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Niki Lauda analysiert die Formel 1: Favoriten, Duelle, Problemfälle

Niki Lauda
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Niki Lauda wagt für tz-online.de einen Ausblick auf die Formel-1-Saison.

Für tz-online.de wagt Motorsport-Legende Niki Lauda einen Ausblick auf die Formel-1-Saison, die am Sonntag startet.

Eines vorweg. Schon lange war es nicht mehr so schwer, Voraussagen für die Saison zu treffen. Durch die neuen Regeln fangen alle Teams bei Null an. Dazu kommt: Das KERS-System gibt allen Rätsel auf.

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Meine Analyse:

Ferrari:

Technisch gehört Ferrari für mich in die Mercedes-Liga. Ganz klar. Die werden auch mit den neuen Regeln klarkommen. Das Stallduell Felipe Massa gegen Kimi Räikkönen wird richtig geil. Auf der einen Seite haben wir den emotionalen Brasilianer– auf der anderen Seite Instinktpilot Kimi Räikkönen. Cool, unbeeinflussbar, ein Kühlschrank auf vier Rädern. Der aber 2008 mit dem Ferrari nicht ganz klarkam und lustlos wirkte. Räikkönen muss 2009 Massa schlagen, sonst sehe ich schwarz für seine weitere Zukunft bei Ferrari.

Meine Prognose: Ferrari wird mit McLaren-Mercedes zusammen über die Saison das beste Auto haben. Wenn das Auto von seinen Fahreigenschaften zu Räikkönens Fahrstil passt, wird er zur alter Stärke zurückkehren und Massa in die Schranken weisen. Dann sehe ich einen Zweikampf Räikkönen gegen Hamilton. Wenn nicht, wird Räikkönen schnell die Lust verlieren.

McLaren-Mercedes :

McLaren muss man loben: Die Autos der neuen Generation sind potthässlich, sie sehen aus wie Schaufelbagger. Anders der McLaren: Der ist schön. Da ziehe ich meine Kappe. Ob er auch schnell ist, muss man sehen. Bei den Tests hatten sie Problpeme. Das Auto entwickelte zu wenig Abtrieb – das Heck ist die problematische Zone. Trotzdem gehört McLaren-Mercedes für mich zu den Top-Favoriten. Ich vertraue dem Technikteam von McLaren und Mercedes-Benz. Es ist kaum vorzustellen, dass das Auto auf Dauer nicht funktioniert. Weltmeister Lewis Hamilton wird gestärkt aus der Winterpause kommen – weil er jetzt weiß, wie man den Titel holt. Ich würde mein Geld auf ihn setzen. Heikki Kovalainen wird es wieder schwer haben. Mercedes will endlich wieder Konstrukteursweltmeister werden. Dafür muss sich Kovalainen steigern. Besonders im Rennen.

BMW :

BMW wird von vielen als Geheimfavorit gehandelt. Ich tue mich schwer damit. Ich wage die Prognose: BMW wird nicht Weltmeister. Mir fehlt einfach das Vertrauen, dass BMW besonders aerodynamisch den letzten Schritt gehen kann. Mit Robert Kubica haben sie einen Piloten, der alle Anlagen hat, ein Toppilot zu sein. Sauschnell, redet keinen Blödsinn, ein richtig cooler Hund. Was er noch beweisen muss: Dass er mit einem Auto, mit dem er Weltmeister werden kann, auch den Titel nach Hause fahren kann. Ich glaube, er könnte es. Nick Heidfeld muss 2009 unbedingt mit Kubica mithalten. Er war eine Enttäuschung im letzten Jahr. Eine weitere Saison im Schatten des Polen kann er sich nicht erlauben. Heidfeld ist ein solider Pilot, der gut überholen kann, stark im Regen ist und kaum Fehler macht. Aber ich habe meine Zweifel, ob der das Siegergen hat, das ich bei Kubica vermute.

Renault :

Fernando Alonso wird genau hinschauen, wohin die Reise führt. Setzt sich der Trend aus dem letzten Saisondrittel fort, wird Alonso um die WM mitfahren. Fällt Renault wieder in die Form der ersten Hälfte 2008 zurück, wird der Spanier sich ab Mitte der Saison woanders umschauen. Dann wird er alles versuchen bei Ferrari unterzukommen. Alonso ist auf der Welt, um zu gewinnen. Er wird keine Rücksicht nehmen auf ein Team. Das weiß Flavio Briatore auch. Piquet fährt auf Bewährung wie Kovalainen bei McLaren. Er muss schauen, dass er seinen Vertrag verlängert bekommt.

Toyota :

Was soll ich sagen: Warum soll Toyota gewinnen? Sie haben es vorher nicht geschafft und haben in der Technikabteilung keine personellen Veränderungen vorgenommen. Für den Misserfolg gibt es nur eine logische Erklärung: Die Techniker sind nicht gut genug. Punkt. Auf Fahrerseite sind sie dafür gut besetzt. Jarno Trulli ist eine feste Größe. Trotzdem glaube ich, kann ihn Timo Glock schlagen. Glock hat mich beeindruckt, wie er sich 2008 kontinuierlich gesteigert hat. Toyota steht vor einer entscheidenden Saison. Wenn die nicht gewinnen, werden die neuen Chefs in Japan bald den Stecker ziehen.

