Torhüter bleibt geheim

Färöer-Trainer träumt von "Weltsensation"

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Trainer Lars Olsen verrät noch nicht welcher Torhüter gegen Deutschland spielen wird.

Hannover - Die Elf von den kleinen Färöer kommt als krasser Außenseiter zum ersten WM-Qualifikationsspiel nach Hannover. Trainer Lars Olsen träumt trotzdem ein bisschen von einer „Weltsensation“.

Der Torhüter bleibt ein Staatsgeheimnis. „Den Namen verrate ich erst im letzten Augenblick“, sagte Lars Olsen, Trainer der „Fußballzwerge“ von den Färöer vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen den WM-Zweiten Deutschland an diesem Freitag in Hannover (20.45/ZDF). Ob das ein Schutz für den nach möglicherweise vielen Gegentoren bedauernswerten Keeper sein soll oder vielleicht doch ein bisschen Zockerei, war dem Dänen nach der Ankunft in der Niedersachsen-Metropole nicht zu entlocken.

Umso bereitwilliger äußerte sich der seit Jahresbeginn auf den Atlantikinseln mit rund 50 000 Einwohnern tätige Trainer über seine persönlichen Erfahrungen gegen Deutschland: „Mein schönster Augenblick als Spieler war unser 2:0-Finalsieg in Göteborg.“ 1992 stand Olsen als Kapitän und Abwehrchef der dänischen Überraschungs-Europameister auf dem Platz. Würde seine neue Elf jetzt gegen die Truppe von Bundestrainer Joachim Löw punkten, wäre das für ihn noch größer: „Eine echte Weltsensation hätten wir dann.“

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa

Als letztes Bollwerk gegen die befürchtete deutsche Torflut hat Olsen die Wahl zwischen zwei extrem unterschiedlichen Spielern: Entweder der 42-jährige Jákup Mikkelsen vom heimischen Amateurclub IF Fuglafjördur mit der Erfahrung von 72 Länderspielen oder der 16 Jahre jüngere Gunnar Nielsen vom englischen Meister Manchester City. Dort hat er in drei Jahren nur einen Pflichtspiel-Einsatz geschafft.

„Nielsen ist mein einziger Spieler aus einem wirklich großen Club“, seufzt Olsen. Beim 0:2 im Testspiel gegen Island in Reykjavik stand vor zwei Wochen Methusalem Mikkelsen zwischen den Pfosten. Er machte nach Meinung von Beobachtern einen höchst unsicheren Eindruck. Insgesamt war Olsen beim eigenen Trainer-Debüt für die Färöer mit der Leistung seiner Mannschaft aber zufrieden: „Wir haben uns gut gegen die Isländer verkauft, die ja auch schon den Deutschen Kopfschmerzen bereiten konnten.“

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Etwa die Hälfte seiner Spieler kickt unter Amateurbedingungen und ausschließlich auf Kunstrasenplätzen daheim. Die anderen stehen bei Clubs in England, Dänemark, Norwegen und Island unter Vertrag. „Das ist bei uns als Nummer 163 der Weltrangliste schon eine andere Welt als bei den Deutschen mit der Nummer 2“, meinte Olsen. Dabei stapelte er noch tief, denn in Wirklichkeit werden die Kicker aus dem hohen Norden im Ranking an 154. Stelle geführt.

Trotzdem wolle man sich beim zweiten Auftritt in Hannover nicht einfach nur mit zehn Mann hinten reinstellen. Beim knappen 1:2 im Oktober 2002 klappte das schon einmal - auch wenn der Gegentreffer aus einem Eigentor von Arne Friedrich resultierte. „Wir werden unsere Chancen suchen. Vor allem aber sollen meine Spieler das Erlebnis genießen und lernen.“ Im Übrigen habe man beim Rückspiel daheim in Torshavn „deutlich bessere Chancen“: „Schon allein, weil es da oft regnet und stürmt.“

dpa

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