Aston-Martin-Testpilotin Hawkins im Interview

Bond-Girl schwärmt von Sebastian Vettel: „Er hat mich unter seine Fittiche genommen“

Sebastian Vettel fährt sich durchs Haar.
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Sebastian Vettel beeindruckte Bond-Girl Jessica Hawkins mit seiner Art.

Bond-Girl Jessica Hawkins (26) wurde von Aston Martin als Botschafterin und Testfahrerin engagiert. Die Engländerin spricht über Sebastian Vettel, James Bond und die deutsche Rennfahrerin Sophia Flörsch.   

Frau Hawkins, im aktuellen James-Bond-Film waren Sie als Stuntfrau unterwegs - wie kam es dazu?
Jessica Hawkins: Das fing damit an, dass mir vor ein paar Jahren das Geld ausging, Rennen zu fahren. Also bewarb ich mich bei einem Casting für eine Stuntfrau bei einer Show in England. Daraus entwickelten sich Auftritte in ein paar Filmen, wie zuletzt eben James Bond. Das war eine außergewöhnliche Erfahrung, denn wer würde nicht gerne in einem Bond-Movie mitspielen?
Aston Martin ist eine der berühmtesten Sportwagenmarken der Welt. Sie sind Botschafterin. Wie fühlt sich das an?
Hawkins: Ich muss mich manchmal noch kneifen. Die Marke hat viel Prestige, die Autos sind wunderschön. Ich kann nicht anders als schwärmen.
Was genau ist Ihr Job?
Hawkins: Ich werde bald mit der Simulatorarbeit anfangen. So lange kümmere ich mich um Partner und Sponsoren. Ich darf bei den Meetings mit den Ingenieuren und eben auch den Track Walks dabei sein und lerne da unheimlich viel.
Wie stolz sind Sie, Teamkollegin von Sebastian Vettel zu sein?
Hawkins: Für mich ist ein Traum wahr geworden. Ich war in Baku das erste Mal vor Ort und habe mich direkt als gleichwertiges Teammitglied gefühlt. Alle haben mich unter ihre Fittiche genommen - auch Sebastian, mit dem ich jetzt schon zwei Strecken-Begehungen gemacht habe.
Jessica Hawkins (26) startet in der W-Series, in der ausschließlich Frauen gegeneinander fahren.
In Baku waren Sie also beim historischen ersten Podestplatz von Aston Martin in der Formel 1 dabei. Wie haben Sie den erlebt?
Hawkins: Die Atmosphäre war gigantisch. Es war mein erstes Wochenende an einer Formel-1-Strecke, aber ich konnte direkt spüren, wie hart alle für den Erfolg arbeiten. Deshalb ist so ein Triumph dann auch extrem wichtig für die Moral einer ganzen Mannschaft.
Wie ist Vettel so als Typ?
Hawkins: Er ist ein sehr leidenschaftlicher Kerl. Man spürt, wie sehr er den Erfolg will. Er hat einen großen Einfluss aufs Team und ist sehr proaktiv, fordernd. Bei den Track Walks ist er sehr fokussiert - da merkt man, warum er viermaliger Weltmeister ist. Für mich ist es großartig, von jemandem wie ihm lernen zu können. Abgesehen davon ist er so ein netter, warmherziger Mensch. Er hat sich sehr für meine Karriere interessiert. Das ist schockierend, denn er hat eine Million Dinge auf dem Schirm, hat sich aber trotzdem mit mir beschäftigt. Das ist nicht selbstverständlich in der Formel 1.
Wer waren Ihre Helden als Kind?
Hawkins: Das waren Vettel, Alonso und Schumacher. Es ist verrückt, dass Sebastian jetzt mein Kollege ist. Aber ich habe hart dafür gearbeitet, in diese Position zu kommen.
Wie sind Sie zum Motorsport gekommen?
Hawkins: Ich habe mit meinem Dad Golf gespielt, da war eine Kartbahn auf dem Gelände. Ich war damals noch zu klein, um zu fahren. Aber sechs Monate später - ich war nicht viel größer - hatten sie kleinere Karts und es gab kein Halten mehr. Fast 20 Jahre später sitze ich nun hier und habe daraus eine Karriere aufgebaut. Das war nicht geplant, aber ich habe mich in Motorsport verliebt.
Was für ein Mädchen immer noch als eher ungewöhnlich gilt…
Hawkins: Mir war das damals gar nicht bewusst. Ich wollte nur schnell fahren. Und wenn wir Rennfahrer unseren Helm aufziehen, ist nicht mehr zu erkennen, ob man eine Frau ist oder ein Mann. Ich hatte jedenfalls nie das Gefühl, dass ich wegen meines Geschlechts Nachteile habe.
Dank der W-Series sind Sie jetzt zurück im aktiven Motorsport.
Hawkins: Stimmt. Es ist ja kein Geheimnis, dass Motorsport extrem teuer ist. Ich komme aus keinem wohlhabenden Elternhaus. Die W-Series ist meine zweite Chance im Motorsport. Sie geben vielen Frauen die Möglichkeit, Rennen zu fahren, die sie ohne die W-Series nicht hätten.
Trotzdem gibt es andere Meinungen wie die von Sophia Flörsch, die sagt: Frauen werden in der W-Series dazu verdonnert, nur gegeneinander zu fahren.
Hawkins: Ich verstehe, was sie meint. Aber sie ist in einer privilegierten Position, in der sie sich diese Sichtweise leisten kann. Ich habe diesen Luxus nicht. Deshalb bin ich der W-Series sehr dankbar für die Möglichkeit. Ich schätze ihre Meinung, aber wenn sie in meiner Position wäre, würde sie die Vorteile ebenfalls erkennen. Wenn sie kein Fan ist, werde ich sie nicht versuchen vom Gegenteil zu überzeugen. Aber meine 20 Kolleginnen und ich genießen die Serie.
Träumen Sie noch von der F1?
Hawkins: Ja, sag niemals nie - das ist mein Motto.

Interview: Ralf Bach

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