Rosberg: "Zitternde Knie" wegen Schumi & Mika

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Nico Rosberg mit seiner Vivian Sibold

München - Im tz-Interview erklärt Nico Rosberg, dass er ein typischer Deutscher sei und warum bei ihm einst Michael Schumacher und Mika Häkkinen für zitternde Knie gesorgt haben.

Erst der Rückschlag – und jetzt wollen sie zurückschlagen! Wenn Nico Rosberg (25) und sein Mercedes-Team am Sonntag (10 Uhr vormittags, live bei RTL und Sky) zum Großen Preis von Malaysia in Sepang antreten, dann werden sie eine ordentliche Portion Wut im Bauch haben. Im Hinterkopf: der unverschuldete Doppelausfall vom Saisonstart. Die Silberpfeile wollen jetzt zeigen, dass sie’s besser können. 

Das tz-Interview:

Herr Rosberg, wie haben Sie den missglückten Saisonauftakt beim Großen Preis von Australien verkraftet?

Rosberg: Auch wenn ich mir natürlich einen wesentlich besseren Saisonstart gewünscht hatte, verspüren wir jetzt keine Panik im Team.Wir stehen zusammen und haben einen erstklassigen Spirit bei Mercedes. Wenn es hart wird, werden wir nur noch stärker und fleißiger arbeiten. Und ich bin der Erste, der sein Team mit voller Kraft unterstützt und motiviert. Ich lasse nichts auf meine Jungs kommen.  

Anders als Ihre Kollegen sind Sie der Sohn eines Formel-1-Weltmeisters. Ihr Vater Keke gewann den Titel 1982. Wie muss man sich das vorstellen? Hatte Ihr Kinderwagen schon Rennreifen drauf und war die Karriere programmiert?

Rosberg: Nein. Aber ich war von Anfang an dabei, begleitete als kleines Kind meinen Vater zu seinen DTM-Rennen. Schon mit sechs Jahren wusste ich daher, dass ich mal Rennfahrer werden wollte. Aber meine Eltern förderten meinen Wunsch nicht von Haus aus. Meine Mutter versuchte, meine Begeisterung ein wenig zu bremsen, indem sie mich eher in Richtung Golf oder Tennis zu schieben versuchte. Aber als sie merkte, dass ich Rennfahrer werden wollte, akzeptierte sie das. Weil sie wusste, dass es mein Wille war. Mein Vater hat mich gefördert, als feststand, dass ich es ernst meinte.

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War Ihr Vater eigentlich eher der Typ Oberlehrer – oder war er tolerant genug, den Sohn einen wirklich eigenen Stil als Rennfahrer entwickeln zu lassen?

Rosberg: Er war immer sehr aufmerksam. Mein Vater hat ein Riesenwissen über unseren Sport, das half und hilft in jeder Beziehung. Aber er lässt mir auch meinen Freiraum. Deshalb kommt er ja auch so gut wie gar nicht mehr zu den Rennen.

Sind Sie sich der Gefahr Ihres Sports bewusst?

Rosberg: Ja, bin ich. Obwohl ich zu einer Zeit Rennen fahre, wo die Formel 1 ein Maximum an Sicherheit hat. Ich bin mal in England den Williams meines Vaters von früher gefahren. Es hat unheimlich Spaß gemacht, wie Kartfahren war das fast. Aber es ist kein Vergleich. Auch von der Sicherheit her. Die hatten früher einen Knopf am Lenkrad, ich muss mit über 20 klarkommen. Man musste auf weniger Sachen achten. Im Prinzip musste man nur willenlos Gas geben.

War es eigentlich schwierig, nicht Ihren Vater als Vorbild zu haben, sondern Mika Häkkinen?

Rosberg: Mein Vater war auch ein Vorbild, aber Mika war einfach präsenter. Meinen Vater habe ich ja nur bewusst in der DTM erlebt – und da war er nicht mehr gerade der überfliegende Dominator, um es milde auszudrücken. Mika habe ich dadurch, dass mein Vater sein Manager war, persönlich gekannt und habe ihn so ganz anders verfolgt. Ich habe mit ihm gefiebert. Beim Rennen in Spa, als Mika sich so irre mit Schumacher duelliert hat, als Zonta von beiden in die Zange genommen wurde, als Mika Michael bei über 300 fast auf dem Grünstreifen überholen musste – da bin ich mit zitternden Knien auf den Parkplatz rausgelaufen, um diese Szene erst mal zu verdauen. Obwohl ich das Rennen zu Hause vorm Fernseher verfolgte. Das war der Wahnsinn.

Das Image von Formel-1-Piloten wird heute hauptsächlich von den Medien geprägt. Dabei kommen die meisten Piloten wie Fahrroboter rüber, die nur sehr wenig Emotionen zeigen. Besonders Sie wirken extrem cool. Was muss passieren, dass ein Nico Rosberg richtige Emotionen zeigt?

Rosberg: Sie meinen, wann er vielleicht mal heult? Da müsste schon eine richtige Tragödie passieren. Zum Beispiel, wenn ein geliebter Mensch oder Hund ums Leben kommt. Gefühle zeigen: Das sehe ich als eine sehr persönliche Sache an. Die gehören nicht in die Öffentlichkeit. Ich bin mehr ein rationaler Mensch als ein emotionaler. Die Emotionen kommen meistens gar nicht hoch, weil ich vorher mit dem Kopf Dinge verarbeite. Zum Beispiel werfe ich nicht das Lenkrad wütend durch die Gegend, wenn ich aus irgendeinem Grund ausfalle. Weil ich dann denke: „Ok, du hast deine Leistung gebracht, also hake die Sache jetzt so schnell wie möglich ab.“ Außerdem entscheidet der Kopf am Ende über Sieg und Niederlage, nicht die Emotion.

Wen sehen Sie, wenn Sie in den Spiegel schauen?

Rosberg: Grundsätzlich jemanden, der typisch deutsche Charaktereigenschaften hat. Wie mein großer Ehrgeiz und mein Hang dazu, perfekt organisiert zu sein. Von meinem Vater habe ich auf jeden Fall den extremen Wettbewerbsgedanken.

Wie ausgeprägt ist dieser Wettbewerbsgedanke bei Ihnen? Ein Sebastian Vettel will zum Beispiel sogar beim normalen Joggen immer den entscheidenden Schritt vor seinem Laufpartner ins Ziel kommen…

Rosberg: Das ist bei mir leider genauso. Obwohl das nicht gut ist – dessen bin ich mir bewusst. Man darf es nicht übertreiben. Ich habe aber gelernt. Bei Diskussionen mit meiner Freundin beispielsweise, wo der Wettbewerbsgedanke darin besteht, wer früher nachgibt, kann ich mittlerweile ganz gut verlieren. Da stehe ich jetzt locker drüber.

Interview: Ralf Bach

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