Riesen-Zoff zwischen Mancini und Ferguson

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Roberto Mancini wird wohl kein Ferguson-Freund mehr.

Manchester - Manchester City steht nach dem 1:0-Sieg im Derby gegen ManUnited kurz vor dem ersten Titelgewinn in der englischen Premier League seit 1968. Zwischen den Trainern flogen die Fetzen.

Nach der bitteren Niederlage im bedeutendsten Derby seiner Amtszeit musste sich Sir Alex Ferguson zu allem Überfluss auch noch Spott gefallen lassen. Der Auslöser war ein verbales und vielbeachtetes Scharmützel zwischen dem Trainer-Urgestein von Manchester United und dessen Pendant Roberto Mancini von Manchester City, das so endete wie die Mutter aller Derbys: Mit einem 1:0-Sieg der gastgebenden Citizens, die Titelverteidiger ManU am drittletzten Spieltag die Tabellenführung abluchsten und damit vor der ersten Meisterschaft seit 1968 stehen.

Fergusons ohnehin immer puterrotes Gesicht hatte nach der zweiten Premier-League-Pleite in dieser Saison gegen das nun punktgleiche ManCity eine noch bedrohlichere Farbe angenommen. Was nicht zuletzt an der Aufarbeitung des Wortgefechts mit Mancini in der 77. Minute lag. Zu diesem Zeitpunkt führte ManCity nach einem Kopfballtreffer des frühere Hamburger Bundesligaprofis Vincent Kompany (45.+1) verdient mit 1:0.

Nach einem Foul von Nigel De Jong an ManU-Profi Danny Welbeck platzte Ferguson in der 77. Minute der Kragen. Und der „unerbittliche Krieg der Worte“ (The Mirror) begann. Ferguson bestürmte den Vierten Offiziellen - und beschwerte sich über Mancini: „Er versucht ständig auf den Schiedsrichter Einfluss zu nehmen und hetzt“, lamenierte der Schotte. Der Beschuldigte eilte hinzu und zeigte in Richtung Ferguson mit der Hand die „Bla-bla“-Geste. Betreuer beider Teams mussten die Streithähne schließlich trennen. Hoch droben im VIP-Bereich fühlte sich Altmeister Diego Maradona, der Schwiegersohn und City-Profi Sergio Agüero mit Argusaugen beobachtete, anscheinend bestens unterhalten von dem etwas anderen Zusammentreffen der beiden Coaches.

