Joachim Löw gibt Fehler zu

"Würde heute gegen Italien anders aufstellen"

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Bundestrainer Joachim Löw während des EM-Halbfinals der Fußball-EM am 28.06.2012 gegen Italien.

Köln - Bundestrainer Joachim Löw hat rund ein halbes Jahr nach dem Aus bei der EURO Fehler eingeräumt. Auch beim peinlichen Remis gegen Schweden hätte er besser reagieren können.

„Mit dem Wissen von heute würde ich im Halbfinale gegen Italien wahrscheinlich eine andere Aufstellung wählen“, sagte Löw im Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Ich hatte ja einen klaren Plan für dieses Spiel. Und natürlich muss ich jetzt zugeben, dass der Plan nicht aufgegangen ist.“

Gerüchte, er wolle nach der Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sein Amt aufgeben, dementierte Löw: „Das habe ich nie behauptet. Es ist alles möglich“, sagte der 52-Jährige, der sein 2006 für das A-Team verantwortlich ist.

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa
18.10.2013: Die Verlängerung von Joachim Löws Vertrag bis 2016 wird bekanntgegeben. © dpa

In seiner Rückschau ließ Löw auch den Vorwurf gelten, in kritischen Situationen wie beim 1:2 gegen die Italiener oder beim 4:4 nach 4:0-Vorsprung gegen Schweden zu wenig eingegriffen und gecoacht zu haben: „In diesen Spielen muss ich mir diesen Vorwurf gefallen lassen, vielleicht hätte ich tatsächlich durch irgendwelche Maßnahmen noch etwas bewirken können“, sagte Löw: „Aber das kommt schon mal vor, dass ein Trainer nach einem Spiel einräumen muss: Heute hatte ich nicht die richtigen Lösungen parat.“

Jene beiden Spiele zeigten laut Löw auch die Schwäche seines Teams auf: „Wenn der Gegner eine Veränderung in seinem Spiel vornimmt, dann verliert meine Mannschaft manchmal ihre Sicherheit und ihren Spielstil. Gegen Italien waren wir 15 Minuten gut im Spiel, dann sind die Italiener plötzlich weiter nach vorne gerückt, zum Teil sogar auf unseren Torhüter drauf gegangen. Das haben die Schweden nach 60 Minuten auch gemacht. Und beide Male hat meine Mannschaft das vernachlässigt, was sie eigentlich mit am besten kann auf der Welt: Sie hat ihren Spielaufbau nicht mehr durchgezogen. Sie hat einfach ihre größten Trümpfe aus der Hand gegeben.“

Löw kritisiert: Gab Spieler, die keinen Ball wollten

Er prangerte zudem ein zu passives Verhalten mancher Fußball-Nationalspieler in gewissen Situationen auf dem Feld an. Wenn beispielsweise die gegnerische Mannschaft zehn oder fünfzehn Meter weiter vorrücke, "gehen unsere Spieler irgendwie aus der Verantwortung", sagte der Bundestrainer in einem Interview der "Süddeutsche Zeitung". Löw kam nach der Analyse vor allem der Partien gegen Frankreich (Testspiel/1:2), bei der EM gegen Italien (1:2) und in der WM-Qualifikation gegen Schweden (4:4 nach 4:0-Führung) zu dem Schluss: "Das war leider eine Art Grundmuster bei uns."

Löw erklärte in einem Interview der "Berliner Zeitung" und der "Frankfurter Rundschau": "Wir haben gegen Schweden eine halbe Stunde lang auf Weltklasseniveau agiert - und dann sehe ich in der Videoanalyse Spieler bei uns, die sich eine halbe Minute lang gar nicht mehr bewegen." Die Mannschaft müsse während eines Spiels in der Lage sein, den Rhythmus zu ändern, "um Kontrolle auszuüben", pflichtete Teammanager Oliver Bierhoff dem Bundestrainer in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus" bei.

Das kommende Jahr sieht Löw auch ohne großes Turnier als wegweisend an: „ 2013 wird ein Jahr der Konzentration. Am Ende des Jahres müssen wir so weit sein, dass wir uns auf die WM in Brasilien freuen können.“

SID/dpa

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