Haug – der Berti Vogts der Autos …

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Norbert Haug.

München - tz-Kolumnist Jörg Heinrich hat es in der "Polemik der Woche" dieses Mal auf Mercedes-Sportchef Norbert Haug abgesehen und glaubt: der bräsige Blåg­goischd hat schlechtes Karma.

Das Schönste an der Formel 1 ist ja, Sebastian Vettel beim Gewinnen zuzuschauen und Norbert Haug beim Verlieren. Mit der behäbigen Zuverlässigkeit eines Daimler 200 Diesel, Baujahr 1973 drängt sich die Schwätzbas aus Stuagard nach jedem Rennen bei Kai Ebel ins Bild und erklärt, Hailixblechle, warum Schumi und Nico das Feld wie immer vor sich hergetrieben haben und warum beim nächsten Mal alles besser wird.

Wird es aber nie. Denn: Wo Misserfolg isch, isch Norbert Haug. Wo Norbert Haug isch, isch Misserfolg. Wir können alles, außer gewinnen. Kein Wunder, dass Google bei der Suche nach „Norbert Haug“ und „Probleme“ 1,36 Millionen Ergebnisse ausspuckt. Offiziell ist der Mann Rennleiter von Mercedes . In Wahrheit ist er Rennleider. Der Berti Vogts des Autofahrens, in der Niederlage zu Hause, nur besser ernährt.

Meine erste indirekte Begegnung mit Nervensägen-Norbert ist 35 Jahre her. 1976 kämpfte Niki Lauda nach seinem Unfall ums Comeback, der sehr junge Heinrich bangte um sein Idol, Haug hetzte in der Automobil-Prawda Auto, Motor und Sport gegen den Niki: „Hirnverbrannt!“ Als Chef beim Daimler ist er keinen Deut treffsicherer. In 21 Jahren Amtszeit kam es, vermutlich versehentlich, zu sagenhaften drei WM-Titeln mit McLaren-Mercedes, wo man Haug als Grüß-Gottle-Auguscht sicherheitshalber von zentralen Entscheidungen fernhielt. Sein schlechtes Karma wirkte dennoch. Meist triumphierte Schumi und Nobby musste bei Ebel erklären, warum der Kerpener dauernd gewinnt. Heute ist Nobby der Chef vom Schumi und muss bei Ebel erklären, warum der Kerpener dauernd verliert. Das kann kein Zufall sein. Es muss am Karma liegen.

Wir rekapitulieren: Fünfmal am Stück verlor Räikkönen bei McLaren mit Haug die WM, floh vor Loser-Norbert zu Ferrari und wurde auf Anhieb Weltmeister. Loser-Norbert wiederum kaufte das Team von Ross Brawn, das 2009 die WM holte – und seither kein einziges Stockerl mehr von oben sah. Wenn Haug an der Box steht, fahren die Autos automatisch zwei Sekunden langsamer. Okay, manchmal gewinnt er auch, aber nur in der ulkigen DTM, in der Mercedes mit sich selbst um die Wette fährt.

Das Fachbuch Nobby redet sich die Welt, wie sie ihm gefällt ist überfällig. Durchhalteparolen wie „Von uns wird man noch hören“, „Die Saison gäht jetzt erst richtig los“ oder „Es gäht in die richtige Richtung“, nämlich rückwärts, gehören zur F-1-Folklore wie einst die Weiber zu Briatore. Es würde einem beinahe etwas fehlen ohne den bräsigen Blåg­goischd (schwäbisch für Plagegeist) vom Daimler. Vermutlich gibt es nur einen Weg, Vettel vom Titel abzuhalten: Die Konkurrenz müsste Haug bei Red Bull einschleusen. Dann wär’s schnell vorbei mit dem Gewinnen. Und Schumi könnte noch drei, vier WM-Titel abräumen.

Quelle: tz

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