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

Sir Alex Ferguson: Seine besten Sprüche

„Flickt ihn verdammt nochmal zusammen!“ (Ferguson zu einem Physio, nachdem er David Beckham einen Schuh an den Kopf gekickt hatte. Beckham erlitt bei der Attacke eine Platzwunde über dem Auge) © Getty
„Ich will Liverpool von ihrem verdammten Ast zu hauen.“ (Bei seinem Amtsantritt 1986 über den damaligen Rekordmeister) © Getty
„Am Ende dieses Spiels wird der Europacup nur sechs Fuß von Euch entfernt stehen - und ihr werdet ihn nicht einmal anfassen dürfen. Und viele von Euch werden nie mehr so nah rankommen. Wagt es ja nicht, hier nachher reinzukommen, ohne alles gegeben zu haben.“ (Aus Fergusons Halbzeitansprache im Endspiel der Champions League 1999 gegen Bayern München) © Getty
„Ich kann es nicht glauben, ich kann es nicht glauben! Fußball, verdammte Hölle!“ (Nach dem Last-Minute-Sieg gegen die Bayern in Barcelona) © Getty
„Das hält die F***** von den Medien draußen.“ (Über das neue Trainingszentrum) © Getty
„Wenn mir ein Italiener sagt, dass das auf dem Teller Pasta ist, schaue ich unter der Soße nach, um sicher zu gehen. Die sind die Erfinder der Vernebelungstaktik.“ © Getty
„Wenn er auch nur einen Inch größer wäre, wäre er der beste Innenverteidiger Englands. Sein Vater ist 6 Fuß, 2 Inches groß - ich checke mal den Milchmann.“ (Über Gary Neville) © Getty
„Er hat mich Boss und Großer Mann genannt, als wir nach dem Hinspiel unseren Drink nahmen. Es würde aber helfen, wenn seine Huldigungen von einem guten Glas Wein begleitet werden würden. Was er mir gab, war Lack-Entferner.“ (Über Jose Mourinho) © Getty
„Manchmal hat man eben einen lauten Nachbarn. Daran kann man nichts ändern, die werden halt immer laut sein. Was willst du machen? Du kannst nur deinen Fernseher anschalten und ihn etwas lauter machen.“ (Über Manchester City) © Getty
„Pippo Inzaghi wurde im Abseits geboren.“ © Getty
„Er könnte in einem leeren Haus einen Streit anfangen.“ (Über Dennis Wise) © Getty
„Er bekommt eine Umarmung und einen Kuss von mir. Vielleicht sogar zwei.“ (Über Teammanager-Kollege Sam Allardyce) © Getty
„Sie glauben doch nicht etwa, dass wir mit dieser Bande einen Vertrag schließen? Denen würde ich nicht einmal einen Virus verkaufen.“ (Über das Interesse von Real Madrid an Cristiano Ronaldo) © Getty
„Ich habe Calderons große Aussage gelesen, wonach die Sklaverei vor vielen, vielen Jahren abgeschafft worden sei. Ob die das Franco erklärt haben? Jesus Christus! (Über Ramon Calderon, Präsident von Real Madrid, ebenfalls im Zuge des Ronaldo-Transfers) © Getty
„Die haben echt Eier, kann ich Ihnen sagen.“ (Über die Glazers, Besitzer von Manchester United) © Getty
„Ich mache sicher keinen auf Bobby Robson und bin noch mit 70 Manager. Es geht darum zu wissen, wann es gut ist.“ (Im Oktober 2008) © Getty
„Wahrscheinlich reiten wir irgendwann gemeinsam in den Sonnenuntergang.“ (Über seinen Lieblingsfeind Arsene Wenger vom FC Arsenal) © Getty
„Ich bin so ein verdammt talentierter Kerl. Vielleicht fange ich an zu malen, oder sowas.“ (Auf die Frage, was er nach seinem Abschied vom Fußball tun werde) © Getty
„Es ist völlig egal, wer geht. Der Name von Manchester United wird ewig bleiben.“ © Getty
„Es ist völlig egal, wer geht. Der Name von Manchester United wird ewig bleiben.“ © Getty
„Das geht Dich einen Scheißdreck an! Ich frag Dich ja auch nicht, ob Du immer noch in diesen Schwulenbars abhängst.“ (Zu einem Journalisten, der ihn fragte, ob er vorhabe, im Sommer 2006 zur WM nach Deutschland zu reisen) © Getty
„Sie sollten nicht versuchen, in das Gehirn eines Verrückten zu schauen.“ (Über sich selbst) © Getty
„Ja, das können Sie - indem Sie sich ins Knie ficken und sterben.“ (Zum Sportchef des Daily Mirror auf die Frage, ob dieser etwas tun könne, um das Verhältnis des Blattes zu Ferguson zu normalisieren) © Getty

Nach dem prestigeträchtigen Sieg im 162. Stadtderby spottete Mancini dann über Ferguson. „Nein, er tut so etwas nicht. Er diskutiert nie mit dem Referee, um Entscheidungen zu beeinflussen. Niemals“, sagte der Italiener mit ironischem Unteron und berichtete über den verbalen Schlagabtausch: „Ferguson hat mir ein paar nette Worte gesagt.“

Fast sprachlos vor Freude war nach dem Triumph der Himmelblauen Siegtorschütze Kompany: „Wir haben auf diesen Moment gewartet. Aber wir wissen auch, dass es noch lange nicht vorbei ist“, sagte der ManCity-Kapitän, den The Sun mit der Schlagzeile „Kom on“ würdigte. Mancini bezeichnete den Coup als „absolut verdient. Wir hätten noch nachlegen können, United hatte doch gar keine Torchance.“ Für City war es der erste Treffer in einem Liga-Heimspiel gegen ManUnited seit August 2007 und in der laufenden Saison der 17. Sieg im 18. Spiel vor heimischem Publikum.

Vor drei Wochen hatte die Macini-Elf noch acht Punkte Rückstand auf den Rekordmeister - und die erste Meisterschaft seit 44 Jahren quasi abgeschrieben. Vor den abschließenden beiden Spieltagen liegt Manchester City wegen des um acht Treffer besseren Torverhältnisses jetzt vor den punktgleichen Red Devils.

„Das ist schon ein großer Vorteil. Sie haben es nun in der eigenen Hand“, sagte Ferguson resignierend, bemühte aber dennoch die üblichen Durchhalteparolen: „So lange noch Partien ausstehen, ist es nicht zuende.“ Die Citizens müssen noch in Newcastle antreten und empfangen am letzten Spieltag die Queens Park Rangers. ManU trifft in Old Trafford auf Swansea City und spielt zum Abschluss in Sunderland.

Neben Maradona bejubelte auf der Tribüne Edel-Fan Liam Gallagher den City-Sieg - in einem himmelblauen Trikot mit der Nummer elf. Der ehemalige Frontmann der Band Oasis meinte später, dass Maradona die Ehre hatte, die Hand Gottes zu berühren. Nach dem Abpfiff dann übernahm Gallagher bei der Pressekonferenz das Wort und rief lauthals: „Ich liebe Mancini, er ist fast so cool wie ich.“ Alex Ferguson ist da sicher anderer Meinung.

SID

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