Wer soll ihn noch stoppen?

Vettels Rivalen resignieren schon

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Sebastian Vettel (r.) mit Christian Horner

Monza - Wer soll Sebastian Vettel noch stoppen? Der Red-Bull-Pilot präsentierte sich auch in Monza in Galaform. Selbst die Formel-1-Konkurrenten glauben kaum noch, dass Vettels Durchmarsch zum vierten Titel zu verhindern sei.

Das war's dann wohl in Sachen Formel-1-WM. Sebastian Vettel scheint der vierte Titeltriumph in Serie nach seinem souveränen Sieg in Monza sicher. Nur eine außergewöhnliche Serie an Pleiten, Pech und Pannen könnte den Durchmarsch des deutschen Red-Bull-Piloten noch stoppen. Vettel bremste aber verbal ab: „Es ist nicht meine Art, so was zu sagen. Wenn man zu weit in die Ferne schaut, kann man das aktuell Schöne vielleicht nicht so genießen.“

Indes resignieren selbst die Rivalen nach ihren teils heftigen Rückschlägen beim Großen von Italien. „Wir müssen bei der WM realistisch sein“, forderte Fernando Alonso. „Wir haben nicht mehr viele Rennen und vielleicht nicht den Speed, um mehrere hintereinander gewinnen zu können und den Vorsprung von Vettel aufzuholen. Wir brauchen Glück und Ausfälle von Sebastian.“ Statt beim richtungweisenden Ferrari-Heimrennen im Königlichen Park eine erfolgversprechende Aufholjagd starten zu können, büßte der Spanier weitere sieben Punkte auf Vettel ein. Seinen zweiten Platz bezeichnete er nüchtern als „Maximum“.

Lewis Hamilton hakte seine Chancen nach dem frustrierenden neunten Platz ab. „Das war's“, meinte der Mercedes-Mann angesichts von nun 81 Punkten Rückstand. Er wolle aber versuchen, noch möglichst oft zu gewinnen. Der gänzlich leer ausgegangene Kimi Räikkönen hatte seine WM-Perspektiven schon vor dem elften Platz als minimal bezeichnet. Der finnische WM-Vierte weist 88 Zähler weniger als Vettel auf.

Für die internationalen Medien ist die WM-Entscheidung ebenfalls gefallen. „Vettel hat die Hand an der Weltmeisterschaft. Der perfekte Sebastian pustet den Traum von Alonso aus“, titelte „La Gazzetta dello Sport“. Der „Corriere dello Sport“ urteilte: „Alonso verabschiedet vom Podium aus die Weltmeisterschaft. Vettel von einem anderen Planeten.“ Und in Alonsos spanischer Heimat urteilte „El Periódico“ über den WM-Spitzenreiter: „Der Deutsche bricht Rekorde wie dereinst sein Idol Michael Schumacher.“

Vettel fährt in der Titelfrage trotzdem weiter einen defensiven Kurs. Ehe rechnerisch nicht alles klar ist, will er davon auch nicht abweichen. Das betonte er in Monza mehrfach. Nach seinem für Alonso und Ferrari gleich doppelt schmerzhaften Coup räumte der 26 Jahre alte Hesse immerhin ein: „Wir sind in einer guten Position.“

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Das ist untertrieben: Mit 222 Punkten liegt Vettel nach dem Europafinale 53 Zähler vor Alonso (169). „Im Vergleich zum Vorjahr, wo wir hier nach einem Totalausfall 44 Punkte zurück waren, ist das schon eine Beruhigung“, befand Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko. „Aber keinesfalls eine WM-Vorentscheidung oder Garantie.“

Doch selbst wenn der Spanier sämtliche sieben Überseerennen gewinnen sollte, würden dem Deutschen jeweils zweite Plätze zur Titelverteidigung reichen. Dass Alonso eine solche Serie glückt, ist angesichts des Kräfteverhältnisses unwahrscheinlich - zumal Vettel in Asien in den vergangenen drei Jahre immer groß auftrumpfte.

In Italien hatten die „Roten“ fest mit einem Sieg und der Wende im WM-Rennen gerechnet. Deshalb ist diese Niederlage umso schmerzlicher. Wohl nur noch pflichtgemäß gab Alonso daher die Parole aus: „Wir versuchen es bis zum letzten Grand Prix.“

Der Schock bei der Scuderia war auch deshalb so gewaltig, weil der 5,793 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitskurs nicht als Red-Bull-Strecke gilt. Vettel verriet denn auch genüsslich, ihr Technischer Direktor Adrian Newey habe im Vorfeld gefordert, Schadensbegrenzung zu betreiben. „Das war eine nette Schadensbegrenzung“, habe er Newey nach dem Sieg gesagt.

Ernst fügte Vettel hinzu: „Es war ein unglaublich starkes Wochenende, das konnte man nicht vorhersehen.“ Teamchef Christian Horner schwärmte: „Eine fantastische Art, unseren 40. und Sebastians 32. Sieg zu erreichen. In Monza, einem der historischsten Rennen, zu gewinnen und Platz drei zu belegen, beweist unsere starke Leistung.“

Vettel blieb indes keine Zeit, seinen dritten Triumph in Monza im Fahrerlager zu feiern. Nach dem Mannschaftsfoto und der Analyse mit den Ingenieuren flog er nach Zürich zurück. Am Dienstag stand schon wieder ein Sponsorentermin auf dem Programm.

dpa

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