Vettel: "Zwei schlimme Wochen für den Sport"

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Sebastian Vettel in Indien

Neu-Delhi - Für Sebastian Vettel ist die Reise zur Formel-1-Premiere nach Indien vor allem ein großes Abenteuer. Der Weltmeister ist fazsiniert von Indien und findet das Land durchaus inspirierend.

Sebastian Vettel wird in Indien umgarnt, wie die heilige Kuh der Hindis. Alle reden von ihm. Das Problem: Manchmal wird auch viel Falsches gesprochen. Red-Bull-Motorsportchef Helmut Marko ist sauer auf eine deutsche Agenturmeldung. Darin heißt es, dass Vettel in Indien für Teamkollege Mark Webber fahren müsse, um dem Australier den zweiten Platz in der Fahrer-Wertung zu sichern. Marko zur tz: „Das ist Quatsch und frei erfunden. Es gibt keine Stallorder. Vettel darf nicht nur, sondern soll sogar gewinnen. Wenn Webber hinter ihm dreimal Zweiter wird, haben wir unser Ziel nämlich immer noch erreicht.“

Vettels größte Sorge ist derweil nicht das Rennen in Indien, sondern der schlimme Unfall vergangenen Sonntag von Marco Simoncelli. Vettel: „Ich habe Marco persönlich gekannt und hatte ihn dieses Jahr noch getroffen.“ Den Sturz hat Vettel selbst gesehen. „Das Warten vor dem Fernseher war ganz schlimm, vor allem, weil man mit immer längerer Dauer wusste: Das ist kein gutes Zeichen“, so der 24-Jährige. Seine Weltmeistertitel und eine mögliche Stallorder rücken da schnell in den Hintergrund. Durch einen solchen Moment sehe man, „wie schnell sich alles im Leben ändern kann und weiß Dinge, die man für selbstverständlich erachtete, wieder viel mehr zu schätzen“, so Vettel. Man könne „nur die Daumen drücken, dass in der Formel 1 so etwas nicht passiert.“ Mit Blick auf den tödlichen Unfall von Indy-500-Champions Dan Wheldon eine Woche zuvor sagte Vettel: „Das waren zwei ganz schlimme Wochen für den Motorsport.“

Das geschäftliche Gebaren geht dort aber trotz der schrecklichen Ereignisse weiter. Im Mittelpunkt steht nur einer: Sebastian Vettel! Er ist derzeit der begehrteste Fahrer, sogar frühere Kritiker loben ihn. McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh: „Sebastian ist einfach eine Ausnahmeerscheinung, ein verdienter Weltmeister.“ Die Lobeshymnen sind natürlich reine Berechnung. Formel-1-Chefvermarkter Bernie Ecclestone weiß. „Ist doch logisch. Wer in Zukunft Weltmeister werden will, braucht Sebastian Vettel.“ Neben McLaren zeigt auch Mercedes Interesse am Superchampion. Mit fünf ehemaligen Technikchefs betreiben die Stuttgarter einen großen Aufwand, um den Stotterpfeil zum Siegerpfeil zu entwickeln. Offiziell gilt dies für die beiden Stammpiloten Nico Rosberg und Michael Schumacher. Doch weil der Rekordweltmeister schon Ende kommenden Jahres vom Cockpit an den Kommandostand wechseln könnte, soll das neue Auto auch als Lockmittel für Vettel dienen. Motorsportchef Norbert Haug: „Auch für Sebastian gilt, dass er dahin geht, wo er das beste Rüstzeug erhält. Darum wollen wir Autos bauen, damit die besten Fahrer bei uns anrufen und um einen Job bitten.“

Die größten Hoffnungen auf eine Vettel-Verpflichtung macht sich Ferrari. In Maranello hat man gemerkt, dass Fernando Alonso nicht der gewünschte Heilsbringer ist. Stattdessen soll Vettel die Italiener zurück an die Spitze führen. Eine lustige Anekdote: Teamchef Stefano Domenicali entschuldigte sich zuletzt auf einer Pressekonferenz in Monza schon fast panisch für ein Zitat, das er so nie gesagt hatte. Die größte deutsche Tageszeitung hatte dem Italiener seine Worte im Munde verdreht. Das angebliche Zitat: „Vettel ist noch kein Anführer wie Schumi!“ Darauf jammerte Domenicali: „Ich habe Sebastians Führungsqualitäten nie angezweifelt und nur gemeint, dass er da noch Entwicklungspotenzial hat.“

