Desaster in Melbourne?

Formel 1: Der tz-Team-Check

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Weltmeister Sebastian Vettel in seinem Rennauto auf der Strecke in Bahrain.

München - Rauchende Motoren, qualmende Köpfe: Gibt es bei der Formel 1 in Melbourne ein Desaster? Der große tz-Team-Check verrät, welcher Rennstall die meisten Probleme hat und wer gut da steht.

Sebastian Vettel (26) droht zum Formel-1-Auftakt in zwei Wochen in Australien ein Debakel. „Zunächst einmal wollen wir ins Ziel kommen. Das wäre schon ein Erfolg“, sagte der Red-Bull-Pilot: „Wenn dann die Hälfte der Fahrer ausfällt, können wir sogar ein paar Punkte mitnehmen.“ Vettels Mentor Helmut Marko schlägt deshalb Alarm. „Wir sind nicht dort, wo wir sein sollten. Der Saisonauftakt kommt für uns mindestens zwei Monate zu früh“, so der Österreicher bei Servus-TV: „Es wird schwer, das aufzuholen – momentan wissen wir nicht, wann und ob das möglich ist. Und wo stehen die anderen? Der tz-Teamcheck:

Mercedes gilt als Favorit in Melbourne

Red Bull: Vettel & Co. hängen an der Pipeline von Motorenhersteller Renault. Die hinken weit hinter Mercedes und Ferrari her, was die komplizierte Steuerung der verschiedenen Hybridsysteme betrifft. Red Bull arbeitet Tag und Nacht, um bis Melbourne die Situation zu verbessern. Red-Bull-Elektroniker wurden in die Renault-Zentrale nach Paris geschickt, um ein besseres Motormapping zu schreiben. Bisher war es Red Bull noch nicht möglich, die 160 Zusatz-PS durch die KERS-Systeme abzurufen. Deshalb haben sie auf langen Geraden noch einen Rückstand von über 20 km/h. Vom Auto her ist Red Bull wieder top. Mit Abstand sind Vettel und Teamkollege Ricciardo die schnellsten in den Kurven. Wenn sich Renault bis Melbourne drastisch verbessern kann, gilt Red Bull sogar als Favorit. Wenn nicht, müssen die Vettel-Fans wahrscheinlich bis zum vierten Rennen in China warten. Solange dauert es dann – so vermuten Experten –, bis Renault den Rückstand aufgeholt hat.

Mercedes: Das Werksteam gilt als Favorit in Melbourne. Das Auto lief am zuverlässigsten, Mercedes hatte von Anfang die komplizierten Systeme im Griff. Der Motor gilt dabei nicht nur als am leistungsstärksten (ca. 860 PS bei Verwendung aller KERS-Systeme), sondern auch als extrem fahrbar. Was gar nicht so einfach ist bei der Turbotechnik in dieser Saison. Bei den Tests zeichnete sich ab, dass Nico Rosberg etwas besser zurechtkam als Lewis Hamilton.

Formel 1: Das sind die Favoriten 2014

Williams: Der Geheimfavorit für die ersten drei Rennen. Danach haben die anderen nachgerüstet, und Williams muss beim Entwicklungstempo mithalten. Williams baute ein einfaches, aber effizientes Auto. Größter Vorteil ist das Kühlsystem: Williams kann wegen extrem gelungener Kühlereinlässe mit 20 Grad weniger Temperatur im Rennen fahren als das Mercedes-Werksteam. Das macht sie im Rennen sogar stärker als Rosberg & Co.

Bei Lotus häufen sich die Schulden, Mitarbeiter laufen weg

Ferrari: Hat extreme Probleme, wenn die Systeme voll ausgereizt werden sollen. Das funktioniert immer nur eine Runde. Das Auto ist ebenfalls noch nicht schnell genug, fährt im Moment noch eine Sekunde pro Runde hinter Mercedes und Williams hinterher. Alonso kommt dabei besser klar als Räikkönen.

Lotus: Ein Desaster. Die Schulden häufen sich, Mitarbeiter laufen weg, das Auto ist nicht schnell, der Renault-Motor macht Probleme. Das Team entwickelt sich vom WM-Anwärter 2013 zum Hinterherfahrer. Romain Grosjean und Neuankömmling Pastor Maldonado könnten eine Horrorsaison erleben.

Sauber: Das Auto ist gut, der Motor (Ferrari) – speziell die Software – noch nicht. Wie Red Bull von Renault ist Sauber von Motorenlieferant Ferrari abhängig. Schwierig ist auch, die wahren PS-Zahlen zu kennen, denn die variieren sogar bei Teams, die den gleichen Basismotor benutzen. Beispiel Ferrari und Sauber. Sauber fehlten in Bahrain konstant 54 PS gegenüber dem Ferrari-Werks­team. Weil Sauber nur eine konservative Software-Variante für die Motorsteuerung bekam. Auf der Geraden macht dieser PS-Unterschied eine Differenz von bis zu 20 km/h aus. Trotzdem hofft Adrian Sutil auf Punkte beim Saisonauftakt. Denn der Sauber lief beim letzten Test problemlos.

Marussias Rennwagen wirkt schnell und solide

McLaren: Die Engländer befinden sich im Übergangsjahr. Sie fahren noch ein Jahr mit Mercedes, dann steigt Honda groß ein. Mercedes gibt verständlicherweise deshalb McLaren nur die notwendigen Informationen. In Jerez wirkte McLaren schnell, doch die Leistungsfähigkeit hat sich nach den Tests in Bahrain relativiert. Punkte sind drin, mehr nicht.

Toro Rosso: Das Auto ist schnell, nur der Renault-Motor macht noch Probleme. Besonders auf Rookie Daniiel Kwjat darf man gespannt sein. Der Russe gilt als Überflieger. Wenn alles funktioniert, sind sogar Podiumsplätze drin.

Force India: Größter Vorteil sind die Mercedes-Motoren, größter Nachteil die fragwürdige Reputation von Teambesitzer Vijay Mallya, der in seinem Heimatland Indien gerade vor Gericht steht. Trotzdem versucht das Ex-Team von Eddie Jordan alles, es Rückkehrer Nico Hülkenberg recht zu machen. Um dem groß gewachsenen und daher vom Gewicht benachteiligten Hülkenberg das Leben zu erleichtern, will Force India bis Melbourne ein zehn kg leichteres Chassis bauen. Gelingt das, ist Hülkenberg ein Punktekandidat.

Caterham: Fährt mit Renault-Motoren und streitet sich mit Marussia um die rote Laterne. Erfreulich sind die Leistungen von Neuling Ericsson.

Marussia: Die Russen haben kein Geld, machen dafür aber einen guten Job. Das Auto wirkt schnell und solide. Deshalb ist das mit Ferrari-Motoren ausgestatte Team Favorit im Abstiegsduell.

Von Ralf Bach

Quelle: tz

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