Löw lässt das Zauberduo ran

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Joachim Löw

München - Mit den Länderspielen gegen EM-Gastgeber Ukraine und Vize-Weltmeister Niederlande beschließt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein bisher äußerst erfolgreiches Jahr - mit einigen Experimenten.

Ohne die beiden Kapitäne, dafür mit dem Zauber-Duo Mario Götze und Mesut Özil sowie den Torjägern Miroslav Klose und Mario Gomez: Bundestrainer Joachim Löw kündigte vor den beiden abschließenden Länderspielen des Jahres „einige personelle und taktische Änderungen“ an.

So dürfen die beiden Spielmacher Özil und Götze in einem der EM-Tests gegen EURO-Gastgeber Ukraine in Kiew am Freitag (20. 45/ARD) und am 15. November gegen den Erzrivalen Niederlande in Hamburg (20.45/ZDF) gemeinsam zaubern. Auch die Top-Torschützen Gomez und Klose werden mindestens einmal Seite an Seite stürmen. Zudem kündigte Löw das Nationalmannschafts-Debüt von Hannovers Torwart Ron-Robert-Zieler an.

„Bei allem Ehrgeiz, was gute Ergebnisse betrifft, sind mir Erkenntnisse sehr wichtig. Ich plane in einem der Spiele eine Systemänderung auf 4-4-2, das muss nicht zwangsläufig in der Ukraine sein“, sagte Löw am Sonntag in einer Telefon-Konferenz. Zuletzt hatte Löw immer die Taktik mit nur einer Spitze bevorzugt, weshalb für Klose oder Gomez jeweils kein Platz war.

Auch das Experiment mit den hoch gelobten Özil von Real Madrid und Dortmunds Jahrhundert-Talent Götze in der Startformation scheute Löw bisher. Aber auch das „ist vorstellbar in einem dieser beiden Spiele“, kündigte der Bundestrainer einen Versuch mit dem spielstarken Duo an.

Sicher ist auch, „dass Zieler auf jeden Fall sein Debüt feiern wird. Ob in der ersten oder zweiten Halbzeit werde ich mit Andi Köpke noch besprechen“, sagte Löw, den bis Sonntagnachmittag noch keine Absagen ereilt hatten. Auf einen weiteren Einsatz darf sich auch der Gladbacher Marco Reus freuen.

Nach der glanzvollen Qualifikation für die EURO 2012 mit zehn Siegen sei „Selbstzufriedenheit oder gar Größenwahn nicht angebracht“, warnte Löw einmal mehr. Dennnoch sieht er sein Team sieben Monate vor Turnierbeginn in einer komfortablen Situation. „Wir haben bis zu EM-Vorbereitung noch drei Spiele, das ist relativ wenig. Aber gewisse Automatismen sitzen gut, wie ein paar bequeme Turnschuhe“, sagte er.

