Lehre aus Österreich-Wochenende

Vettel fühlt sich unfair behandelt - jetzt will er etwas Entscheidendes ändern

Sebastian Vettel fährt sich mit der linken Hand durch die Haare
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In der Formel 1 werden keine Nettigkeiten ausgetauscht: Sebastian Vettel will seinen Stil nach den jüngsten Erfahrungen ändern.

Sebastian Vettel erlebt eine allenfalls durchwachsene Premieren-Saison bei Aston Martin. Seine Strafe aus dem Österreich-Qualifying könnte nun aber für einen Schub sorgen - der F1-Star hat offenbar seine Lehren gezogen.

München - Außerhalb des Cockpits sind Max Verstappen und Lewis Hamilton grundverschiedene Typen. Während der Red-Bull-Pilot ohne Rennoverall nur selten im Rampenlicht auftaucht, liebt der Mercedes-Star das Glamourleben. Doch wenn sie das Visier runterklappen und spätestens wenn der Bolide auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigt wird, ticken die beiden WM-Kontrahenten genau gleich.

Auf der Strecke kennen die Stars der Formel 1 keine Freunde und Verwandten. Da werden die Ellbogen ausgefahren - oftmals ohne Rücksicht auf Verluste. Das haben die großen Champions der Königsklasse im Motorsport gemein. Ob Michael Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost. Oder auch Sebastian Vettel, der in seinen vier Triumph-Jahren nicht einmal vor Teamkollege Mark Webber haltgemacht hat.

Vettel in der Formel 1: „Beim nächsten Mal werde ich wohl weniger nett sein“

Doch diese Einstellung, die teilweise an Verbissenheit grenzte, scheint dem Heppenheimer seit einiger Zeit etwas abzugehen. Nach zwei höchst enttäuschenden Ferrari-Jahren, in denen ihm Charles Leclerc den Schneid abgekauft hat und nicht selten an den jungen Vettel erinnerte, setzte es auch bei Aston Martin nach einem Aufwärtstrend zuletzt zwei Rückschläge beim Renn-Doppelpack in Österreich. Mit 30 WM-Punkten steht der viermalige Weltmeister auf Rang zehn, das Team in der Konstrukteurswertung mit 44 Zählern auf Platz sechs.

Ganz und gar nicht die Bilanz, die sich Vettel von seinem Wechsel versprochen haben dürfte. Auch deshalb will er sich nun wohl ändern, um wieder an frühere, bessere Zeiten anknüpfen zu können. „Ich war der Einzige, der versucht hat, nett zu sein. Beim nächsten Mal werde ich wohl weniger nett sein“, warnte der 34-Jährige laut speedweek im Rückblick auf das Qualifying zum Grand Prix von Österreich.

Video: Verstappen nimmt Kurs auf den Titel - die Bilanz von Spielberg

Vettel in der Formel 1: Regeln für Qualifying eingehalten und trotzdem bestraft?

Die Zeitenhatz auf dem Red-Bull-Ring hat Vettel offenbar die Augen geöffnet. Denn obwohl er als Mr. Nice Guy über den Asphalt jagte, brummten ihm die Rennkommissare - ausgerechnet an seinem Geburtstag - eine Strafe auf und beorderten ihn in der Startaufstellung um drei Plätze nach hinten. Weil er Fernando Alonso auf dessen schneller Runde behindert haben soll. Dabei betonte der Bestrafte, dass er sich schlicht und einfach an die Regeln gehalten habe - als einer von ganz wenigen.

„Wir hatten uns doch darauf geeinigt, dass wir zwischen den Kurven 8 und 9 verlangsamen, was ich getan habe“, erklärte Vettel und klagte zugleich: „Dann hat mich jeder überholt und sich vorgedrängelt. Danach hat der ganze Zug Tempo rausgenommen und genau getan, was wir eben nicht tun wollten - Verlangsamen zwischen den Kurven 9 und 10.“

Vettel in der Formel 1: „Habe Alonso sehr spät gesehen und dann meine Runde geopfert“

Und weiter: „Sergio Pérez war neben mir der Einzige, der sich an die Vorgabe gehalten hat. Also wurden wir beide durchgereicht.“ Klingt nach: Wer sich an die Regeln hält, verliert. Konsequenzen musste jedenfalls nur Vettel tragen. Dabei war der sich keiner Schuld bewusst: „Ich war dann hinten, aber diese Stelle ist blind, also habe ich Alonso sehr spät gesehen. Ich habe mein Auto nach rechts gerissen, um ihm Platz zu geben und meine eigene Runde geopfert.“

Selbst der Leidtragende Alonso sprang dem unfreiwilligen Bremsklotz bei: „Wir sind mit Strafen nicht hart genug, und jetzt haben wir den Salat. Dabei ist es ganz einfach: Wenn du mit der Hand im Strafraum den Ball berührst, dann ist das ein Elfmeter und basta.“

Vettel in der Formel 1: Auch Alonso hat es eher auf die anderen Piloten abgesehen

Auch der F1-Rückkehrer, der einst Schumachers Titelserie beendete, findet: „Nun hatten wir die Vorgabe, in den Kurven 9 und 10 nicht gefährlich langsam zu fahren. Es ist mir egal, ob das ein Fahrer macht oder es fünf Piloten sind oder zehn - aber das muss geahndet werden!“ Wurde es aber eben nicht. Stellt sich die Frage, ob den Rennkommissaren die Vorgabe der Rennleitung an die Piloten nicht bekannt war. Oder sie dieser aus welchen Gründen auch immer keine Bedeutung beimaßen.

Vettel zumindest musste auf die harte Tour lernen, dass es in der Formel 1 nicht immer ratsam ist, nett sein zu wollen. Schon gar nicht, wenn man ganz vorne landen will. Auch wenn sich das nach einem ambitionierten Ziel anhört, dürfte das Aushängeschild von Aston Martin die Spitze immer noch im Blick haben. Wie er die erfolgreich ansteuert, weiß Vettel ja bestens. (mg)

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