China hofiert Löw und DFB -Elf - Erster Schreck

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Lukas Podolski beim Training mit einigen chinesischen Nachwuchs-Kickern und der in China populären Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann.

Shanghai - Den ersten Schreck mussten die vom zehnstündigen Nachtflug gezeichneten Fußball-Nationalspieler gleich nach der Landung in Shanghai verdauen - sportlich aber soll es in China keine unliebsame Überraschung geben.

Im Gegenteil: "Wir freuen uns jetzt auf die zwei Spiele. Es ist nicht so, dass wir immer im Auge haben, was bei der Weltmeisterschaft 2010 passieren kann. Aber es ist auch keine Belanglos-Reise", betonte Joachim Löw und versprach den Fans in der rund 9000 Kilometer entfernten Heimat für die erste Partie des umstrittenen Fernost-Trips am Freitag (14.00 Uhr MESZ/ ARD ): "Wir wollen das Beste daraus machen."

Deswegen beorderte der Bundestrainer seinen müden 17-Mann-Mini-Kader nur sechs Stunden nach der Ankunft in der Mega-City erstmals auf den Trainingsplatz. Bei der anfangs noch lockeren Einheit im "Shanghai Stadium", die Torhüter Robert Enke mit einer Art Turban als Schutz seiner Kopfwunde komplett absolvierte, durfte auch Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann mitmachen. Als es ernster wurde, musste der Schalker Heiko Westermann das Training wegen einer Fußblessur abbrechen. Die medizinische Abteilung des DFB wollte noch keine Prognosen über seine Einsatz-Chancen geben. Für Westermann könnte der Wahl-Engländer Robert Huth, der letztmals 2006 im Nationalteam gespielt hatte, in die Startelf rücken.

Die erste Verzögerung durch eine medizinische Untersuchung aller Passagiere noch im Lufthansa -Jumbo auf dem Flughafen nahmen Löw und sein ausgedünntes Personal noch mit Humor auf. "Das sah schon sehr kurios aus", kommentierte Mario Gomez die Vorsichtsmaßnahme der chinesischen Behörden wegen der Schweinegrippe. Mediziner in weißen Schutzanzügen hatten auch bei den Profis die Körpertemperatur gemessen. "Aber es war kein Akt für uns", berichtete Gomez, der sich am Mittwoch in Shanghai erstmals nach seinem verkündeten Wechsel zum FC Bayern öffentlich präsentierte.

Er sei noch "halb im Schlaf", gestand Gomez. Doch die Kampfansagen des Neu-Bayern waren sowohl für die nächsten beiden Länderspiele als auch für die Zeit beim deutschen Rekordmeister deutlich: "Ich will in meiner Karriere wieder einen Schritt nach vorne machen und möglichst auch international etwas gewinnen." Gegen China möchte Gomez aber zunächst seine 733-minütige Ladehemmung im Nationaltrikot beheben, ausgerechnet sein nun ehemaliger VfB-Kollege Cacau könnte ihm dabei helfen. "Vom DFB wird alles dafür getan, dass ich wieder treffe", scherzte Gomez und sagte zum erwarteten DFB -Debüt des gebürtigen Brasilianers Cacau: "Er war drei Jahre der ideale Partner für mich."

Löw und seinen Spielern wurde bereits in den ersten Stunden in Shanghai die Bedeutung der China-Mission direkt vor Augen geführt. Schon auf dem Flughafen und beim Mannschafts-Hotel Four Seasons mussten sie zahlreiche Autogramm- und Fotowünsche von chinesischen Fans erfüllen. Die Pressekonferenz mit Delegationsleiter Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga, Teammanager Oliver Bierhoff und Gomez in einem Hotel an der Haupteinkaufsstraße Nanjing Xi Lu war von einem großen chinesischen Medienauflauf begleitet.

Auch beim ersten Training des DFB -Teams in der Betonschüssel des "Shanghai Stadiums" wuselte eine Hundertschaft Fotografen und Reporter umher. Ein Kooperationsvertrag dürfe eben "nicht nur in der Schublade liegen, er muss auch mit Leben ausgefüllt sein", betonte Rauball. "Die Chinesen freuen sich unheimlich auf dieses Spiel", sagte die in China populären Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann, die bei einem gemeinsamen Stadtspaziergang einigen Spielern ein erstes Bild von der fernen Lebenskultur vermittelte.

Dass die Gastgeber auch gerne einen Michael Ballack oder Miroslav Klose live gesehen hätten, könne jeder verstehen. "Aber die deutsche Mannschaft ist nicht zum Ausflug hierhergekommen, sondern um sich als Spitzenmannschaft zu präsentieren, egal in welcher Besetzung", unterstrich Rauball. Auch die Spieler versprachen nach einer langen Saison nochmals Vollgas. "Ich sehe mich nicht als Lückenbüßer. Ich werde im Training hundert Prozent geben", sagte Neuling Christian Träsch. Sein Stuttgarter Kollege Thomas Hitzlsperger stellte klar: "Rumpftruppe ist ein falscher Ausdruck. Da tut man den Spielern unrecht, die hier dabei sind."

Eine kleine Sonderaufgabe gibt es für Lukas Podolski - aber erst nach der Asien-Reise. Nachdem der in China wegen seiner Pokalfinal-Verpflichtungen für den FC Chelsea fehlende Ballack nochmals mögliche Nachwirkungen aus Podolskis Backpfeife gegen ihn aufgezeigt hatte, reagierte der Deutsche Fußball-Bund ( DFB ) überraschend mit einer weiteren Erziehungsmaßnahme gegen den Köln-Rückkehrer. Podolski muss demnächst bei der DFB -Aktion "Kinderträume 2011" präsent sein, berichtete Bierhoff. Da könne er dann zeigen, "dass sein Handeln nicht vorbildhaft war".

Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa

Die voraussichtliche Aufstellung

Enke - Hinkel, Friedrich, Huth, Lahm - Schweinsteiger, Gentner, Hitzlsperger, Trochowski - Gomez, Podolski

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