Lea Obermair schwamm als erste weibliche Wasserratte am Samstag in der Amperoase 100m Freistil unter einer Minute

"Chlorreiche" Zeiten bei den Wasserratten 

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Lea Obermair und Carina Hengstenberger

Fürstenfeldbruck - Wenn sie durchbrochen wird, dann knallt es meist sehr laut, peitschend dröhnt Einem der Lärm in den Ohren. Fensterscheiben zittern, Menschen schauen zum Himmel und sehen meistens nichts. Es ist ein Faszinosum für fast alle Menschen, denn die Sehnsucht die Schallmauer zu durchbrechen, gehört für alle, die die Geschwindigkeit lieben dazu. 1947 wurde die Schallmauer mit einem Raketenflugzeug erstmalig durchbrochen.

Da die wenigsten Menschen Raketen fliegen oder Jet-Piloten werden, Raketen Autos steuern oder absolute Profis mit der Peitschen sind, werden andere Schwellen auch gerne als Schallmauern benannt, denn die Faszination diese Höhe, Weite oder Zeit zu bezwingen, ist ein ebenso großer Reiz für alle Sportler.

Im November 1962 schwamm die australische Schwimmlegende Dawn Fraser als erste Frau der Welt erstmalig 100m Freistil unter einer Minute. Dawn Fraser war und ist einer der Superstars der Schwimmszene, denn ihr gelang es als erste Schwimmerin aller Zeiten, bei drei aufeinanderfolgenden Olympischen Spielen eine Goldmedaille auf derselben Strecke, in ihrem Fall den 100m Freistil zu gewinnen. Bei den Spielen 1956 in Melbourne, 1960 in Rom und 1964 in Tokio schlug die beliebte Australierin aus Sydney immer als Erste an. Dieses Kunststück, drei Olympiasiege im Schwimmen in Folge gelangen nur noch dem unglaublichen Michael Phelps (100m Schmetterling UND 200m Lagen in den Jahren 2004, 2008 und 2012) sowie der phantastischen ungarischen Rückenschwimmerin Kristina Egerszegi (1988, 1992 und 1992 über 200m Rücken.

Monika Cmarits und Lea Obermair (im Hintergrund Sarah Omlor)

Die Schwimmer der Fürstenfeldbrucker Wasserratten sind meilenweit von diesen faszinierenden Leistungen dieser Schwimmer entfernt, dennoch ist der Ausritt in die Historie des Schwimmsportes in diesem Fall nicht ganz so weit hergeholt. 64 Jahre werden die Wasserratten dieses Jahr alt und jetzt ist die wohl größte Schallmauer in diesem Verein auch gefallen. War es Wolfgang Gruschwitz Ende der 70er Jahre, der als erste Wasserratte 100m Freistil unter einer Minute geschwommen ist, so heißt die aktuelle Schwimmkönigin von Fürstenfeldbruck Lea Obermair.

In den letzten Wochen hat es sich ja schon angedeutet, aber die berühmte Angst vor der eigenen Leistung, bei den Hochspringer spricht man gerne vor der Angst vor der Höhe, muss jeder Sportler erst besiegen und die Zeit, das Ziel für sich quasi verarbeiten.

Am Samstag Vormittag war es dann soweit. Im Rahmen der Kreis-Jahrgangsmeisterschaften schwamm die 14jährige aus Aufkirchen ein einsames Rennen gegen die Uhr, denn selbst im schnellsten Lauf der Kreismeisterschaften war Lea der Konkurrenz bereits auf der zweiten, der vier zu schwimmenden Bahnen enteilt. Exakt 3,5 Sekunden betrug der Vorsprung von Lea im Ziel auf die zweitschnellste Schwimmerin.

Nach 59,86 Sekunden schlug Lea an, die gesamten Wasserratten Verantwortlichen jubelten, die Halle tobte und auch viele Trainer und Schwimmer anderer Vereine gratulieren im Anschluss Lea und auch den Trainern. Damit ist Lea unter anderem auch auf Platz 14 der bundesweiten Jahrgangs-Jahres-Bestenliste geschwommen und aktuell drittbeste Schwimmerin aus Bayern.

64 Jahre nach der Gründung der Wasserratten und 54 Jahre nach Dawn Fraser ist ein Traum für Lea, aber auch für alle Trainer und Verantwortlichen der Wasserratten in Erfüllung gegangen. Vereinspräsident Stefan Sponer, seinerzeit der zweite Wasserratten-Mann, der die Minutengrenze über 100m Freistil durchbrach, kann natürlich gut nachvollziehen, was dies für Lea bedeutet. Er selbst hatte damals fast ein Jahr an dieser Minute „rumgedockert“, denn ein Jahr lang schlug er damals bei 1:00,XX an, die Schallmauer wollte einfach nicht fallen, aber nachdem ihm dies in Reichenhall damals gelungen war, schwamm er in seiner aktiven Zeit nie mehr langsamer als diese Minute.

Dies wünscht Sponer jetzt auch seiner Schwimmerin, aber vorallem auch seinen jungen Wilden wie Felix Stenglein und Felix Mende, die der Minutengrenze auch immer näher kommen.

„Für uns ist dies ein unglaublich schöner Moment. Lea hat mit den Mitteln und Möglichkeiten, die wir hier in Fürstenfeldbruck haben, Enormes geleistet. Lea schwimmt dreimal die Woche und absolviert ein Trockentraining jede Woche, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Unsere Entscheidung und auch Mut, mit Elli Mangafic einen externen Trainer zu holen, der zweimal pro Woche hier bei uns in Fürstenfeldbruck ist, der die Trainingspläne schreibt und sein Wissen einbringt, hat sich voll ausgezahlt. Wichtig ist aber auch die Kombination mit Monika Cmarits, die die Trainingsgruppe organisiert, das wichtige Training am Montag und meist das Hallentraining am Freitag leitet sowie die Ansprechpartnerin für alle LG1-Schwimmer bei den Wettkämpfen ist. Moni ist die „sichere Bank“ für die Sportler, weil sie einfach immer für alle Schwimmer dann da ist, wenn es notwendig ist. Ich selbst bin der „Mahner“ im Hintergrund oder auch mal sehr direkt vor Ort, der sich darum kümmert, dass die Spur gehalten wird und alle voll mitziehen. Schwimmen ist eine Einzelsportart, aber die Trainingsgruppe ist wahnsinnig wichtig, denn Trainingseinheiten können lange und anstrengend sein, aber in einer tollen Trainingsgruppe, bei der alle mitziehen, geht dann vieles leichter. Somit ist dieser Erfolg, die Zeit von Lea, der Erfolg einer großen Anzahl von Leuten, von dem gesamten Trainerteam, vom Vorstand und von allen Trainingskameraden. So sehen wir das und auch deshalb ist es ein so gigantischer Augenblick!“

Die Zukunft bei den Wasserratten auf „chlorreiche“ Zeiten scheint gesichert, denn auch bei den jüngsten Schwimmern tut sich richtig viel, seit dem man zum Jahreswechsel auch eine neue Nachwuchskoordinatorin ins Team geholt hat, die mit viel Zeitaufwand und mehr Mitteln, als jemals zuvor, ausgestattet, den Nachwuchs auf die richtigen Bahn lotsten und führen will. Denn jetzt haben alle im Verein gesehen, welch schöne Erfolge auch in Fürstenfeldbruck bei den Wasserratten möglich sind.

Stefan Sponer

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