Willi Weber: Ein Tag, dann war er Superstar

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Michael Schumacher (l.) und sein Ex-Manager Willi Weber

München - Willi Weber, ehemaliger Manager von Michael Schumacher, erzählt in seiner tz-Expertenkolumne, wie sein damaliger Schützling quasi über Nacht zum Superstar wurde.

Ich war gerade bei einem Sportwagenrennen am Nürburgring, als ich erfuhr, dass Jordan-­Pilot Bertrand Gachot wegen seiner Taxifahrer-­Geschichte ins Gefängnis kommt. Ich rief sofort Eddie Jordan an. Der lag vor Mallorca auf ­seinem Boot. Ich habe ihn bombardiert mit Telefonaten, alle zwei Stunden, bis er sagte, hey, ruf mich bloß nie mehr an. Dann genehmigte er uns eine Testfahrt in England und zwackte uns 80 000 Dollar dafür ab. Doch obwohl Michael die Jordan-Jungs bei seinen ersten Tests mehr als begeisterte, war sein Einsatz noch nicht sicher. Denn Eddie wollte Geld für Einsätze. Ich und der ­damalige Mercedes-Sportchef Jochen Neerpasch boten 150 000 Pfund pro Rennen sowie eine ­Garantiesumme von 3,5 Millionen Pfund für ­eine ganze Saison. Mercedes behielt die Option, bei einer Rückkehr in die Formel 1 innerhalb von drei Jahren Schumacher als Piloten verpflichten zu können. Jordan willigte ein.

Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer

Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Das Schläfchen vor dem Rennen - mal kürzer, mal länger - ist für Michael Schumacher zum Ritual geworden. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
“Ja, das habe ich immer gemacht“, erzählte der mittlerweile 41-Jährige einmal. “Manchmal war ich nur eine ganz kurze Phase eingeschlummert, aber das reichte dann schon." © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
"Manchmal schlief ich auch tief und fest für eine halbe Stunde.“ Seit 1998 zelebrierte “Schumi“ sein Mittagsschläfchen. “Es war mir wichtig.“ © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Genau wie eine ungerade Startnummer. Eigentlich sollte die einstige Nummer Eins der Königsklasse mit der 4 auf dem neuen Silberpfeil ins Rennen gehen. Doch tauschte er mit Erlaubnis der Rennstall-Leitung die Startnummer mit Rivale Nico Rosberg. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Teamchef Ross Brawn wisse eben, “dass ich ungerade Startnummern lieber mag“, erklärte Schumacher. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Schließlich brachten sie ihm bislang Glück: Bei allen sieben WM-Titeln trug er eine ungerade Startnummer; fünfmal die 1 und je einmal die 3 und die 5. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Ist doch auch schön, die Nummer 1 zu sein, oder? © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Schumacher steigt auch nie von rechts ins Rennauto ein. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Sehen Sie... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Chinesische Schriftzeichen mit den Namen seiner beiden Kinder auf seinem knallroten Helm,... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
...ein Armband von Gattin Corinna,... © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
...ein Haifischzahn um den Hals, den er einst von einem Tauchlehrer geschenkt bekam: Ohne all das kann Schumi nicht. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Rückblende: Bahrain 2004. Schumacher findet sein Amulett nicht. Vor der Rennpremiere des Wüstenkurses in Sachir stellt der damalige Ferrari-Pilot fest: Er hat den Glücksbringer im Hotel vergessen. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Das Amulett muss herbei. Schumachers damaliger Masseur Balbir Singh eilte in die Unterkunft, holt es, Schumacher gewinnt das Rennen und am Ende zum bislang letzten Mal die Weltmeisterschaft. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Bis heute trägt er seinen geliebten Anhänger. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
Auch Schumachers Rivale, Vizeweltmeister Sebastian Vettel, hat für gewöhnlich einen an Bord. Sein Glückscent ist schon jetzt legendär. © Getty
Das sind Schumis Rituale und Glücksbringer
“Ich habe sogar sehr viele Glücksbringer, auch wenn ich nicht allzu abergläubisch bin“, erklärte Vettel einmal. Sie entscheiden nicht über Sieg und Niederlage, geben ihrem Besitzer aber ein besseres Gefühl. So war es wohl auch mit Schumachers Schläfchen. “Es war einfach angenehmer, wenn ich es geschafft habe - ob ich es wirklich gebraucht habe, weiß ich selber nicht.“ © Getty

Jetzt konnte ich beruhigt nach Spa fahren. Ich schlief in Spa mit Michael zusammen in einer Jugendherberge, wo die Ameisen unter der ­Decke hervorkrochen. Aber, ich fieberte mit und mit jeder Runde von Michael wurde deutlich: Auch in der Formel 1 setzt er Maßstäbe. Ich glaube, der einzige, der richtig nervös war, war ich. Michael war es jedenfalls nicht. Er wirkte kalt wie eine Hundeschnauze, obwohl er noch nie auf dem schwierigen Kurs gefahren war. Es dauerte nicht einmal einen Tag, da wusste ich, dass da ein kommender Superstar die Formel 1 betreten hatte. Und dass sich das mit der Jugendherberge ändern musste…

Willi Weber

Quelle: tz

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