Grundausrichtung bleibt gleich

Löws schwieriges Personal-Puzzle in Paris

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Joachim Löw muss mal wieder seine Startelf umbauen.

Paris - Jedes Mal die gleich Leier, wird sich Joachim Löw sagen. Bei Tests fehlen dem Bundestrainer viele Stammkräfte. An der Grundausrichtung ändert die Personallage vor dem Duell in Frankreich aber nichts.

Weit vorne auf Platz 2 C des kleinen Sonderfliegers LH 342 nach Paris saß Joachim Löw und grübelte durchgerüttelt von manch heftigem Windstoß über sein Personal. Miroslav Klose, Bastian Schweinsteiger, Marco Reus, Mario Götze und auch Marcel Schmelzer - alle nicht an Bord. Für das ersehnte positive Start-Signal ins Länderspieljahr 2013 und den ersten Auswärtssieg in Frankreich seit 78 Jahren muss der Bundestrainer wieder einmal zum Formations-Tüftler werden. „Das muss man so akzeptieren. Es hat sich gezeigt, dass wir einen guten Kader haben. Es besteht für andere die Möglichkeit, sich zu präsentieren“, gab Teammanager Oliver Bierhoff die pragmatische Standardlosung der Nationalmannschaft aus.

Wie bei allen Testspielen seit dem misslungenen EM-Sommer fehlen Löw auch beim wegweisenden Jahresauftakt am Mittwoch (21.00/ARD) wichtige Säulen seines Teams. An der grundsätzlichen Zielsetzung ändert der kurzfristige Ausfall von fünf Akteuren aber nichts. Der Test gegen die Équipe tricolore um Bayern-Star Franck Ribéry ist für Mesut Özil und Co. der ultimative Härtetest für die rasche Erfüllung der Jahresvorgabe: „Die WM-Qualifikation für Brasilien 2014 ist das erklärte Ziel - und alles ist darauf ausgerichtet“, sagte Löw.

"Starke Individualisten, gute Physis"

Die französische Hauptstadt empfing den DFB-Tross am Dienstag mit dicken grauen Wolken und frischem Wind bei gerade einmal vier Grad Celsius. Nur kurz blinzelte die Sonne nach der Landung hervor, als die DFB-Maschine auf einer Außenposition des Flughafens Charles de Gaulle gleich neben zwei Fliegern der „République Francaise“ parkte. Ungemütlich dürfte es für die Löw-Auswahl auch vor erwarteten 75 000 Zuschauern im Stade de France von St. Denis werden. „Die Franzosen haben starke Individualisten, aber ihr Spiel ist auch von einer guten Physis geprägt“, warnte Bierhoff.

Unter den Zuschauern werden auch Bundeskanzlerin und Edelfan Angela Merkel sowie der französische Staatspräsident Francois Hollande erwartet. Das Spiel hat sogar politische Dimensionen, gilt es doch als Teil des Festaktes zu den 50-Jahr-Feierlichkeiten des Elysée-Vertrages. Zudem stehen sich beide Nationen zum 25. Mal in einem Länderspiel gegenüber - ein Silberjubiläum also.

Erstmals seit 2008 will das DFB-Team bei einem Auftaktspiel als Sieger vom Platz gehen und dabei die magere Bilanz gegen das Nachbarland von sieben Siegen, sechs Remis und elf Niederlagen aufpolieren. Letztmals gelang ein Sieg vor 26 Jahren beim 2:1 in Berlin mit Doppeltorschütze Rudi Völler. Doch: Wie schon beim 0:0 gegen die Niederlande im November muss Löw im Eiltempo mehrere Personal-Baustellen beackern. Immerhin: Übung hat er darin mittlerweile.

Schürrle: "Wissen, worum es geht"

Durch den Ausfall von Schmelzer (Knöchel) wird Philipp Lahm wieder zum Seitenhopper. Mangels Alternativen dürfte der Kapitän entgegen der langfristigen Löw-Pläne statt als rechter wieder als linker Verteidiger spielen. Auf der anderen Abwehrseite stehen damit Benedikt Höwedes oder Jérôme Boateng als Gegenspieler von Ribéry zur Verfügung - vor einem Jahr stellte sich für Löw gegen Frankreich (1:2) genau die gleiche Personalfrage. Er entschied sich für Ribérys Bayern-Kollegen Boateng. Da Holger Badstuber durch seinen Kreuzbandriss langfristig fehlt, stellt sich die Innenverteidigung mit Per Mertesacker und Mats Hummels praktisch automatisch auf.

Schweinsteiger (Adduktorenprobleme) ist ein Dauer-Absager bei Testspielen. In dieser Saison war der Münchner, wenn es nicht um Punkte ging, nie dabei. Für den somit erneut vakanten Platz neben Sami Khedira hat Löw die meisten Varianten parat. Der eigentlich offensivere Toni Kroos, Lars oder Sven Bender oder Ilkay Gündogan, der aber auch am Knöchel angeschlagen ist, sind die Alternativen. Den Ausfall von Fußballer des Jahres Reus (Adduktorenprobleme) auf links kann Löw mit einer Reaktivierung von Lukas Podolski oder einem Einsatz von André Schürrle kompensieren.

