Erstversorgung nach drei Minuten

So lief die Rettung von Michael Schumacher

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Grenoble - Die Rettungskette von Michael Schumacher funktionierte sehr gut: Schon drei Minuten nach dem Ski-Unfall waren Ersthelfer am Unglücksort. Die tz  rekonstruiert die Rettung:

Das Schumacher-Chalet

Méribel, Albertville, Grenoble. Die Rettungskette von Michael Schumacher funktionierte sehr gut. Angefangen hat alles auf der Piste. Ein Tiefschneehang im französischen Ski-Ort Méribel, in dem Schumacher mit seiner Familie im eigenen Chalet im Skiurlaub weilte, wurde ihm zum Verhängnis. Kurz unterhalb des Gipfels des 2783 Meter hohen Berges Saulire zwischen den Pisten Chamois (rote Piste) und Biche (blaue Piste) passierte der folgenschwere Sturz. Schumacher stürzte zwischen 11 und 11.15 Uhr aufgrund eines technischen Defekts mit der rechten Kopfseite auf einen Felsen. Bereits drei Minuten nach dem Unfall war der Ersthelfer zur Stelle.

Das Klinikum in Grenoble

Aktuell liegen dort auf dem Berg etwa 90 Zentimeter Schnee, eine Menge davon soll erst in den vergangenen Tagen gefallen sein, vielleicht war der Felsen nur deswegen verdeckt. Bei der Olympiade 1992 fand in Méribel das Eishockeyturnier statt, das Skigebeit gehört zum 600 Kilometer großen Ski-Mekka Trois Vallées, zwischen dem Tal von Courchevel und Val Thorens. Meribel besteht aus zwei Teilen: dem historischen Ortskern auf 1450 Metern Höhe und der Skistation Méribel-Mottaret auf 1750 Metern. Von hier aus gehen die Bahnen zu beiden Seiten des Tals hoch und ermöglichen ein schnelles Wechseln in die anderen Täler. Es ist eines der Topgebiete Frankreichs mit hohem Promifaktor. Dementsprechend gut funktionierte zum Glück die Rettungskette.

Bereits drei Minuten nach dem Sturz war der Ersthelfer zur Stelle. Nach zwölf Minuten flog ihn der Helikopter ins Krankenhaus nach Albertville-Moutiers, wo er um 11.53 Uhr ankam. Hätte er keinen Helm getragen, hätte Schumacher den Sturz wohl nicht überlebt. In Albertville war der 44-Jährige noch ansprechbar und bei Bewusstsein. Allerdings konnte er auch da schon nicht mehr sinnvoll auf Fragen antworten. Schnell stellte sich heraus, dass seine Verletzungen schlimmer waren als zunächst angenommen. Deshalb überwies man Schumacher weiter nach Grenoble, wo der Helikopter gegen 12.40 Uhr mit ihm landete. Wie die Ärzte mitteilten, lag er zu diesem Zeitpunkt bereits im Koma. Im Klinikum wurde eine erste MRT-Aufnahme von Schumachers Gehirn erstellt und die nächsten Routinemaßnahmen eingeleitet.

MM

Ohne Helm geht nichts mehr!

„Ohne Helm wäre er nicht bis zu uns gelangt“, sagte Professor Jean-François Payen, Leiter der Anästhesiologie. Früher fuhr man grundsätzlich ohne, seit ein paar Jahren erfreut sich der Helm auf der Piste immer größerer Beliebtheit. Eine hunderprozentige Garantie kann aber auch er nicht bieten. „Er schützt nicht vor allem, wie wir leider bei dem Unfall von Michael Schumacher lernen mussten, aber möglicherweise vor schlimmeren Verletzungen“, sagt Jörg Ansorg, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Chirurgen. Er rät jedem Skifahrer, einen Helm zu tragen, auch wenn in Deutschland keine Helmpflicht besteht. Zu Recht, denn jede zehnte Skiverletzung ist laut Deutschem Skiverband eine Kopfverletzung. Durch den Helm wird der Druck auf eine größere Fläche des Kopfes verteilt, der bei punktueller Gewalteinwirkung entsteht, wenn man, wie beispielsweise Michael Schumacher auf einen Fels aufschlägt. Bei leichteren Gewalteinwirkungen trage man dann überhaupt keine Verletzung davon, erläutert Ansorg. Schumacher muss also mit einer sehr hohen Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein. Dann kann es eben auch brenzlig werden. Folgen können laut Ansorg Schädel-Traumata sein, also Gewalteinwirkungen auf den Schädel, die zu Bewusstlosigkeit oder schwereren Schädel-Hirn-Verletzungen führen können.

Quelle: tz

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