"Ich leide richtig mit Michael"

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Eddie Jordan

Nürburg - Eddie Jordan, Ex-Teamchef, blickt zurück auf Michael Schumachers erstes Rennen in der Formel 1 und erklärt, dass der Kerpener heute kein Ausnahmefahrer mehr ist.

Als ich am Nürburgring bei der PK die sechs deutschen Piloten auf dem Podest sah, wurde mir bewusst, dass ich auch einen kleinen Beitrag geleistet habe, dass Deutschland mit Abstand die größte Formel-1-Nation geworden ist. Neben der gigantischen Nachwuchsförderung von Mercedes und BMW glaube ich, dass Michael Schumachers Erfolge dazu geführt haben, dass immer mehr Kids in Deutschland Rennfahrer werden wollten und nicht nur Fußballprofi. 1991 fuhr Michael bei mir sein erstes Formel-1-Rennen. In Spa. Ich brauchte einen Piloten, weil mein Stammfahrer Bertrand Gachot unabkömmlich war – nach einer Meinungsverschiedenheit mit einem Taxifahrer saß der in einem englischen Knast. Ich hatte am Anfang Zweifel, ob ein junger Mercedes-Sportwagenpilot den Sprung in die Formel1 schaffen würde. Doch schon die ersten Probefahrten in Silverstone zeigten mir: Da sitzt ein Weltwunder am Lenkrad. Michael war so schnell, dass meine Ingenieure Angst um ihr Auto hatten. Sie brachen die Testfahrten früher ab und sagten mir: Nimm diesen Wahnsinnigen! In Spa bestätigte Michael den Eindruck. Leider war er zu gut, schon beim nächsten Rennen saß er im Benetton. Nach Michael fuhren sein Bruder Ralf, Heinz-Harald ­Frentzen, Nick Heidfeld und Timo Glock in meinem Team. Alle waren souverän, schnell und stark. Das spricht für das Autofahrertalent und die professionelle Einstellung der Deutschen. Was Michael betrifft: Gerade, weil ich sein Ausnahmetalent am Anfang der Karriere erlebt habe, leide ich richtig mit, weil er nicht mehr der Ausnahmefahrer ist.

Eddie Jordan

Quelle: tz

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