"Peinlich!" Manchester in der Europa League

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Patrice Evra (l.) beim Champions-League-Spiel gegen Bayern 2010. Nun muss ManU in der Holzklasse ran

Manchester - Der Tag der Demütigung steht bevor: Manchester United und Manchester City wollten die Champions League gewinnen - jetzt müssen sie in der Europa League ran.

Der 16. Februar ist kein gutes Datum für den englischen Fußball. Es war ein 16. Februar vor zehn Jahren, als Sir Walter Winterbottom, Nationalmannschaftstrainer von 1946 bis 1962 und sowas wie der Sepp Herberger Englands, im Alter von 89 Jahren starb.

Am Donnerstag, genau eine Dekade nach jenem dunklen Tag, muss es sich auch für Sir Alex Ferguson ein bisschen anfühlen, als würde er Trauer tragen. Teammanager Ferguson muss mit Manchester United in der Europa League antreten, jenem zweitklassigen Europapokal, für den man sich im Nordwesten der Insel eigentlich zu fein ist. Dass dort auch Lokalrivale Manchester City gestrandet ist, macht die Sache kaum erträglicher. Das große United und das neureiche City in der Europa League - das ist wie ein Gourmet im Fast-Food-Tempel oder wie ein Hollywood-Star bei der Theatergruppe der Volkshochschule.

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

„Flickt ihn verdammt nochmal zusammen!“ (Ferguson zu einem Physio, nachdem er David Beckham einen Schuh an den Kopf gekickt hatte. Beckham erlitt bei der Attacke eine Platzwunde über dem Auge) © Getty
„Ich will Liverpool von ihrem verdammten Ast zu hauen.“ (Bei seinem Amtsantritt 1986 über den damaligen Rekordmeister) © Getty
„Am Ende dieses Spiels wird der Europacup nur sechs Fuß von Euch entfernt stehen - und ihr werdet ihn nicht einmal anfassen dürfen. Und viele von Euch werden nie mehr so nah rankommen. Wagt es ja nicht, hier nachher reinzukommen, ohne alles gegeben zu haben.“ (Aus Fergusons Halbzeitansprache im Endspiel der Champions League 1999 gegen Bayern München) © Getty
„Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben! Fußball, verdammte Hölle!“ (Nach dem Last-Minute-Sieg gegen die Bayern in Barcelona) © Getty
„Das hält die F***** von den Medien draußen.“ (Über das neue Trainingszentrum) © Getty
„Wenn mir ein Italiener sagt, dass das auf dem Teller Pasta ist, schaue ich unter der Soße nach, um sicher zu gehen. Die sind die Erfinder der Vernebelungstaktik.“ © Getty
„Wenn er auch nur einen Inch größer wäre, wäre er der beste Innenverteidiger Englands. Sein Vater ist 6 Fuß, 2 Inches groß - ich checke mal den Milchmann.“ (Über Gary Neville) © Getty
„Er hat mich Boss und Großer Mann genannt, als wir nach dem Hinspiel unseren Drink nahmen. Es würde aber helfen, wenn seine Huldigungen von einem guten Glas Wein begleitet werden würden. Was er mir gab, war Lack-Entferner.“ (Über Jose Mourinho) © Getty
„Manchmal hat man eben einen lauten Nachbarn. Daran kann man nichts ändern, die werden halt immer laut sein. Was willst du machen? Du kannst nur deinen Fernseher anschalten und ihn etwas lauter machen.“ (Über Manchester City) © Getty
„Pippo Inzaghi wurde im Abseits geboren.“ © Getty
„Er könnte in einem leeren Haus einen Streit anfangen.“ (Über Dennis Wise) © Getty
„Er bekommt eine Umarmung und einen Kuss von mir. Vielleicht sogar zwei.“ (Über Teammanager-Kollege Sam Allardyce) © Getty
„Sie glauben doch nicht etwa, dass wir mit dieser Bande einen Vertrag schließen? Denen würde ich nicht einmal einen Virus verkaufen.“ (Über das Interesse von Real Madrid an Cristiano Ronaldo) © Getty
„Ich habe Calderons große Aussage gelesen, wonach die Sklaverei vor vielen, vielen Jahren abgeschafft worden sei. Ob die das Franco erklärt haben? Jesus Christus! (Über Ramon Calderon, Präsident von Real Madrid, ebenfalls im Zuge des Ronaldo-Transfers) © Getty
„Die haben echt Eier, kann ich Ihnen sagen.“ (Über die Glazers, Besitzer von Manchester United) © Getty
„Ich mache sicher keinen auf Bobby Robson und bin noch mit 70 Manager. Es geht darum zu wissen, wann es gut ist.“ (Im Oktober 2008) © Getty
„Wahrscheinlich reiten wir irgendwann gemeinsam in den Sonnenuntergang.“ (Über seinen Lieblingsfeind Arsene Wenger vom FC Arsenal) © Getty
„Ich bin so ein verdammt talentierter Kerl. Vielleicht fange ich an zu malen, oder sowas.“ (Auf die Frage, was er nach seinem Abschied vom Fußball tun werde) © Getty
„Es ist völlig egal, wer geht. Der Name von Manchester United wird ewig bleiben.“ © Getty
„Es ist völlig egal, wer geht. Der Name von Manchester United wird ewig bleiben.“ © Getty
„Das geht Dich einen Scheißdreck an! Ich frag Dich ja auch nicht, ob Du immer noch in diesen Schwulenbars abhängst.“ (Zu einem Journalisten, der ihn fragte, ob er vorhabe, im Sommer 2006 zur WM nach Deutschland zu reisen) © Getty
„Sie sollten nicht versuchen, in das Gehirn eines Verrückten zu schauen.“ (Über sich selbst) © Getty
„Ja, das können Sie - indem Sie sich ins Knie ficken und sterben.“ (Zum Sportchef des Daily Mirror auf die Frage, ob dieser etwas tun könne, um das Verhältnis des Blattes zu Ferguson zu normalisieren) © Getty

