Einigkeit zwischen DFB und Profi-Clubs

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Zufrieden: Bundestrainer Jogi Löw.

München - Lehrgang, Leistungstest, Werbe-Termin - Joachim Löw kann trotz der immer wieder aufflammenden Zwistigkeiten mit der Bundesliga im WM-Jahr 2010 auf die Unterstützung der Profi-Clubs zählen.

Der Bundestrainer und Teammanager Oliver Bierhoff haben bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) erreicht, dass die Nationalspieler in der Rückrunde der kommenden Saison neben dem einzigen offiziellen Länderspiel-Termin am 3. März 2010 insgesamt weitere sieben Tage für DFB-Aktivitäten zur Verfügung stehen. Die drei Termine sind bereits fest im Rahmenkalender für die Spielzeit 2009/10 verankert worden.

“Das ist eine Absprache zwischen dem DFB und den Managern der Liga. Wir haben das frühzeitig angemeldet. Es ist wichtig, als Verband in einem Turnier-Jahr auch Freiräume zu haben“, sagte Löw. DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus sieht die Abmachung als Beleg dafür, dass das Verhältnis zwischen der Liga und der Sportlichen Leitung des DFB-Teams “professionell und gut“ ist: “Ohne Kooperation geht nichts. Wir sitzen nicht in einem Boot, aber wir rudern auf einem See. An einem guten Auftritt der Nationalmannschaft sind auch die Bundesligavereine interessiert - und umgekehrt.“

Hand in Hand auf der Suche nach einer Lösung

Vor dem Bundesliga-Rückrundenstart sind am 11./12. Januar 2010 zwei Tage für Marketing-Aktivitäten des DFB mit den Nationalspielern für die Weltmeisterschaft in Südafrika reserviert. Am 26./27. Januar schließt sich ein Leistungstest an. Und ausgerechnet im Titelendspurt ist zwischen dem 30. und 31. Spieltag ein zusätzlicher Lehrgang der DFB-Auswahl anberaumt (12. bis 14. April). “Wir haben versucht, Hand in Hand eine gute Lösung zu finden“, sagte Löw zur Übereinkunft, die eine neue Qualität im Zusammenwirken zwischen Nationalmannschaft und Liga darstellt. Eine Abstellungspflicht für die Vereine gibt es aber nicht, wie Hieronymus bestätigte: “Geht es hart auf hart, können die Clubs sagen, wir geben die Spieler nicht frei. Aber in der Praxis ist das ja nicht der Fall.“

Ausländische Clubs, wie etwa Michael Ballacks FC Chelsea, sind an die Vereinbarung allerdings nicht gebunden. Die Kooperation hat auch mit gemeinsamen Interessen und der heiklen Asienreise der DFB-Auswahl am Ende dieser Saison zu tun. Löw fehlt bei dem einwöchigen Trip mit Länderspielen am 29. Mai in Shanghai gegen China und am 2. Juni in Dubai gegen die Vereinigten Arabischen Emirate ein rundes Dutzend Akteure, angefangen bei Kapitän Ballack über die im DFB-Pokal-Finale (30. Mai) vertretenen Profis von Werder Bremen und Bayer Leverkusen bis hin zu Jung-Nationalspielern wie Marko Marin oder Andreas Beck, die für die U21- Europameisterschaft abgestellt werden.

"China ist ein großer Markt"

“Dass personelle Engpässe kommen, hatten wir vorher ins Kalkül gezogen“, bemerkte Löw. Trotzdem sei der Ausflug, den Löw als WM-Kandidaten-Sichtung betrachtet, richtig. “Für die Liga ist es wichtig, in den Fernen Osten zu gehen. Da kommen wir der Liga ein Stück entgegen. China ist ein großer Markt. Da können wir den deutschen Fußball gut vertreten“, sagte der Bundestrainer. Hieronymus betont, dass der Wunsch für eine Asienreise “nicht ausdrücklich“ von der Liga ausgegangen sei. Aber man habe ein Interesse daran, dass die Nationalmannschaft dort spielt.

“Für die Vermarktung der Bundesliga in Fernost ist das sehr wichtig. Wir gestalten die Reise inhaltlich auch gemeinsam.“ Geplant sind unter anderem gemeinsame Empfänge mit DFL-Partnern. Darum wird auch eine größere DFL-Delegation um Präsident Reinhard Rauball am 26. Mai mit nach Shanghai fliegen. Die Bundesliga will sich im bevölkerungsreichsten Land der Erde stärker positionieren. “China ist kein ganz weißer Fleck mehr, aber ein sehr großer“, sagte Hieronymus. Auch die Liga drückt Löw darum die Daumen, dass er eine halbwegs namhafte Truppe zusammenbekommt und am Ende keine Negativ-Werbung herauskommt.

“Wir wissen alle, dass der Termin problematisch ist“, bemerkte Hieronymus: “Allerdings bin ich mir sicher, dass der Asien-Trip trotzdem von allen Beteiligten ernst genommen wird.“

dpa

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