Länderspielreise

DFB-Elf: Löw mit vier Neulingen in die USA

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Bundestrainer Jogi Löw (l.) und Manager Oliver Bierhoff.

Berlin - Mit vier Länderspiel-Neulingen wird die USA-Reise der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wie erwartet zum Experimentierfeld.

Mit vier Länderspiel-Neulingen wird die US-Tournee der deutschen Nationalmannschaft wie erwartet zum Experimentierfeld - doch Joachim Löw wies jeden Anflug von Kritik scharf zurück. „Ich denke, wir haben in Deutschland mehr als 20 gute Fußballer, die ich guten Gewissens in einen Flieger in die USA setzen kann“, erklärte der Bundestrainer am Donnerstag bei der Bekanntgabe seines 23-köpfigen Kaders, zu dem die Leverkusener Philipp Wollscheid und Sidney Sam, der Mainzer Nicolai Müller sowie der Freiburger Max Kruse als Neulinge gehören.

Die Reise zu diesem Saisonzeitpunkt sei schon im vergangenen Jahr genau so geplant worden, „natürlich in Kenntnis mit dem möglichen Szenario“, sagte Löw: „Ich bin kein Buchhalter, der zu Hause sitzt und zählt, wer alles absagt.“ Vor allem durch das deutsche Champions-League-Finale FC Bayern kontra Borussia Dortmund stehen für die Spiele am 29. Mai in Boca Raton gegen Ecuador und am 2. Juni in Washington gegen die USA mehr als ein Dutzend Nationalspieler nicht zur Verfügung. Löw wertet das jedoch viel mehr als positive Konstellation für den deutschen Fußball.

„Das Szenario wirft uns natürlich nicht aus der Bahn, das war auch irgendwie einkalkuliert“, betonte der DFB-Chefcoach und ergänzte: „Diese Reise stand bei uns nicht eine Minute zur Diskussion. Wir sind beim DFB kein Zirkus mit täglich wechselndem Programm. Wir haben das schon eingeplant. Die ganze Absage-Diskussion ist für mich völlig überflüssig und irrelevant.“ Miroslav Klose, der mit Lazio Rom noch am 26. Mai im italienischen Pokalfinale steht, und das Dortmunder Duo Sven Bender und Kevin Großkreutz sollen nachreisen.

Die weiteren BVB-Spieler, die am 25. Mai in London das Champions-League-Finale gegen den FC Bayern bestreiten, stehen Löw wie die Münchner nicht zur Verfügung. Mesut Özil und Sami Khedira sind noch mit Real Madrid im Einsatz. „Ich bin davon überzeugt, dass wir gegen Ecuador und die USA eine starke Mannschaft aufs Feld schicken werden“, betonte der Bundestrainer trotz der Personallage. Das DFB-Team fliegt am kommenden Mittwoch nach Miami.

„Solche internationalen Begegnungen eröffnen einzelnen Spielern immer wieder auch Chancen, sich zu präsentieren. So mancher Spieler, der zuvor noch keine prägende Rolle in der Nationalmannschaft hatte, kann sich beweisen und nun Verantwortung übernehmen“, betonte Löw. So kehren Dennis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (1899 Hoffenheim), Stefan Reinartz (Bayer 04 Leverkusen) und Aaron Hunt (Werder Bremen) nach längeren Pausen zur Nationalmannschaft zurück. Angeführt wird das 23-köpfige Aufgebot von den beiden FC-Arsenal-Profis Lukas Podolski und Per Mertesacker.

Auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff verteidigte die Termin-Überschneidung der US-Tournee mit dem deutschen Wembley-Finale in der europäischen Königsklasse und dem DFB-Pokalfinale am 1. Juni. „Wir stehen felsenfest zu unserer Planung, in die wir bereits frühzeitig und ganz bewusst eingestiegen sind. Unser Ziel war es, den Spielern nach einer anstrengenden Saison eine lange Sommerpause sowie eine zusammenhängende Vorbereitung mit ihren Vereinen zu ermöglichen“, unterstrich der ehemalige DFB-Kapitän.

„Länderspiele haben immer einen hohen Stellenwert. Für die Spieler, die wir nominiert haben, ist es etwas Besonderes, dabei zu sein“, ergänzte Löw, der seinen Notkader mit dem Neulings-Quartett Wollscheid, Müller, Sam und Kruse am Dienstag in Frankfurt (Main) versammelt. „Alle Vier haben im Laufe der Saison mit ihren Vereinen überzeugt“, bemerkte Löw: „Ich freue mich sehr, dass ich nun die Möglichkeit habe, sie auch einmal bei uns in der Nationalmannschaft zu erleben.“

In den Gesprächen mit den Nominierten hatte Löw eine „wahnsinnige Motivation“ der Auserwählten gespürt. „Das große Ziel in meiner Karriere als Fußballprofi war und ist die Nationalmannschaft. Dass ich nach einer schwierigen Saison mit meinem Verein bei den Verantwortlichen des DFB-Teams um Joachim Löw immer noch im Blickfeld bin, freut mich daher sehr“, sagte der Hoffenheimer Beck.

Einige Überraschungen gibt es auch beim erweiterten Aufgebot für die U 21-Europameisterschaft in Israel. Trainer Rainer Adrion verzichtet für das Turnier vom 5. bis 18. Juni auf seine drei Stammkräfte Moritz Leitner, Maximilian Beister und Alexander Esswein und nominierte dafür die Debütanten Timo Horn, Matthias Ginter, Sead Kolasinac und Emre Can, die allesamt noch kein Spiel für die U 21 absolviert haben.

dpa

Tor: Rene Adler (Hamburger SV) Ron-Robert Zieler (Hannover 96), Marc Andre ter-Stegen (Borussia Mönchengladbach)

Abwehr: Dennis Aogo (Hamburger SV), Andreas Beck (1899 Hoffenheim), Benedikt Höwedes (Schalke 04), Marcell Jansen (Hamburger SV), Per Mertesacker (FC Arsenal), Heiko Westermann (Hamburger SV), Philipp Wollscheid (Bayer Leverkusen)

Mittelfeld: Lars Bender (Bayer Leverkusen), Sven Bender (Borussia Dortmund), Julian Draxler (Schalke 04), Kevin Großkreutz (Borussia Dortmund), Aaron Hunt (Werder Bremen), Nicolai Müller (Mainz 05), Roman Neustädter (Schalke 04), Lukas Podolski (FC Arsenal), Stefan Reinartz (Bayer Leverkusen),

Angriff: Sidney Sam (Bayer Leverkusen), Andre Schürrle (Bayer Leverkusen), Max Kruse (SC Freiburg), Miroslav Klose (Lazio Rom)

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa
18.10.2013: Die Verlängerung von Joachim Löws Vertrag bis 2016 wird bekanntgegeben. © dpa

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