„Das ist peinlich. Ich spiele für Manchester United, um in der Champions League zu spielen“, sagte Kapitän Patrice Evra im vergangenen Dezember, als der Abstieg aus der Königsklasse perfekt war. Rund zwei Monate hatten sie in Manchester Zeit, sich an die Holzklasse des europäischen Vereinsfußballs zu gewöhnen. Nicht allen ist das gut gelungen.

„Ich habe noch immer das Gefühl, dass wir ins Finale hätten kommen können“, sagte Ferguson neulich über die Champions League: „Wir sind nicht weit weg vom FC Barcelona oder Real Madrid. Und das werden wir auch bald wieder zeigen.“

Bald? Frühestens im nächsten Herbst, Mister Ferguson. Die Gegenwart heißt „2. Liga“, erstmals seit 1995/96. Ryan Giggs, der im Hinspiel der Runde der letzten 32 bei Ajax Amsterdam (19.00 Uhr/Sky) sein 900. Spiel für United bestreiten könnte, mühte sich unterdessen, dem Abstieg Positives abzugewinnen. „Wir können am Aus in der Champions League nichts mehr ändern. Also: Lasst uns einfach weitermachen und die Europa League gewinnen“, sagte er.

Auch Ferguson betonte, man müsse „nach vorne schauen. Es ist ja immer noch europäischer Fußball, guter Standard.“ Er klang, als müsste er sich ein 0:5 gegen City schönreden. Dabei bietet die Europa League auch für den Mann, der seit bald 38 Jahren Trainer ist, noch Neues. „Ich habe noch nie gegen Ajax gespielt“, sagte Ferguson, „das ist ein gutes Team. Wir freuen uns darauf.“

Sollte United den Pokal holen, würde der Klub mit Bayern München, Ajax und Juventus Turin gleichziehen, es sind die bislang einzigen Klubs, die alle drei Europapokale gewonnen haben. Ferguson könnte auf eine Stufe mit Udo Lattek und Giovanni Trapattoni steigen, den beiden einzigen Trainern mit dem Titel-Hattrick. „Ich nehme die Sache auf jeden Fall ernst“, betonte Ferguson, er wolle alle seine Stars aufbieten.

Auch sein Kollege Roberto Mancini bemüht sich vor dem Duell mit Titelverteidiger FC Porto (21.05 Uhr/Sky) um eine positive Sichtweise. „Manchester City gegen Porto, das fühlt sich wie Champions League an“, fand er. Für City könne es nur um den Cup gehen, ergänzte der Italiener, „wir wollen jeden Wettbewerb gewinnen, an dem wir teilnehmen“.

Eigentlich haben sie bei City derzeit aber andere Sorgen als die Europa League. United nervt den Tabellenführer als hartnäckiger Verfolger, und dann ist da ja noch der Fall Carlos Tevez. Der bei Mancini in Ungnade gefallene Star war am Dienstag mit einem Knall aus Argentinien zurückgekehrt. Mancini habe ihn „wie einen Hund“ behandelt, schimpfte er. Zuvor hatte der Teammanager dem Angreifer noch eine Rückkehr ins Team in Aussicht gestellt. Ob es jetzt tatsächlich dazu kommt, ob sich Tevez für sein jüngstes und all die Vergehen zuvor wie vom Klub gefordert entschuldigen wird - all das ist offen.

Dass die Europa League die Klubhistorie auch bereichern kann, dieses Wissen hat City dem Lokalrivalen indes voraus. In der vergangenen Saison trafen die Himmelblauen dort auf Lech Posen. City verlor in Polen 1:3, doch für die Fans war es ein gelungener Ausflug. Sie nahmen den „Poznan“ mit nach Hause, einen Tanz, bei dem die Zuschauer, den Rücken zum Spielfeld, Arm in Arm auf und ab hüpfen. „Do the Poznan!“, die Aufforderung fehlt seither in keinem City-Spiel.

sid

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