Ballack bleibt Löws Fixpunkt - Angst vor "Stressfaktor"

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ARCHIV - Bundestrainer Joachim Löw und Kapitän Michael Ballack (l) unterhalten sich während des Abschlusstrainings im Millennium Stadion in Cardiff (31.03.2009).

München - Michael Ballack bleibt die zentrale Leitfigur in den Planungen von Joachim Löw für die bevorstehende WM -Saison.

Trotz der Differenzen im zurückliegenden Spieljahr setzt der Bundestrainer im Qualifikations-Endspurt und auch bei der angestrebten WM in Südafrika weiter voll auf den 32-Jährigen, der nur noch acht Einsätze von seinem 100. Länderspiel entfernt ist. " Michael Ballack ist mit seiner Erfahrung als Kapitän in der Hierarchie der Mannschaft weiterhin ganz oben, klar", sagte der Bundestrainer im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Ballack sei als Leitwolf im deutschen Fußball-Nationalteam nicht zu ersetzen, "zumal wir relativ wenige erfahrene Nationalspieler haben". Auch nach dem Zwischenfall mit Lukas Podolski - der Neu-Kölner hatte Ballack in Wales geohrfeigt - ist die Führungsrolle des Wahl-Engländers unumstritten.

Nach der Beobachtung des EM -Titelgewinns der U 21-Junioren in Schweden und einem Kurz-Trip zum Confederations Cup in Südafrika ist Löw gedanklich schon ganz auf die WM -Saison programmiert. Ende des Monats wird er in einer mehrtägigen Klausur mit seinem Trainerstab die kommenden Monate sowie die Endrunde konkret planen und in Angriff nehmen. Lediglich die eigene Zukunft ist für ihn "aktuell überhaupt kein Thema", wie der 49-Jährige kurz vor seinem Urlaub bekräftigte. "Erst einmal müssen wir die WM -Qualifikation schaffen, das wird schwer genug. Darauf liegt alle Konzentration in den nächsten Monaten. Dann gibt es vielleicht den richtigen Zeitpunkt, um über eine Vertragsverlängerung zu reden", sagte Löw, dessen Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund ( DFB ) im Sommer 2010 ausläuft.

Zu Verhandlungen mit DFB -Präsident Theo Zwanziger kann es demnach frühestens im Herbst kommen, sofern die deutsche Elf am 10. Oktober im "Endspiel" gegen Russland bestehen sollte und sich anschließend wie erhofft vier Tage später in Hamburg gegen Finnland endgültig als Gruppen-Erster direkt für Südafrika qualifiziert. "Es wird mir schon zu viel von Moskau gesprochen", warnte Löw jedoch: "Wir haben vorher noch zwei wichtige Spiele gegen Aserbaidschan, und da dürfen wir keine Punkte mehr verlieren." Nur ein Zähler beträgt der Vorsprung des Spitzenreiters Deutschland auf den Tabellenzweiten Russland vor den letzten vier Qualifikationsspielen.

Nach dem eindrucksvollen 3:0-Sieg der Russen vor einem Monat in Finnland , der auch Löw "ein bisschen nachdenklich" stimmte, muss in den DFB -Planungen auch ein mögliches Nachsitzen als Gruppen-Zweiter in der WM -Relegation einkalkuliert werden. Allerdings will Löw die extreme Druck-Situation zweier K.o.-Spiele, welche der damalige DFB -Teamchef Rudi Völler 2001 gegen die Ukraine durchleiden musste, unbedingt vermeiden. "Es ist nicht auszuschließen, dass in einer so starken Gruppe mit den Russen auch einmal eine Nation wie Deutschland in die Qualifikationsrunde muss. Das hätte einen hohen Stressfaktor für alle, das ist klar", kommentierte Löw: "Aber ich bin überzeugt, dass wir die WM -Qualifikation schaffen."

Aktuell beschäftigt den DFB -Chefcoach aber mehr der schwierige Saisonstart am 12. August in Baku gegen das von Ex-Bundestrainer Berti Vogts betreute Aserbaidschan. Nach nur einem Bundesliga-Spieltag seien die Spieler dann noch nicht im Rhythmus, mahnte Löw: "Zudem wird es dort sehr warm sein und es gibt eine lange Anreise -das Spiel wird schwierig genug." Vor der Nominierung bleibt ihm lediglich die erste Runde des DFB -Pokals, weshalb sich der Kader aus bewährten Kräften rekrutieren wird.

Eine fixe Größe ist Mario Gomez , der nach seinem spektakulären Wechsel vom VfB Stuttgart zum FC Bayern besonders im Fokus steht. "Mario Gomez bringt alle Fähigkeiten mit, um international ein Top-Stürmer zu sein. Er hat auch zu mir gesagt, er brauche eine neue Herausforderung. Bei Bayern München wird das gegeben sein", sagte Löw, der an den 24-Jährigen glaubt: "Bei Mario Gomez habe ich das Gefühl, dass er sich bei Bayern durchsetzen wird."

Auf dem Sprung ins Nationalteam steht der Stuttgarter Sami Khedira, auch den U 21-Europameistern Jerome Boateng (Hamburger SV) und Benedikt Höwedes (Schalke) bescheinigt Löw "viel Potenzial". Dem "spielintelligenten" Khedira traut der Bundestrainer im Optimalfall sogar zu, schon bei der WM die vakante Mittelfeld-Planstelle neben Ballack besetzen zu können. Wackelkandidat Torsten Frings (32) wird aber in erster Linie von Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes (beide 27) bedrängt. "Beide sind technisch stark, können gute Pässe spielen, sind jung und entwicklungsfähig", betonte Löw.

Von Klaus Bergmann und Jens Mende , dpa

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