„Auf jeden Fall ist es eine wichtige Partie. Es ist das erste Spiel und das erste Zusammentreffen im neuen Jahr. Wir müssen gegen einen sehr guten Gegner wieder die richtigen Abläufe und Automatismen finden, bevor es dann in die WM-Quali geht“, gab Schürrle das Jahres-Motto perfekt wieder. „Wir sind alle motiviert genug, um zu wissen, worum es geht“, betonte der Leverkusener.

Über ein Jahrzehnt beim DFB: Die Bilder des Miro Klose

Über ein Jahrzehnt beim DFB: Die Bilder des Miro Klose

Äußerlich hat er sich kaum verändert. Auch mehr als zehn Jahre nach dem Beginn seiner DFB-Karriere im Jahr 2001 wirkt Miroslav Klose noch immer jung und frisch. In dieser Dekade wurde Klose zwei Mal WM-Dritter ein Mal Vize-Weltmeister sowie ein Mal Vize-Europameister. Sehen Sie nun eine Rückschau auf die ereignisreiche DFB-Karriere von Klose. © getty
Miroslav Klose bei seiner ersten Pressekonferenz am 26.2.2001 für den DFB. Ungefähr einen Monat später darf er dann sein erstes Pflicht-Länderspiel bestreiten. © getty
Am 24.3.2001 ist es dann soweit: Miroslav Klose wird in der 73. Minute für Oliver Neuville ins Spiel gebracht. Beim Spielstand von 1:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien feiert er sein Debüt. © getty
Exakt 15 Minuten nach seiner Einwechslung darf Klose auch schon sein erstes Tor für die Nationalmannschaft feiern. Sein 2:1 bringt den Sieg in der WM-Qualifikation und sorgt für einen sensationellen Einstand. © getty
Am 13. Februar 2002 steht Miroslav Klose gegen Israel bei einem Freundschaftsspiel zum ersten Mal in der Startelf. © getty
Es ist erst sein achtes Länderspiel: Aber schon erzielt der damalige Lauterer den ersten von insgesamt vier Dreierpacks im Dress des DFB. © getty
Der damals 23-Jährige (m.) wird von seinen Teamkollegen Mehmet Scholl (r.) und Sebastian Kehl (l.) gefeiert. © getty
Das WM-Debüt 2002 in Japan und Südkorea ist nicht minder beeindruckend. Im ersten Spiel gegen Saudi-Arabien erzielt Klose ebenfalls drei Buden. © getty
Das war der Auftakt von seinen mittlerweile insgesamt 14 WM-Toren. 2002 wurde er mit fünf Treffern Zweiter in der Torjägerliste hinter Brasiliens Ronaldo. © getty
Der berühmte Klose-Salto. Durch das erste Spiel bei der WM wird die ganze Welt auf den Torjubel des damaligen Lauterers aufmerksam. © getty
Kloses erstes Jubiläum, hier gegen Gallas (l.). Sein 50. Länderspiel am 12.11.2005 in Paris gegen Frankreich. © getty
Allerdings blieb Klose in diesem Spiel trotz kämpferischen Einsatzes torlos, hier gegen Reveillere (r.). © getty
Nach einer blamablen EM 2004, bei der Klose nur zweimal eingewechselt wurde, kommt eine überragende Heim-WM 2006. Im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica erzielt der damalige Bremer zwei Tore beim 4:2. © getty
Zu diesem Zeitpunkt weiß er nicht, dass er später in der Münchner Arena regelmäßig auf Torejagd gehen soll. © getty
Auch von zwei Gegenspielern lässt sich Klose nicht hindern, um zum 1:0 gegen Ecuador zu treffen. Hier lässt er E. Tenorio (m.) keine Chance. © getty
Beim dritten Gruppenspiel gegen Ecuador erzielt Miro zwei Treffer. Fünf Treffer reichen zum WM-Torschützenkönig. © getty
Trotz zahlreicher Bedenken von Knie-Spezialisten durfte auch der Klose-Salto bei der Heim-WM nicht fehlen. © getty
Allerdings schätzt man an Klose nicht nur seine Torgefährlichkeit. Auch seine mannschaftsdienliche Spielweise kommt bei Trainern, Mitspielern und Fans an. © getty
Ein besonders gutes Beispiel ist das WM-Achtelfinalspiel gegen Schweden, in dem er beim 2:0 zwei Mal für seinen Sturmpartner Lukas Podolski auflegt. © getty
Das letzte Tor bei der Heim-WM war zugleich das Wichtigste ... © getty
Mit seinem 1:1-Ausgleich gegen Argentinien bescherte er den Deutschen die Verlängerung und ein Elfmeterschießen, das dank Jens Lehmann gewonnen wurde. Für den Titel reichte es aber aufgrund der Halbfinalniederlage gegen Italien nicht. © getty
Das 70. Länderspiel ist auch ein ganz Besonderes. Der Stürmer führt zum ersten Mal in seiner Karriere die DFB-Elf als Kapitän aufs Feld. © getty
Beim 2:0 gegen Wales am 8. September 2007 geht er als Käpt´n voran erzielt beide Treffer und bringt die Nationalelf einen Schritt näher in Richtung EM 2008. © getty
Obwohl Miroslav Klose nicht der größte Stürmer ist, erzielt er sehr viele Tore per Kopf. Das liegt an seiner unglaublichen Sprungkraft, hier köpft er das 2:0 (Endstand 3:2) bei der EM 2008 gegen Portugal. © getty
Sein 80. Länderspiel ist das Halbfinale gegen die Türkei bei der EM 2008. Auch dort trägt er sich in die Torschützenliste ein. Bei dem kuriosen Spiel macht er das 2:1 in der 79. Minute. Die Partie endet 3:2. © getty
Das Tor zur WM 2010 in Südafrika erzielte ebenfalls der in Polen geborene Mittelstürmer. Am 10. Oktober 2009 macht der 31-Jährige das 1:0 gegen die starken Russen. © getty
Sein bisher einziger Platzverweis im Trikot des DFB: Durch zwei kleine Fouls holt sich der Stürmer im zweiten Gruppenspiel bei der WM 2010 gegen Serbien die Ampelkarte ab. © dpa
Trotz einer wechselhaften Saison beim FC Bayern rechtfertigt Klose seine Nominierung von Joachim Löw. Gegen England erzielt er sein zweites Tor bei der WM 2010 und ist dadurch nur noch drei Treffer von Rekord-WM-Torschütze Ronaldo entfernt. © getty
Gegen Argentinien bestätigt der gebürtige Pole seine Turnierform. Bei insgesamt fünf Turnieren (2x EM, 3x WM) erzielte er 16 Tore. Damit beweist Klose immer wieder, dass er sich auf den Punkt konzentrieren kann. © getty
In seinem 100. Länderspiel spielt der Stürmer eine starke Partie und erzielt zwei Tore. Damit steht er mit vier Treffern wieder im vorderen Bereich der Torjägerliste. Somit hat er bei drei WM-Turnieren konstant getroffen. © getty
Nach einem Treffer im Jubliäumsländerspiel zeigt Klose einen seiner selten gewordenen Saltos. Nur noch besonderen Toren widmet er diesen Torjubel. © dpa
Das 106. Länderspiel ist ein "unbedeutendes" Freundschaftspiel gegen Italien am 9.2.2011. Allerdings sehen es viele Fans und Spieler als "Revanche" für die Niederlage im Halbinfale 2006. © getty
Wie bei der WM spielen die Mannschaften wieder in Dortmund. Der einzige Torschütze beim 1:1 ist, natürlich, Miroslav Klose. Somit fehlen dem Mittelstürmer nur noch neun Treffer, um den Rekord vom "Bomber" Gerd Müller einzustellen. © getty
26.3.2011: Das 107. Länderspiel in der EM-Qualifikation wird eröffnet durch ein Klose-Tor. In einer starken ersten Halbzeit erzielt Klose früh die Führung und schießt kurz vor Ende der Partie seinem zweiten Treffer. © getty
Dadurch kommt Miro immer näher an Gerd Müller heran. Zu diesem Zeitpunkt sind es nur noch sieben Tore, die die beiden in der ewigen Torjägerliste trennen. © getty

