U21-Streit: DFB -Präsident spricht Machtwort

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Im Clinch: DFB -Teammanager Oliver Bierhoff (li.) und Sportdirektor Matthias Sammer.

Tollered/Bloemfontein - Nach einem Machtwort von DFB-Chef Theo Zwanziger pro Joachim Löw hat DFB -Teammanager Oliver Bierhoff alle Beteiligten im Gerangel um die Verantwortung für die deutsche U 21-Auswahl zur Zurückhaltung aufgerufen.

“Jedes weitere Wort in der Sache wird nur interpretiert“, mahnte der Nationalmannschafts-Manager am Freitag. Bierhoff forderte nach den Berichten über Dissonanzen zwischen der Sportlichen Leitung der Fußball-Nationalmannschaft und Sportdirektor Matthias Sammer, den Erfolg der Junioren-Auswahl in Schweden nicht zu gefährden: “Die EM ist wichtig, allein das zählt. Die Mannschaft muss ruhig arbeiten können.“

Zwanziger sah sich am Vortag zum Eingreifen gezwungen. Sammers Forderung, auch die Verantwortung für die U 21 und damit den direkten Unterbau der A-Nationalelf zu erhalten, sorgte auch im DFB -Quartier in Schweden für einigen Wirbel, wie Trainer Horst Hrubesch am Freitag einräumte: “Ich wäre blauäugig zu sagen, dass die Mannschaft davon nichts mitbekommt.“ Es belaste ihn und die Spiele aber nicht, versicherte Hrubesch: “Ich bin hier, um Titel zu gewinnen. Ich gehe davon aus, dass es keine Auswirkung hat.“

Zwanziger strich unterdessen in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Freitag) heraus, dass der Bundestrainer entscheiden müsse, was er brauche, um die A-Nationalmannschaft zu entwickeln. “Der Sportdirektor hat daher auch eine dienende Funktion“, sagte der DFB - Chef deutlich an Sammers Adresse. “Mir ist es wichtig, dass der Bundestrainer, wenn er bei der U 21 eingreift, den Konsens mit dem Sportdirektor findet. Wenn er nicht gefunden wird, hat der Bundestrainer zu entscheiden. Da gibt es keine Alternative“, äußerte Zwanziger zur Richtlinienkompetenz von Löw.

In einer Telefonkonferenz mit Löw, Sammer, Bierhoff, DFB - Generalsekretär Wolfgang Niersbach und DFB -Mediendirektor Harald Stenger hatte Zwanziger die Kompetenzen geklärt. Bierhoff begrüßte das am Freitag ausdrücklich: “Ich werde zu dem Thema nichts mehr sagen. Der Präsident hat alles gesagt!“ Zwanziger hatte der per FAZ- Interview geäußerte Machtanspruch von Sammer missfallen. “Wir haben in diesem Jahr mit der U 21- EM und dem entscheidenden WM - Qualifikationsspiel in Moskau große Aufgaben vor uns. Da gibt es Wichtigeres, als Kompetenzfragen in den Raum zu stellen.“

Dass Löw sich auch für die Junioren-Auswahl verantwortlich fühlt, dokumentierte er mit der EM -Abstellung der schon im A-Team eingesetzten Akteure Manuel Neuer, Andreas Beck , Mesut Özil und Gonzalo Castro sowie dem künftig zum WM -Perspektiv-Kader gehörenden Sami Khedira. Bis auf Torhüter Neuer hatte er auf die übrigen fünf Akteure auch auf der Asienreise Ende Mai verzichtet, obwohl er bei den Länderspielen in China (1:1) und den Vereinigten Arabischen Emiraten (7:2) einen Personalnotstand beklagte.

Löw und Bierhoff reisten einen Tag nach dem 2:0-Sieg der U 21 in Halmstad gegen Finnland zurück nach Deutschland. Nach der Ankunft kam der Bundestrainer zu einer Sitzung mit Generalsekretär Niersbach zusammen, war darum nicht zu sprechen. Im U 21-Quartier “Nääs Fabriker“ in Tollered , rund 20 Kilometer außerhalb von Göteborg, hatten Löw, Bierhoff und Sammer mehrere Tage unter einem Dach verbracht. Dissonanzen drangen aus der idyllisch gelegenen Herberge nicht nach außen, man konnte das Trio auch in Gesprächen beobachten.

Reibungspunkte gibt es immer wieder, schon bei der Berufung Sammers zum Sportdirektor vor der WM 2006. Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann wollte seinerzeit zusammen mit Manager Bierhoff und Assistenztrainer Löw den damaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters für den neuen DFB -Posten verpflichten. Anfang des Jahres entzündete sich der Kompetenz-Konflikt erneut bei der Suche eines Nachfolgers für U 21-Coach Dieter Eilts. Löw setzte Rainer Adrion durch, der nach der EM Interimslösung Hrubesch nachfolgt. Sammer dagegen wollte U 19-Coach Heiko Herrlich befördern.

dpa

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