Thesen von tz-Reporter Ralf Bach

Wenn Schumi nicht in der Formel 1 gelandet wäre ...

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Michael Schumacher.

München - Michael Schumacher befindet sich auf Abschiedstour. tz-Reporter Ralf Bach hat einige Thesen aufgestellt: Was wäre, wenn Schumacher nicht in der Formel 1 gelandet wäre?

Beim gemeinsamen Abend­essen am Mittwoch im Hotel an der Rennstrecke von Korea fehlte Michael Schumacher. Als einziger. Er ließ sich bei Fahrer-Sprecher Pedro de la Rosa entschuldigen. „Wichtige Termine.“ Schumacher konnte das Dinner mit seinen Sponsoren aus China nicht verschieben. Ansonsten war Schumacher bei seiner Abschiedstournee auch in Korea in aller Munde, trotz des bestenfalls durchwachsenen 13. Ranges. Grund genug, einige Thesen aufzustellen. Was wäre, wenn Rekordweltmeister Schumacher es nicht in die Formel 1 geschafft hätte.

Michael hätte eine KfZ-Werkstatt in Kerpen.

Das ist wahrscheinlich. Schumacher machte eine Lehre beim Langenfelder Meister Willi Bergmeister, 52 Kilometer von seinem Heimatort Kerpen entfernt und schloss diese auch ab. Schrauben war sein Leben. Er wäre bei seinem Job geblieben.

Sebastian Vettel wäre heute Maschinenbaustudent

Auch sehr wahrscheinlich. Denn ohne den Boom, den Schumacher ausgelöst hat, wäre es für Vettel nahezu unmöglich gewesen, das Geld für die Fortsetzung seiner Kart-Karriere aufzubringen. Seine Familie hätte nie die Mittel gehabt, ihm eine Formel-BMW-Saison zu bezahlen.

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Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Vermutlich hätte der damals achtjährige Sebastian auch ohne das Vorbild Schumacher gar nicht den Ehrgeiz entwickelt, es im Kartsport weit zu bringen. Er war ja eigentlich Fußball-Fan. Auf jeden Fall hätte Vettel nach seinem Abitur Maschinenbau studiert.

Ferrari wäre in den letzten 20 Jahren kein einziges Mal Weltmeister geworden.

Fast sicher! Ferrari lag auf dem Sterbebett, als Michael, Jean Todt und Ross Brawn 1996 die Wiederbelebung einleiteten. Fünf-WM-Titel in Folge (2000 bis 2004) waren das Ergebnis, das die Ferrari-Fans heute hauptsächlich der „deutschen Gründlichkeit und Sucht nach Perfektionismus“ eines Michael Schumachers zuordnen. Selbst der Titelgewinn mit Kimi Räikkönen 2007 ist darauf zurückzuführen.

Mercedes hätte die Formel 1 verlassen

Sehr wahrscheinlich. Grund: Mercedes wäre ohne Schumacher bei Ferrari zum Serienweltmeister geworden. Gegen Ferrari und Schumacher gewannen sie schon zwei Titel, 1998 und 1999 mit Mika Häkkinen und Partner McLaren. Der Titel wäre auch in den Jahren 2000 bis 2004 nach Stuttgart gegangen. Ende 2009 hätte sich Mercedes dann wohl aus der Formel 1 zurückgezogen, weil image-mäßig nichts mehr zu holen gewesen wäre und die Ausgaben von doch circa 300 Millionen Euro pro Saison intern nicht mehr vertretbar gewesen wären. Gut möglich, dass man dann nach Vorbild VW (Wolfsburg) den VfB Stuttgart gekauft hätte. Norbert Haug als VfB-Sportchef? Nein, soweit wollen wir nicht gehen.

Mika Häkkinen wäre Rekordweltmeister

Vieles spricht dafür! Häkkinen hätte seine Karriere nicht schon Ende 2001 beendet. Häkkinen war damals nach eigenen Aussagen ausgebrannt. „Ich mochte mich nicht mehr motivieren, denn der Druck, besonders im Duell mit Schumacher, war so stark“, formulierte der Finne den Grund seines Rücktritts.

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Ohne Schumacher hätte er keine Gegner gehabt und wäre wohl auch in den Jahren 2000 bis 2004 mit Mercedes Weltmeister geworden. Häkkinen: „Vielleicht hätte ich unter anderen Umständen weitergemacht.“

Für Bernie Ecclestone hätte sich nichts geändert

Diese These ist eigentlich eine Tatsache. Er hatte die Formel 1 schon vor Schumachers Erscheinen zu dem gemacht, was sie ist: Einem Milliardengeschäft.

Ralf Bach

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