"Vettel bremsen? Dann muss er zu Ferrari"

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F1-Boss Bernie Ecclestone (l.) hat ein gutes Verhältnis zu Sebastian Vettel

Suzuka - F1-Boss Bernie Ecclestone und Red-Bull-Teamchef Christian Horner sprechen im großen tz-Doppelinterview über Sebastian Vettel und scherzen darüber, wie der Doppelweltmeister zu bremsen ist. 

Mister Effizienz, das ist Sebastian Vettel. Nach seinem dritten Platz beim 15. von 19 Saisonrennen in Suzuka hat der Red-Bull-Pilot 324 der 375 möglichen Zähler auf seinem Konto. Das entspricht einer Quote von 86,4 Prozent. Die Bestmarke wird bislang von Rekordchampion Michael Schumacher gehalten. Der Kerpener holte 2002 bei seiner Fahrt zum fünften Titel 144 von 170 möglichen Punkten – also 84,7 Prozent. Allerdings muss Vettel seinen Top-Wert in den verbleibenden vier Rennen noch bestätigen. Am Sonntag steht der Große Preis von Südkorea an, wir sprachen mit zwei Vettel-Experten: F-1-Boss Bernie Ecclestone und Red-Bull-Teamchef Christian Horner, über den jüngsten Doppelweltmeister der Geschichte:

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

A wie Adrian Newey, Red-Bull-Technikguru und Konstrukteur der Weltmeisterautos © Getty
B wie Beatles, Sebastians Lieblingsgruppe © Getty
C wie Christian Horner, als Teamchef bei Red Bull Vettels Vorgesetzter © Getty
D wie Deutschland, Vettels Heimat, in der er aber bislang noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat © Getty
E wie Ehrgeiz, eine von Vettels herausragenden Eigenschaften: Er kann nicht verlieren, egal, wobei © Getty
F wie Fußball, womit Vettel schon als Kind aufgehört hat, weil er nicht gut genug war © Getty
G wie Geld, nicht so wichtig für Vettel, weshalb er lieber seine Ruhe genießt als noch mehr Werbeverträge abzuschließen © Getty
H wie Haare, blond und bares Geld wert - durch einen Werbevertrag mit einem Shampoo-Hersteller © Getty
I wie Indianapolis, der Ort von Vettels erstem Formel-1-Rennen, in dem er 2007 gleich als Achter einen WM-Punkt holte © Getty
J wie Jubelschreie, Vettels Ausbrüche am Boxenfunk nach gewonnenen Rennen sind fast schon legendär © Getty
K wie Kinky Kylie, Kosename für Vettels Rennauto © Getty
L wie Lächeln, mit dem der Weltmeister viele - vor allem weibliche - Fans fasziniert © Getty
M wie Monza, Ort von Vettels Durchbruch. Dort fuhr er 2008 im Toro Rosso als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte auf die Pole Position und gewann ein Rennen © Getty
N wie Norbert, Vettels Vater, der die Karriere seines Sohnes von Beginn an unterstützt hat © Getty
O wie Otto Waalkes, der in der Bild-Zeitung ein Gedicht widmete © Getty
P wie Perfektion, ein Status, den Vettel immer anstrebt © Getty
Q wie Qualifikation, Vettels Domäne, in 12. von 15 Rennen fuhr Vettel in diesem Jahr auf die Pole Position © Getty
R wie Red Bull, Vettels Förderer schon seit Kartzeiten © Getty
S wie Suzuka, die Strecke, auf der er in drei Jahren zwei Rennen und einen WM-Titel gewann © Getty
T wie Tommi Parmakoski, Vettels finnischer Fitnesstrainer und Physiotherapeut, mit dem er übers Jahr gesehen die meiste Zeit verbringt © Getty
U wie unermüdlich, Vettel ist abends meist der Letzte im Fahrerlager, diskutiert lange mit seinen Ingenieuren © Getty
V wie Vettel-Finger, sein Markenzeichen, und als blaue Schaumstoffversion Standardausrüstung eines echten Vettel-Fans © Getty
W wie Wille, mit dem Vettel im vorigen Jahr in letzter Minute doch noch seinen ersten Titel geholt hatte © Getty
X wie x-beliebig, genau das, was Vettel nicht ist © Getty
Y wie youngest, englisch, steht für Vettels Rekorde, die er als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte holte © Getty
Z wie Ziel, für Vettel immer gleich: beim nächsten Rennen das Optimum herausholen © Getty

Herr Horner, Herr Ecclestone: Hat Vettel Sie beide mit seiner rasanten Entwicklung eigentlich überrascht?

Horner: Nein. Er wird besser und besser je mehr Erfahrung er hat.

Ecclestone: Und seine Entwicklung ist noch längst nicht zu Ende. Da kommt noch einiges.

Horner: Besonders beeindruckt hat mich, wie er seinen Kritikern gezeigt hat, wo der Hammer hängt. Immer wieder wurde ihm vorgeworfen, er sei kein Racer und würde nur auf Ankommen fahren. Dass das nicht stimmt, hat er endgültig in Monza mit seinem Überholmanöver gegen Fernando Alonso bewiesen. Er ist in dieser Saison einfach der Fahrer schlechthin, zeigt unheimlichen Speed und eine unheimliche Konstanz.

Warum ist das so?

Horner: Einerseits sind wir als Team gewachsen, haben aus unseren Fehlern der vergangenen Saison gelernt. Andererseits hat der WM-Titel Sebastians Selbstbewusstsein extrem gestärkt.

