FIFA : Keine rasche Änderung von Artikel 17

Zürich - Der Fußball-Weltverband FIFA rechnet nicht mit einer schnellen Änderung des umstrittenen Artikels 17.

"Wir diskutieren eine Lösung. Diese wird aber nicht von heute auf morgen möglich sein", sagte der FIFA -Direktor für Rechtsfragen, Marco Villiger , bei einer Telefonpressekonferenz am Dienstag in Zürich. Der Paragraf ermöglicht Spielern einen internationalen Vereinswechsel vor Ablauf der Vertragszeit.

Mit einem Computer gestützten Transfersystem will die FIFA zumindest mehr Kontrolle bei Spielerverkäufen erreichen. Dem Transfer Matching System (TMS), in dem künftig alle Vereinswechsel detailliert mit Angaben wie Vertragssumme, beteiligten Agenten und Laufzeit erfasst werden sollen, hätten sich bisher 100 der 208 Mitgliedsländer angeschlossen. Bis zum März kommenden Jahres sollen alle FIFA -Mitglieder das Programm anwenden.

Durch TMS will die FIFA auch das Wirken von nicht lizenzierten Spielervermittlern einschränken. Bislang würden nur 25 bis 30 Prozent aller internationalen Spielerwechsel von Beratern abgewickelt, die über die FIFA -Autorisierung verfügten. Auch illegale Geldflüsse sollen durch das webbasierte System leichter zu erkennen sein.

Die FIFA unterstütze die Rechtsbehörden bei der Verfolgung von Verbrechen wie Geldwäsche, verhindern können sie diese aber nicht. "Wir können keine Strafverfolgung vornehmen, aber wir versorgen die entsprechenden Institutionen mit allen vorhandenen Informationen", sagte Villiger. Kürzlich hatte die OECD in einer Studie 20 Fälle von Geldwäsche im Profi-Fußball in 25 Ländern bekanntgemacht.

Der Artikel 17 in den FIFA -Statuten beruht auf einem Kompromiss mit der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2001. Demnach können Spieler auch vor Ende ihres Vertrags ins Ausland wechseln. Als Entschädigung steht dem abgebenden Verein nur das noch ausstehende Gehalt zu. "Es ist Europäisches Recht betroffen, daher können wir nicht sagen, wann es eine Änderung geben wird. Wir sind in Gesprächen mit den Vereinen", sagte Villiger.

Bayern-Manager Uli Hoeneß hatte am Dienstag andere Großclubs vor der Anwendung von Artikel 17 gewarnt. "Bis jetzt hat keiner der großen Vereine jemals den Paragrafen 17 gezogen. Und wenn irgendeiner der Großen versucht, ihn zu ziehen, dann ist die Hölle los. Das würde ich keinem Verein der Welt raten", sagte Hoeneß angesichts eines drohenden Abschieds von Starspieler Franck Ribéry.

Bisher haben nur Spieler von kleineren Clubs wie der Schotte Andy Webster (Hearts of Midlothian zu Wigan Athletic) von der Regelung Gebrauch gemacht. Beim Internationalen Sportgerichtshof CAS ist eine Klage des ägyptischen Nationaltorwarts Essam El Hadary anhängig, der sich gegen eine FIFA -Strafe nach seinem Wechsel zum FC Sion auf Grundlage von Artikel 17 wehrt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

Auch interessant

Meistgelesen

„Militär-Jubel“ der Türken: Erdogan reagiert - Erste Nachahmer in Deutschland
„Militär-Jubel“ der Türken: Erdogan reagiert - Erste Nachahmer in Deutschland
Mesut Özil: Rassismus-Skandal? Weltmeister mit heftigen Vorwürfen - auch gegen den DFB
Mesut Özil: Rassismus-Skandal? Weltmeister mit heftigen Vorwürfen - auch gegen den DFB
„Echt schlecht gespielt“: Die Stimmen zum DFB-Sieg in Estland - Can und Gündogan über Instagram-Like
„Echt schlecht gespielt“: Die Stimmen zum DFB-Sieg in Estland - Can und Gündogan über Instagram-Like

Kommentare