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

30.07.2004: Zum 40. Geburtstag schenkt der DFB Bundestrainer Jürgen Klinsmann die Verpflichtung seines Favoriten Joachim Löw als Co-Trainer. Die “Schwaben-Connection“ ist perfekt. “Er ist für mich alles andere als ein Hütchenaufsteller“, sagt Klinsmann über Löw. © Getty
12.07.2006: Nach dem Rücktritt des “ausgebrannten“ Klinsmann wird Löw zum Chef der Nationalelf befördert. Der 46-Jährige bekommt einen Zweijahresvertrag und sagt: “Wir wollen Europameister 2008 werden.“ © Getty
16.08.2006: Löws Bundestrainer-Premiere wird in Gelsenkirchen zum rauschenden Fest - 3:0-Sieg beim Test gegen Schweden. © Getty
06.09.2006: Der höchste Sieg in der Amtszeit von Löw: 13:0 gegen Fußball-Zwerg San Marino vor nur 5019 Zuschauern in Serravalle. © Getty
28.03.2007: Erste, unbedeutende Niederlage im 9. Spiel: 0:1 gegen Dänemark beim Debütanten-Ball mit sechs DFB-Neulingen in Duisburg. © Getty
13.10.2007: Schon im viertletzten Qualifikationsspiel löst Löw mit einem 0:0 in Irland das Ticket für die EM 2008. © Getty
16.05.2008: Bei der Nominierung des EM-Kaders auf der Zugspitze sorgt Löw für Paukenschläge. Er bootet im Tor Timo Hildebrand aus, holt dafür René Adler und beruft 26 Akteure. Marko Marin, Jermaine Jones und Patrick Helmes schickt er nach der Vorbereitung nach Hause. © Getty
16.06.2008: Beim 1:0 im Vorrunden-Finale gegen Österreich wird Löw auf die Tribüne verwiesen. Ballacks Freistoß-Tor bejubelt er dort. © Getty
29.06.2008: Geplatzter Titeltraum. Spanien gewinnt durch ein Tor von Torres das EM-Finale in Wien mit 1:0. “Man muss die Qualität der Spanier anerkennen“, erklärt Löw als fairer Verlierer. © Getty
08.08.2009: Löw startet den Umbruch. 40 Tage nach dem verlorenen EM-Finale beendet Torhüter Jens Lehmann seine Länderspiel-Karriere. © Getty
11.10.2008: Deutschland siegt 2:1 im WM-Quali-Gipfel gegen Russland. Reservist Kevin Kuranyi flüchtet zur Halbzeit aus dem Stadion in Dortmund. Am Tag danach verbannt Löw den Schalker aus dem DFB-Team. © Getty
31.10.2008: Löw und Ballack schließen nach einem Streit Frieden. Der Kapitän hatte den Führungsstil des Bundestrainers kritisiert und sich für seinen Kumpel Frings stark gemacht. “Dafür habe ich mich bei Joachim Löw entschuldigt“, sagt Ballack. Der Kapitän darf bleiben. © Getty
10.10.2009: Trotz Platzverweis für Debütant Jérome Boateng gewinnt die DFB-Elf das “Endspiel“ in Moskau gegen Russland dank Klose 1:0. Das WM-Ticket ist gelöst, Löw lobt das “Sieger-Gen“ der Spieler. © Getty
10.11.2009: Der Selbstmord von Torhüter Robert Enke versetzt die Nationalelf in einen Schockzustand. Das geplante Länderspiel gegen Chile in Köln wird abgesagt. “Ich denke, wir hätten Robert nicht von seinem Vorhaben abbringen können“, sagt Löw nach Tagen der Trauer. © Getty
17.12.2009: Auf einer Israel-Reise verkündet DFB-Chef Zwanziger einen Handschlag-Vertrag mit Löw bis zur Europameisterschaft 2012 - selbst der Bundestrainer wird davon überrascht. © Getty
04.02.2010: Der Handschlag-Vertrag ist null und nichtig. Der DFB lehnt Löws und Bierhoffs Forderungen ab. Es kommt zum Zerwürfnis. © Getty
09.02.2010: Eiszeit beendet - in Frankfurt schließen Löw, Zwanziger & Co. WM-Frieden. “Was sind wir Hornochsen“, sagt Generalsekretär Wolfgang Niersbach nach dem schädlichen öffentlichen Streit. © Getty
06.05.2010: Löw beruft 27 Akteure in den vorläufigen WM-Kader und überrascht mit den beiden Länderspiel-Neulingen Badstuber und Aogo. Als dritter Torwart darf nach Adlers Verletzung Jörg Butt mit. © Getty
17.05.2010: Das Ballack-Aus für die WM. “Wir waren geschockt, keine Frage“, sagt Löw. Der Kapitän fällt wegen einer Fußverletzung aus. © Getty
28.05.2010: Löw ernennt Philipp Lahm zum WM-Kapitän und Manuel Neuer zur Nummer 1. Tim Wiese ist der Verlierer im Torhüter-Duell. © Getty
13.06.2010: 4:0 - ein WM-Traumstart gegen Australien. Es folgen ein 0:1 gegen Serbien und ein 1:0 gegen Ghana. Dann die Höhepunkte: Im Achtelfinale 4:1 gegen England, danach 4:0 gegen Argentinien. © Getty
07.07.2010: Löw ist “traurig und enttäuscht“. Wieder ein 0:1 gegen Spanien, im Halbfinale platzt der Traum vom 4. deutschen WM-Titel. © Getty
10.07.2010: Bronzenes Ende: 3:2 im Spiel um Platz 3 gegen Uruguay. © Getty
20.07.2010: Neun Tage nach dem WM-Abpfiff verlängern Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwart-Coach Köpke ihre Verträge. © Getty
03.09.2010: Mit einem 1:0-Sieg in Belgien gelingt der Start in die Qualifikation für die EM 2012. Es folgen drei weitere Siege gegen Aserbaidschan (6:1), Türkei (3:0) und in Kasachstan (3:0). Damit liegt Deutschland als Tabellenführer klar auf EM-Kurs. © Getty
15.03.2011: Der DFB verlängert vorzeitig die Verträge mit Cheftrainer Löw, Manager Bierhoff, Co-Trainer Flick und Torwartcoach Köpke vorzeitig um zwei Jahre bis zur WM 2014 in Brasilien. © Getty
11.10.2011: Die deutsche Nationalmannschaft qualifiziert sich unter Bundestrainer Jogi Löw mit zehn Siegen in zehn Spielen für die EM 2012 in Polen und der Ukraine. So etwas hatte zuvor noch kein deutsches Team geschafft. © dpa
18.10.2013: Die Verlängerung von Joachim Löws Vertrag bis 2016 wird bekanntgegeben. © dpa

Selbst der Verzicht auf Kapitän Philipp Lahm und der verletzungsbedingte Ausfall von Bastian Schweinsteiger bereiten dem Bundestrainer längst keine schlaflosen Nächte mehr. „Wir sind in den letzten ein, zwei Jahren eine Spitzenmannschaft geworden, wir können auch solche Ausfälle auffangen“, meinte der Bundestrainer. Gerade im Mittelfeld habe das DFB-Team in Götze, Özil, Toni Kroos, Sami Khedira oder Simon Rolfes Spieler, „die in der Lage sind, Akzente zu setzen“.

Die DFB-Auswahl trifft sich am Dienstag im Hotel Side in Hamburg. Bis spätestens 13 Uhr müssen die Stars anreisen. Am Abend findet dann das erste Training im Stadion „Hoheluft“ des SC Victoria Hamburg statt. Am Donnerstag fliegt die DFB-Auswahl dann von Hamburg nach Kiew, am Samstag kehrt sie in die Hanse-Stadt zurück.

Vor dem Länderspiel-Doppelpack bestätigte Löw derweil, dass für ihn und sein Trainerteam bei der Europameisterschaft 2012 die gleiche Prämienregelung wie für die deutschen Nationalspieler gelten würde. „Das Trainerteam ist in der Regelung inbegriffen“, sagte er.

Damit erhalten Löw sowie seine Assistenten Hansi Flick und Andreas Köpke im Falle eines EM-Triumphes 2012 in Polen und der Ukraine jeweils 300.000 Euro. Bei einem Aus in der Vorrunde würde auch der Bundestrainer leer ausgehen. Für das Erreichen des Viertelfinals hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 50.000 Euro, für das Halbfinale 100.000 Euro und für das Finale 150.000 Euro ausgelobt.

sid

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