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Red Bull:

Red Bull ist ein Podiumskandidat, wenn nicht sogar Sieganwärter. Die ersten Tests mit dem Auto waren gut, sehr gut sogar. Das Auto von Adrian Newey war auf Anhieb sauschnell. Was mich nicht wundert: Denn immer, wenn es ein völlig neues Regelwerk gibt, sind die Genieblitze des innovativen Engländers ein Vorteil. 1998 fuhr sein McLaren unter ähnlichen Voraussetzungen alles in Grund und Boden. Newey ist ein Genie. Der Schwachpunkt seiner Autos war immer, dass sie oft ausfielen. Das wird für mich der Schlüssel sein, wie weit oben Sebastian Vettel am Ende in der Tabelle stehen wird. Vettel ist für mich eine Offenbarung, der helle Wahnsinn. Er wird trotz seiner Jugend Red Bull weit nach vorne bringen. Was gut ist: Mit Mark Webber hat er einen Teamkollegen, der ihn ständig fordern wird. Im Qualifying wird es knapp zugehen. Im Rennen wird Webber gegen Vettel auf Dauer aber das Nachsehen haben.

Toro Rosso:

Eins ist klar: Einen Sieg darf man von Toro Rosso nicht mehr erwarten. Der von Vettel in Monza war ein Jahrhundertereignis. Aber Toro Rosso hat erstens keinen Vettel mehr und zweitens wird es Red Bull kaum noch einmal passieren, dass das Schwesterteam ihnen um die Ohren fährt. Ein gutes Auto werden sie haben. Warum, habe ich ja schon beim Red-Bull-Kapitel erklärt. Sie kriegen den gleichen Wagen wie Red Bull. Ein großer Vorteil von Toro Rosso ist die Teamführung um Franz Tost und Cheftechniker Ascanelli. Sagen wir mal so: Die Ressourcen von Red Bull plus Tost & Co: Dass wäre die optimale Besetzung. Zu den Piloten: Sébastian Buemi steht unter großem Druck. Man wird ihn mit Vettel vergleichen und dabei kann der Bursche nur verlieren. Er soll in Ruhe lernen, ab und zu in die Punkte fahren, dann hat er seinen Job erfüllt. Bourdais hat das gleiche Problem wie Heidfeld, Kovalainen, Piquet: Er hat in der Vorsaison die Erwartungen nicht erfüllt, fährt deshalb auf Bewährung.

Williams:

Wenn nicht 2009, wann dann? Der Grund: Williams muss die Reglementveränderungen nutzen. Sie müssen besonders am Anfang der Saison stark sein, denn langfristig werden sie in Punkto Weiterentwicklung nicht mit den Werkteams mithalten können. Dafür fehlt das Kleingeld. Nico Rosberg traue ich diese Highlights am Anfang der Saison zu. Bei den Tests zeigte er sich beeindruckt vom neuen Auto, er fuhr bei den Rennsimulationen auf McLaren-Niveau. Nico ist ein sehr guter Pilot, schnell, intelligent, kann sich prima verkaufen. Was er braucht ist in nächster Zukunft ein Topauto. Von seinem Teamkollegen Nakajima muss er nicht viel befürchten. Er ist zwar der beste Japaner, der je in der Formel 1 war: Aber soviel gute gab es ja nicht.

Force India:

Die Zusammenarbeit mit McLaren wird Force India definitiv besser machen. Aber zu erwarten, dass Force India jetzt plötzlich aufs Stockerl fahren kann, wäre hirnrissig. Force India baut das Chassis immer noch in Eigenregie. Es wäre ein Weltwunder, wenn sie ein Auto bauen würden, dass die anderen in Grund und Boden fährt. Und ich glaube nicht, dass der Antriebsstrang von McLaren-Mercedes ausreichen wird, um die Schwächen des Chassis zu kaschieren. Wen soll Force India denn schlagen? Höchstens Williams. Adrian Sutil hat deshalb eine Aufgabe, auf die er sich konzentrieren muss: Immer schneller zu sein als Teamkollege Giancarlo Fisichella. Wie das Fahrerduell ausgehen wird? Ich habe wirklich keinen Schimmer.

Brawn-Racing:

Was die Truppe um Ross Brawn nach dem Honda-Ausstieg in Kürze auf die Beine gestellt hat, kann ich nur mit einem Wort beschreiben: Sensationell. Wahr ist aber auch, dass Brawn schon früh in der Saison 2008 mit der Entwicklung des diesjährigen Autos begonnen hatte. Ich bin nur gespannt, ob Brawns Team sich adäquat mit den anderen steigern kann, je länger die Saison dauert. Das wird der Schlüssel sein für langfristigen Erfolg.

Niki Lauda

Die Formel 1 2009

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