Anjas Alpento(rt)ur

428 Kilometer in 3 Tagen: Allinger Triathletin Anja Kobs bewältigte die Deutsche Alpenstraße mit dem Rad

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Anja Kobs besuchte Landrat Thomas Karmasin vor ihrer Abfahrt – der Landrat übernahm die Schirmherrschaft für die Aktion.

Alling - Es sind Zahlen, die jeden Hobbysportler schaudern lassen: Wer kann oder will schon 428 Kilometer in drei Tagen auf dem Rad bewältigen? Noch dazu, wenn dabei 5.700 Höhenmeter zu überwinden sind, wie auf der Deutschen Alpenstraße von Lindau am Bodensee nach Schönau am Königssee.

Die Allinger Triathletin Anja Kobs tat sich diese „Tortur“ in der vergangenen Woche an. Jedoch nicht mit leidender Miene, sondern mit einem Lächeln – wie es ihre Art ist. Wie sie auch Ende April bewies, als sei eine Marathonbestzeit rund um die olympische Ruderregatta-Strecke aufstellte (wir berichteten). Kobs zieht ihre Kraft wohl aus dem Antrieb, anderen Menschen helfen zu wollen. Konkret unterstützt die ehemalige Duathlon-Vizeweltmeisterin den ambulanten Hospiz- und Palliativdienst der Fürstenfeldbrucker Caritas, deren Finanzierung in Corona-Zeiten weiterhin alles andere als gesichert ist. Ihre Radtortur diente daher einem guten Zweck: Kobs rief erneut zu Spenden für die Brucker Sterbebegleiter auf – Landrat Thomas Karmasin unterstützte die Aktion und gab den Schirmherrn für Kobs Alpenfahrt. Schon die Etappe am ersten Tag hatte es in sich, mit 1300 Höhenmetern auf den ersten 60 Kilometer. 

Etliche Etappen und eine schnelle Abfahrt

Wobei die Allingerin nicht durchgängig auf den vielbefahrenen Bundesstraßen unterwegs war, die als „Deutsche Alpenstraße“ ausgewiesen sind, sondern auf kleinere lokale Straßen auswich – die teilweise noch steiler sind. Kobs passierte Scheidegg (866 Meter über dem Meeresspiegel) und Oberstaufen (791) , radelte am Großen Alpsee (724) vorbei nach Immenstadt. Auf der Südostseite des Grünten ging es auf knapp 1.100 Meter hinauf nach Wertach (915) und über Nesselwang (867) und dann runter nach Schwangau (726), mit Blick auf die Königsschlösser. Via Füssen erreichte Kobs Reutte (853), die ersten Zwischenstation. Die Mehrkämpferin wurde vom dortigen Bürgermeister Luis Oberer empfangen, selber ein leidenschaftlicher Radler. Oberer unterstützte ihr Anliegen zugunsten der Hospizdienste sogar mit einer kleinen Spende. Der Kurs führte Kobs am Planseeufer (976) über den Ammersattel (1118) nach Ettal (877). Hinter Partenkirchen radelte sie bei Krün (875) ins Tal der jungen Isar Richtung Sylvensteinstausee (750). Auf der B307 ging es über Wildbad Kreuth (830) weiter nach Rottach-Egern (748). Hier bog sie in das Rottachtal ab und querte bei der Ankerstube (1003) die Wasserscheide in die Valepp. Vom dortigen Forsthaus (878) radelte sie hoch zum Spitzingsee und Spitzingsattel (1127) – die Abfahrt runter Richtung Neuhaus (780) ist nicht nur bei Radlern, sondern auch bei Bikern sehr beliebt. „Bei 60km/h ging mal wieder die Rennsemmel mit mir durch“, berichtet Kobs mit einem Augenzwinkern. 

Herrenloses Stierkalb auf dem Weg

Doch vor ihrem Ziel im Inntal musste sie erst die elend lange und kurvige Auffahrt von Bayrisch Zell (800) über das Sudelfeld (1010) hinter sich bringen. „Dabei hat es mich ziemlich zerlegt“, erzählt Kobs. Eine Extrakohlehydratration, die sie als Gel zu sich nahm, habe sie gerettet. Nach 7,5 Stunden wurde Kobs vom Brannenburger Rathauschef Michael Jokisch freundlich begrüßt.Auf der Abschlussetappe standen 128 Kilometer und 1.700 Höhenmeter auf dem Programm. Kobs erhielt Begleitung von einem alten Freund, Udo Fesser, Inhaber des Physiovital Fitnessstudio in Fürstenfeldbruck. Fesser ist vielen Triathleten als humorvoller Streckensprecher des Karlsfelder Triathlon bestens bekannt. Kurz hinter dem Samerberg (700) lief den beiden ein herrenloses Stierkalb über den Weg. Die Tierfreundin Kobs brachte prompt den Verkehr zum Erliegen, bis ein Einheimischer anhielt, der die 43-Jährige beruhigte: „Hey Madel, koa Panik.“ Er telefonierte den Besitzer an: „Schorsch, dei Stierkoabe is ausbixt und steht auf der Stross’n und macht de Kia vom Huaba wuid.“ Der Jungstier wurde eingefangen, alle waren glücklich. 

Fazit: "Die Tour ist der Hammer!"

Über Reit im Winkl (696) querte das Duo die Chiemgauer Alpen mit ihren malerischen kleinen Seen bis hinüber nach Schneizelreuth (516) Zum Abschluss wartete der kernigen Anstieg zum Schwarzbachwachtsattel (868). In Schönau (580) wurden Kobs und Fesser dafür vom Vizebürgermeister Richard Lenz empfangen. Ebenfalls vor Ort: Monika Keck, die Leiterin des Brucker Caritas-Hospizdienst sowie Kobs‘ Eltern, die sie mit dem „Familientaxi“ nach Hause kutschierte. Das Fazit der Sportlerin lautet: „Die Tour ist ein Hammer!“ Sie empfiehlt die Strecke nicht nur ambitionierten Radfahrer, sondern auch den Genussradlern: „Die Etappenlänge kann ja wunderbar variiert werden.“ Anja Kobs hofft nun auf weitere Spenden für den Hospizdienst der Caritas Fürstenfeldbruck. 

Weitere Infos zur Tour sowie zum Spendenkonto unter www.anjakobs.eu.

Horst Kramer

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