nachfahr als Hinten-Nachfahrer, wie bei Andrettis, Brabhams, Fittipaldis oder Piquets. Immerhin, deren Nachwuchs hat es geschafft, im Gegensatz zu vielen Weltmeister-Söhnen, die aufgeben mussten. Deren Namen sind Legion, von den Mansell-Buben Leo und Greg (jetzt Radrennfahrer) bis zu Nicolas Prost, Freddie Hunt oder Mathias Lauda. Tomas Scheckter, Sohn von Ferraris 79er-Weltmeister Jody, hätte es beinahe gepackt, wurde aber 2001 wegen einer Prostituiertenaffäre als Jaguar-Testfahrer gefeuert. Bei Villeneuves war der Sohn eindeutig der erfolgreichere – auf dem Papier. Papa Gilles, der Ferrari-Gigant mit der 27, der Formel-1-Ikarus, der viel zu hoch flog, hinterließ in den Statistiken kaum Spuren. Das womöglich schnellste Wesen auf vier Rädern stand, kaum zu fassen, nur zweimal auf der Pole, gewann nur sechs Grand Prix. „Natürlich wäre er 1982 Weltmeister geworden, und vielleicht danach noch ein paarmal“, ist Sohn Jacques überzeugt, der 1997 im Williams Papas Weltmeisterschaft nachholte – sich danach aber mit einem fragwürdigen Spätwerk den guten Ruf verdarb. Und so gilt Jacques Villeneuve bis heute, trotz WM-Titel, nur als Sohn des übergroßen Gilles.

Und die deutschen Formel-1-Familien? Die tüchtigen Winkelhocks aus Waiblingen, Vater Manfred und Sohn Markus, schafften in 48 Rennen nur zwei Punkte, beide vom 1985 viel zu früh verstorbenen Papa.

Jörg Heinrich

Die Vollgas-Familien

Jan & Kevin Magnussen

Jan Magnussen ­holte trotz seines riesigen Talents in 25 ­Rennen für ­Stewart nur einen WM-Punkt – das hat Kevin mit Platz zwei in Melbourne locker ­geschafft…

Damon und Graham Hill

Graham Hill war 1962 und 1968 Weltmeister, unser Foto zeigt ihn im Herbst 1967 mit seinem Sohn Damon (damals sieben) und ­seiner Tochter Samantha. Damon wurde 1996 Weltmeister im ­Williams – in einem legendären Duell gegen Schumi.

Nelson Piquet und Nelson jr.

Nelson Piquet wurde dreimal Welt­meister: 1981, ’83, ’87. Sein Sohn ­Nelson jr. (hier beide im Gespräch mit ­Flavio Briatore) holte in 28 Rennen einen Podiumsplatz.

Quelle: tz

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