Vettel im tz-Interview: "... dann wird Red Bull eine Art Mythos"

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Nummer 1: Sebastian Vettel

Sao Paulo - Im tz-Interview erklärt Sebastian Vettel, was ihn eigentlich noch antreibt. Zudem erklärt er, ob für ihn ein Team-Wechsel in Frage kommt.

Sie sind jetzt schon zum zweiten Mal Weltmeister geworden! Wie können Sie sich jetzt noch motivieren?

Vettel: Weil ich es ja vielleicht auch acht Mal schaffen kann. Für mich ist der WM-Titel der schwierigste Berg der Welt. Deshalb geben mir andere Berge vermutlich nicht mehr die gleiche Zufriedenheit, und deshalb versuche ich es einfach noch mal und noch mal und noch mal, ihn zu besteigen. Das ist wie eine Sucht. Ich will immer wieder die Aussicht von ganz oben genießen.

Was war anders in dieser Saison?

Vettel: Dieses Jahr war grundsätzlich total anders als das letzte. Von Anfang an hat alles sehr gut funktioniert. Letztes Jahr war ich zwar auch oft in der Position, um zu siegen. Trotzdem hat es aus irgendwelchen Gründen oft nicht gereicht. Obwohl das ­Auto mindestens so stark war. Was dieses Jahr den Unterschied gemacht hat: Dass wir alle reifer geworden sind. Und auch wenn hier oder da das Boot mal angefangen hat zu wackeln, haben wir es doch immer auf Kurs gehalten.

Sebastian Vettel - Seine außergewöhnliche Karriere in Bildern

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel holte am 27. Oktober 2013 seinen vierten Weltmeister-Titel in der Formel 1. © dpa
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Wir stellen ihn vor. © dpa
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Vettel ist seit seinem siebten Lebensjahr im Motorsport aktiv. Er startete als Kartfahrer und konnte im Jahr 2001 die deutsche und europäische Juniorenkartmeisterschaft gewinnen. © dpa
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Im Jahr 2004 gewann Vettel mit dem Team Mücke Motorsport die Meisterschaft in der Formel BMW und stellte dabei mit 18 Siegen in 20 Rennen einen neuen Rekord auf. © dpa
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Vettel blieb im folgenden Jahr bei Mücke Motorsport und wechselte in die Formel-3-Euroserie. © dpa
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Er erzielte in der Formel-3-Euroserie sechs Podestplätze und belegte am Ende den fünften Gesamtrang. © dpa
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Vettel ergatterte 2007 einen Platz als Freitagstestfahrer beim BMW Sauber F1 Team in der Formel 1. © dpa
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Beim renommierten Macau Grand Prix 2005 wurde er nach Lucas di Grassi und Robert Kubica Dritter. © dpa
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Nach Robert Kubicas Unfall beim Großen Preis von Kanada 2007 in Montreal meldete BMW Sauber Vettel als Einsatzfahrer für den Großen Preis der USA in Indianapolis. Somit gab er am 17. Juni 2007 sein Formel-1-Renndebüt. © dpa
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In seinem ersten Qualifikationsrennen belegte der Heppenheimer den siebten Platz. © dpa
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Im folgenden Rennen rettete sich Vettel nach anfänglichen Schwierigkeiten auf den achten Rang. Er fuhr damit einen WM-Punkt ein und ist mit 19 Jahren und 350 Tagen der bisher jüngste Fahrer, der je in einem Formel-1-Rennen in die Punkteverteilung kam. © dpa
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Vettel wechselte im Juli 2007 zum Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Beim großen Preis von China in Shanghai 2007 startete Vettel von Position 17 und fuhr am Ende auf Platz vier. Dies war die beste Platzierung jemals für den Rennstall Toro Rosso. © dpa
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Am 13. September 2008 eroberte Sebastian Vettel beim verregneten Qualifying für den Großen Preis von Italien in Monza seine erste Pole-Position. Er ist damit - im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen - der jüngste Fahrer auf dem ersten Startplatz in der Geschichte der Formel 1. © dpa
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Am Tag darauf holte sich Vettel seinen ersten Sieg in einem Formel-1-Rennen. Damit wurde er zugleich auch der jüngste Grand-Prix-Sieger. © dpa
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Im Juli 2008 gab das Toro-Rosso-Schwesterteam Red Bull Racing bekannt, dass Vettel ab der Saison 2009 an der Seite von Mark Webber für den österreichischen Rennstall fahren wird. Der begeisterte Kicker nahm im gleichen Jahr an einem Benefiz-Fußballspiel teil. © dpa
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Für den WM-Titel reichte es in dieser Saison noch nicht. Durch seinen Sieg beim Saisonfinale in Abu Dhabi wurde Vettel Vizeweltmeister vor Rubens Barrichello.  © dpa
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In Jahr 2010 bildeten Vettel und Webber erneut das Renngespann von Red Bull. Nach dem Großen Preis von Korea übernahm Vettel erstmals die Führung der WM-Rangliste. © dpa
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Vor dem letzten Saisonrennen, dem Großen Preis von Abu Dhabi 2010 belegte Vettel den dritten Platz in der Fahrerwertung. Er startete aber dafür von der Pole-Position. © dpa
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Vettel gewann das Rennen und wurde mit vier Punkten Vorsprung auf Fernando Alonso, der in Abu Dhabi nur Siebter wurde, Weltmeister. © dpa
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Mit dem Titelgewinn wurde Vettel mit einem Alter von 23 Jahren und 134 Tagen zum bisher jüngsten Formel-1-Weltmeister der Geschichte. Vettel sammelte in der Saison zehn Pole-Positions. © dpa
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Nach der Saison 2010 wurde der Heppenheimer Vettel als deutscher und europäischer Sportler des Jahres ausgezeichnet. © dpa
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Vettel kam durch seinen Vater Norbert zum Motorsport. Dieser hatte ihn bereits mit dreieinhalb Jahren erste Runden im eigenen Kart drehen lassen. © dpa
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Als sein größtes Vorbild bezeichnet Vettel Michael Schumacher, dessen Ehrgeiz und stets vollen Einsatz er sehr bewundere. © dpa
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Während er bereits Formel-3-Euroserie fuhr, beendete Vettel seine schulische Laufbahn im April 2006 mit einem Abi-Schnitt von 2,8. Seine letzte Prüfung legte er nur vier Tage vor seinem ersten Sieg in der Formel 3 ab. © dpa
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Eine weitere Besonderheit des Heppenheimers: Im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen hat Sebastian Vettel keinen Manager, sondern regelt seine geschäftlichen und vertraglichen Angelegenheiten selbst. © dpa

