Fußball-Frauen bereit für Favoriten-Rolle

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Cheftrainerin Silvia Neid: „Ich glaube schon, dass wir uns mit diesem Erfolg viel Respekt verschafft haben.“

Tampere - Das Selbstbewusstsein ist groß, die Alternativen sind zahlreich und das Team ist ein eingeschworener Haufen. Die Deutschen Fußballerinnen haben bei der EM ein deutliches Signal an die Konkurrenz gesetzt.

Mit dem furiosen 4:0-Auftaktsieg gegen Ex-Weltmeister Norwegenhat Titelverteidiger Deutschland bei der Fußball-Europameisterschaft der Frauen in Finnland nicht nur einen Traumstart erwischt, sondern auch ein deutliches Signal an die Konkurrenz gesetzt. “Ich glaube schon, dass wir uns mit diesem Erfolg viel Respekt verschafft haben“, betonte Cheftrainerin Silvia Neid , warnte aber zugleich vor großer Euphorie. “Wir müssen uns auf jedes Spiel konzentrieren und vorbereiten. Wenn wir nun gegen Frankreich verlieren, sind wir die Favoritenrolle wieder los.“

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Mit einem Sieg über die Französinnen (3:1 gegen Island) an diesem Donnerstag (16.30 Uhr/ ARD und Eurosport) könnte der sechsmalige Europameister bereits am zweiten Spieltag der Gruppe B den Einzug ins Viertelfinale perfekt machen. Die Aussichten sind rosig, denn in Weltmeisterin Simone Laudehr meldet sich eine weitere Alternative zurück. Die 23 Jahre alte Mittelfeldspielerin vom UEFA-Cup-Sieger FCR Duisburg gehört eigentlich zur Stammbesetzung. Gegen Norwegen kam sie nur deshalb nicht zum Einsatz, weil sie nach ihrer Bänderzerrung im Knie noch Trainingsrückstand aufwies. Die Verletzung hatte sie im letzten EM -Test gegen Russland erlitten. “Sie hat heute erstmals mit der Mannschaft trainiert und keine Probleme mehr“, sagte Neid, die über Wechsel nachdenkt. “Aber nicht wegen der Leistung. Denn alle haben gegen Norwegen gut gespielt. Sondern nur, um die Belastungen zu dosieren.“

Die DFB-Trainerin legte sich am Dienstag aber nicht fest, ob Laudehr gegen Frankreich von Beginn an spielt. Dann müsste die Hamburgerin Kim Kulig weichen, die ihre Sache im Mittelfeld neben Schlüsselspielerin Linda Bresonik sehr gut machte. Die 19- jährige Kulig - laufstark und schussgewaltig - wurde von der UEFA- Kommission sogar zur “Spielerin des Spiels“ gekürt. Kulig war nach ihrem tollen EM -Debüt “schon überrascht“ über die Wahl und gab die Komplimente an das gesamte Team weiter: “Man ist ja nie allein auf dem Platz und meine Mitspielerinnen machen es mir leicht. Jede von ihnen hätte zur besten Akteurin gewählt werden können.“

Trotz ihrer guten Leistung wird sich Kulig gegen Frankreich wohl auf der Bank wiederfinden. “Mit Simone haben wir eine Alternative mehr. Und vielleicht passt sie gut zu Frankreich“, deutete die Trainerin Laudehrs Einsatz an. Gegen die technisch versierten und quirligen Französinnen könnten ihre Tugenden besonders gefragt sein. Und natürlich hofft Laudehr auf ihr Comeback. “Ich hatte eine super Vorbereitung und gehörte zur Stammelf. “Ich rechne schon damit, dass ich zum Einsatz komme. Vielleicht sogar von Beginn an“, sagte sie am Dienstag , ohne ihr Mitwirken zu fordern oder die Leistung von Kulig zu schmälern.

Ohnehin vermittelt das DFB -Team den Eindruck eines verschworenen Haufens, in dem Neid und Missgunst keinen Platz haben. “Sicher gibt es Konkurrenz, weil wir sehr ausgeglichen besetzt sind. Aber die Trainerin entscheidet. Ich habe noch nie erlebt, dass eine neidisch oder böse ist, wenn sie nicht spielt. Wir unterstützen uns alle gegenseitig“, sagte Laudehr. Das wurde auch deutlich, als Bresonik nach ihrem Führungstor per Elfmeter (33.) sofort Richtung Ersatzbank lief und die Kolleginnen umarmte. “Das war eine spontane Aktion. Aber es zeigt, dass wir alle ein Team sind“, erklärte die Duisburgerin.

Nahtlos fügten sich die erst spät eingewechselten Celia Okoyino da Mbabi, Fatmire Bajramaj und Anja Mittag ins deutsche Spiel ein. Während Okoyino da Mbabi Pech mit einem Pfostenschuss (88.) hatte, sorgten Bajramaj (90./90.+4) und Mittag (90.+2) mit ihren Last- Minute-Treffern für den klaren Sieg. “Es ist ein Traum für jede Fußballerin, wenn man rein kommt und dann so ein Spiel abliefert“, freute sich Bajramaj. Und auch ihre Potsdamer Kollegin Mittag genoss “das schöne Gefühl, zum Erfolg beigetragen zu haben“.

dpa

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