Ralf Bach

Sebastian Vettel - Seine außergewöhnliche Karriere in Bildern

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel holte am 27. Oktober 2013 seinen vierten Weltmeister-Titel in der Formel 1. © dpa
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Wir stellen ihn vor. © dpa
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Vettel ist seit seinem siebten Lebensjahr im Motorsport aktiv. Er startete als Kartfahrer und konnte im Jahr 2001 die deutsche und europäische Juniorenkartmeisterschaft gewinnen. © dpa
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Im Jahr 2004 gewann Vettel mit dem Team Mücke Motorsport die Meisterschaft in der Formel BMW und stellte dabei mit 18 Siegen in 20 Rennen einen neuen Rekord auf. © dpa
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Vettel blieb im folgenden Jahr bei Mücke Motorsport und wechselte in die Formel-3-Euroserie. © dpa
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Er erzielte in der Formel-3-Euroserie sechs Podestplätze und belegte am Ende den fünften Gesamtrang. © dpa
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Vettel ergatterte 2007 einen Platz als Freitagstestfahrer beim BMW Sauber F1 Team in der Formel 1. © dpa
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Beim renommierten Macau Grand Prix 2005 wurde er nach Lucas di Grassi und Robert Kubica Dritter. © dpa
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Nach Robert Kubicas Unfall beim Großen Preis von Kanada 2007 in Montreal meldete BMW Sauber Vettel als Einsatzfahrer für den Großen Preis der USA in Indianapolis. Somit gab er am 17. Juni 2007 sein Formel-1-Renndebüt. © dpa
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In seinem ersten Qualifikationsrennen belegte der Heppenheimer den siebten Platz. © dpa
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Im folgenden Rennen rettete sich Vettel nach anfänglichen Schwierigkeiten auf den achten Rang. Er fuhr damit einen WM-Punkt ein und ist mit 19 Jahren und 350 Tagen der bisher jüngste Fahrer, der je in einem Formel-1-Rennen in die Punkteverteilung kam. © dpa
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Vettel wechselte im Juli 2007 zum Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Beim großen Preis von China in Shanghai 2007 startete Vettel von Position 17 und fuhr am Ende auf Platz vier. Dies war die beste Platzierung jemals für den Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Am 13. September 2008 eroberte Sebastian Vettel beim verregneten Qualifying für den Großen Preis von Italien in Monza seine erste Pole-Position. Er ist damit - im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen - der jüngste Fahrer auf dem ersten Startplatz in der Geschichte der Formel 1. © dpa
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Am Tag darauf holte sich Vettel seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Rennen. Damit wurde er zugleich auch der jüngste Grand-Prix-Sieger. © dpa
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Im Juli 2008 gab das Toro-Rosso-Schwesterteam Red Bull Racing bekannt, dass Vettel ab der Saison 2009 an der Seite von Mark Webber für den österreichischen Rennstall fahren wird. Der begeisterte Kicker nahm im gleichen Jahr an einem Benefiz-Fußballspiel teil. © dpa
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Für den WM-Titel reichte es in dieser Saison noch nicht. Durch seinen Sieg beim Saisonfinale in Abu Dhabi wurde Vettel Vizeweltmeister vor Rubens Barrichello.  © dpa
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In Jahr 2010 bildeten Vettel und Webber erneut das Renngespann von Red Bull. Nach dem Großen Preis von Korea übernahm Vettel erstmals die Führung der WM-Rangliste. © dpa
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Vor dem letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Abu Dhabi 2010 belegte Vettel den dritten Platz in der Fahrerwertung. Er startete aber dafür von der Pole-Position. © dpa
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Vettel gewann das Rennen und wurde mit vier Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der in Abu Dhabi nur Siebter wurde, Weltmeister. © dpa
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Mit dem Titelgewinn wurde Vettel mit einem Alter von 23 Jahren und 134 Tagen zum bisher jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Vettel sammelte in der Saison zehn Pole-Positions. © dpa
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Nach der Saison 2010 wurde der Heppenheimer Vettel als deutscher und europäischer Sportler des Jahres ausgezeichnet. © dpa
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Vettel kam durch seinen Vater Norbert zum Motorsport. Dieser hatte ihn bereits mit dreieinhalb Jahren erste Runden im eigenen Kart drehen lassen. © dpa
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Als sein größtes Vorbild bezeichnet Vettel Michael Schumacher, dessen Ehrgeiz und stets vollen Einsatz er sehr bewundere. © dpa
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Während er bereits Formel-3-Euroserie fuhr, beendete Vettel seine schulische Laufbahn im April 2006 mit einem Abi-Schnitt von 2,8. Seine letzte Prüfung legte er nur vier Tage vor seinem ersten Sieg in der Formel 3 ab. © dpa
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Eine weitere Besonderheit des Heppenheimers: Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hat Sebastian Vettel keinen Manager, sondern regelt seine geschäftlichen und vertraglichen Angelegenheiten selbst. © dpa

Quelle: tz

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