Ärgert es Sie, wenn Kritiker sagen, Sie gewinnen nur, weil Sie im besten Auto sitzen?

Vettel: Nein,denn auch um das beste Auto zu haben, muss man sehr hart arbeiten. Ich habe ja mit dafür gesorgt, dass unser Auto das beste ist. Die Schwachstellen des Autos, des Teams und des Fahrers haben wir abgestellt. Gemeinsam.

Was war in diesem Jahr Ihr wertvollster Sieg?

Vettel: Monza war etwas ganz Besonderes für uns. Wir wussten, dass wir nicht gerade die meiste Power haben und auch in der Vergangenheit nicht gerade das effizienteste Auto, was den Mix aus langen Geraden und Schikanen angeht. Deshalb war der Sieg dort für uns alle sehr emotional und für mich noch viel mehr, weil ich dort ja auch meinen ersten Erfolg geholt habe.

Wann wussten Sie, dass Sie den Titel verteidigen können?

Vettel: Wir hatten schon bei den Tests ein gutes Bauchgefühl, wussten aber nicht, wie genau sich die Rennen mit den neuen Reifen gestalten. Als ich dann in Australien so überlegen gewonnen habe, war klar, dass wir vorne mitfahren können. Wichtig war natürlich auch, dass unser Auto so zuverlässig war. Das sind viele kleine Bausteine, die zum Erfolg beitragen und die bestimmen, ob man nur ein Haus baut oder eben ein Schloss.

Jetzt haben Sie dieses Jahr ein Schloss gebaut. Was kann da noch kommen?

Vettel: Auch in diesem Jahr hatten wir kleinere Probleme, die man vielleicht im Fernsehen nicht so sieht. Da können wir uns noch verbessern.

Und wo haben Sie sich als Fahrer verbessert?

Vettel: Mir hat das letzte Jahr sehr viel gebracht. In gewissen Situationen habe ich jetzt die Ruhe und Gelassenheit, die man braucht. Das darf man aber nicht falsch verstehen. Ich denke nicht: Das ist ja alles einfach und das kann ich sowieso. Aber wenn man einen Titel geholt hat, weiß man einfach: Ich kann es. Und man weiß, wie man mit bestimmten Situationen umgehen muss. Trotzdem glaube ich auch heute, ich kann mich noch verbessern.

Perfektionismus ist für Sie wichtig. Aber Sie sehen sich selbst nicht als perfekt an?

Vettel: Ich stehe morgens nicht auf und denke: „Was bin ich für ein toller Kerl! Guckt mal, was ich kann und was ich geleistet habe.“ Das wäre auch kontraproduktiv. Man darf nie den Punkt erreichen, an dem man sagt: Ich bin perfekt. Das ist zwar ein Zustand, den ich anstrebe. Aber nur weil ich nun schon zweimal gewonnen habe, darf ich nie vergessen, was man alles dafür tun muss, damit man auch weiter gewinnt.

Viele Leute wollen Sie gerne bei Ferrari oder Mercedes fahren sehen. Zuletzt spielen Sie aber immer öfter die Red-Bull-Karte. Hat sich da Ihre Einstellung geändert?

Vettel: Ich habe immer schon die Red-Bull-Karte gespielt. Aber manchmal ist es auch die Frage, welche Karten man hingelegt bekommt. Wenn ich nur die Mercedes- und Ferrari-Karte auf den Tisch bekomme, kann ich nur dazu was sagen. Wenn ich freie Wahl zwischen allen Karten habe, sage ich ganz ehrlich, für welche Karte ich mich interessiere. Im Moment fühle ich mich jedenfalls pudelwohl bei Red Bull und kann, nein möchte mir gar nicht vorstellen, woanders zu fahren. Zwischen uns passt einfach alles. Und wenn wir noch ein paar Rennen und Meisterschaften gewinnen, wird Red Bull ja auch schon eine Art Mythos.

Auf einer Zufriedensheits-skala von eins bis zehn. Wie glücklich sind Sie?

Vettel: Zehn! Ich habe für mich bei Red Bull den richtigen Weg gefunden. Erfolg heißt nicht immer, dass man glücklich ist. In diesem Team habe ich Erfolg und bin glücklich.

rb

Quelle: tz

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