Ecclestone: Sebastian hat einfach diesen absoluten Siegeswillen. Und er hat immer die Füße am Boden, kein Erfolg der Welt würde ihn abheben lassen. Das ist immens wichtig. Seb ist immer entspannt, er ist relaxt. Deshalb geht ihm alles leicht von der Hand.

Herr Horner, wie schwer ist es angesichts der Vettel-Dominanz, Mark Webber zu motivieren?

Horner: Nun ja, er ist immer noch motiviert genug, alle anderen außer Sebastian zu schlagen.

Ecclestone: Dass Sebastian besser als Mark ist, wissen wir ja nun. Aber wer ist sonst noch besser als Mark? Ich meine im WM-Stand?

Button und Alonso.

Ecclestone: Sehen Sie. Ich finde, man sollte Mark als Fahrer nicht kleinreden. Im Vergleich mit Sebastian hat er es nun mal nicht so leicht, weil Seb in meinen Augen einfach der Beste ist.

Horner: Es ist leicht, Mark im Vergleich mit Sebastian zu unterschätzen. Den Fehler sollte man aber nicht tun. Er ist definitiv unterbewertet.

Bernie, wie würden Sie eine Nummer zwei wie Mark motivieren?

Ecclestone: Ihm mehr Geld geben.

Horner: Das ist kein guter Rat (lacht). Wie vielen Fahrern hast du (Eccle­stone gehörte das Brabham-Team, Anm. d. Red.) eine Gehaltserhöhung gegeben?

Ecclestone: Bei mir haben sie als Nummer eins ja schon nicht gut verdient.

Sie beide haben aus kleinen Teams WM-Mannschaften gemacht. Was ist der Schlüssel?

Ecclestone: Gute Leute. Gute Designer, Teammanager und Fahrer. Aber grundsätzlich hatte ich mit Brabham einen Vorteil: Wir waren gut im Bescheißen und wurden nie geschnappt. Das ist heute nicht mehr möglich.

Horner: (lacht nur).

Ecclestone: Heute gilt es, die Regeln am besten zu interpretieren. Dabei aber innerhalb der Regeln zu bleiben. Die Kontrollen sind zu gut.

Horner: Und dabei kommt es wie früher auf die Leute an.

Ecclestone: Umso erstaunlicher ist es, dass Red Bull so gut ist. Wie wäre das nur, wenn sie auch noch einen guten Teamchef hätten?

Horner: (lacht empört).

Bernie, der große Unterschied zu Ihnen damals ist auch, dass Ihnen das Team selbst gehörte. Herr Horner muss immer das tun, was Dietrich Mateschitz will.

Ecclestone: Ich glaube nicht, dass Herr Mateschitz Christian das Leben schwer macht. Im Ernst: Christian macht einen guten Job. Und Mateschitz ist kein Idiot, da einzugreifen.

Horner: Der größte Unterschied ist, dass Bernie als Teamchef und -besitzer den Gewinn einstreichen konnte und viel Geld verdiente. Wie hast du damals eigentlich mit dir selbst verhandelt?

Ecclestone: Ich sage dir, das war gar nicht einfach. Aber vergessen Sie nicht: Unser Team bestand gerade mal aus 70 Leuten. Es ist leichter, 70 Leute zu managen als 500.

Herr Horner, in der F1 heißt es: Wenn du einmal gewinnst, liebt man dich. Wenn du mehrmals siegst, hasst man dich. Haben Sie das auch schon zu spüren bekommen? Mal wirft man Ihnen vor, Ihr Auto sei illegal, dann, Sie würden sich nicht an die Budgetbeschränkungen halten.

Horner: Klar, aber ich mache nur meinen Job und komme damit schon klar.

Ecclestone: Jedes andere Team braucht doch einen Grund, warum es nicht siegt. Da ist es leicht, den schwarzen Peter auf Red Bull zu schieben und sie für alles Mögliche an den Pranger zu stellen.

Warum hat Red Bull so viel Erfolg?

Ecclestone: Offensichtlich haben sie mit Adrian Newey einen sehr guten Designer, aber es ist auch die Mentalität. Jeder dort will gewinnen, ist hungrig nach weiteren Titeln. Getreu dem Motto: Zeig mir einen guten Verlierer und ich zeige dir einen Verlierer. Nicht zu vergessen: Sie haben mit Sebastian den besten Fahrer der Welt.

Herr Horner, ist für sie der zweite Platz demnach der des ersten Verlierers?

Horner: Das ist für mich so ein typischer Ron-Dennis-Satz. Aber klar wollen wir überall die Besten sein, Rennen und Weltmeisterschaften gewinnen.

Fernando Alonso hat Sebastian Vettel kürzlich geraten, irgendwann zu Ferrari zu gehen. Sollte er das wirklich tun?

Ecclestone: Nun ja, aus heutiger Sicht wäre das zumindest ein Mittel, um Sebastian ein wenig einzubremsen, wenn er zu schnell wird.

Horner (lacht): Mein Gefühl sagt mir, dass er sich mit dem Bullen auf dem Auto derzeit wohler fühlt als mit dem springenden Pferd. Und wenn’s nach mir geht, geht er erst kurz vor seiner Formel-1-Rente zu Ferrari. Ihm gefällt das Umfeld bei Red Bull, wir sind stolz, ihn als Fahrer zu haben. Das funktioniert einfach – und hoffentlich noch viele, viele Jahre.

Interview: Ralf Bach

Quelle: tz

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