Das Torwart-Thema ist nach dem verbalen Gegrummel von Manuel Neuer über sein Paris-Dasein als Einmal-Reservist von René Adler schnell wieder befriedet. Adler mimt nicht den aggressiven Herausforderer und Löw hat klar gemacht: „Wir haben die Möglichkeit, die Reihenfolge hinter Manuel Neuer offen zu lassen und die Dinge zu beobachten.“

Interessant wird sein, wie Löw auf die längere Verletzungspause von Stürmer Miroslav Klose (Außenbandriss im Knie) reagiert. In Paris kann und darf Mario Gomez erstmals nach dem EM-Aus spielen und seinen geflissentlich unterdrückten Frust als Bayern-Reservist aufarbeiten. „Ich freue mich riesig auf das Spiel“, kündigte er an.

„Er hat gut trainiert und in der Vorbereitung eine gute Basis gelegt nach seiner längeren Verletzung“, lautete Löws Vorab-Lob. Da Klose aber wohl auch in beiden Kasachstan-Spielen am 22. und 26. März fehlen wird, könnte das Stefan Kießling bislang verweigerte Comeback doch noch Realität werden. „Man muss es immer wieder neu bewerten“, hatte Löw schon vor der Klose-Blessur zu Kießlings DFB-Aussichten gesagt. Im Flieger nach Paris saß Kießling aber noch nicht.

dpa

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