DFB-Stiftung Egidius Braun bewilligt 500 Euro für Integrationsarbeit des TSV West

1:0 für ein Willkommen

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Spielleiter Bernd Reiser (li.) freute sich mit dem TSV West, als er West-Präsident Günter Eichinger den Scheck des DFB überreichte. In der Mitte der Senegalese Sainey Camara, stellvertretend für die 14 beim TSV West eine sportliche Heimat gefundenen Flüchtlinge.

Fürstenfeldbruck – Im Mai 2012 erhielt der TSV West bei der alljährlichen Sportlerehrung den erstmals von der Stadt vergebenen Sport-Integrationpreis. „Gelebte Integration praktiziert der TSV West seit vielen Jahren“, begründete der damalige Oberbürgermeister Sepp Kellerer die Auszeichnung an den Fußballverein im Brucker Westen. Insbesondere im Jugendbereich habe der Verein im Vergleich zu anderen einen weit über den Durchschnitt liegenden Migrationsanteil. Tummelten sich vor drei Jahren noch knapp 130 Kinder aus 25 verschiedenen Nationen im Verein, so ist die Zahl durch die aktuelle Flüchtlingswelle weiter in die Höhe geklettert und inzwischen auf 30 Nationen angestiegen.

Unlängst erhielt der seit Jahren im Landkreis aus diesem Grunde auch als der „Multi-Kulti-Club“ bekannte Fußballverein am Rande einer Kreisklassenbegegnung eine weitere Auszeichnung für sein vorbildliches Engagement. Spielleiter Bernd Reiser (Mammendorf) überreichte im Namen der DFB-Flüchtlingsinitiative „1:0 für ein Willkommen“, einer im Rahmen der DFB-Stiftung Egidius Braun gemeinsamen Aktion des DFB, der Nationalmannschaft und der Bundesregierung, dem Präsidenten des TSV West, Günter Eichinger, für die beispiellose Integrationsarbeit mit Flüchtlingen beim TSV West einen Scheck in Höhe von 500 Euro. Reiser überreichte dem TSV zusätzlich noch einen Fußball.

Eichinger, der seit einigen Monaten nebenbei jeden Mittwochvormittag mit Flüchtlingen aus der Kreisstadt im Brucker Sportzentrum trainiert, hat 14 Flüchtlinge, darunter zehn Erwachsene und vier unbegleitete minderjährige Jugendliche, kostenlos im Verein aufgenommen. Sie haben inzwischen auch einen Spielerpass und dürfen ganz regulär eingesetzt werden. Über den Bayerischen Fußballverband hatte Eichinger bei der Stiftung des DFB einen kurzen Antrag eingereicht. Den Tipp, dass die Integration von Flüchtlingen vom DFB unterstützt wird, hatte Eichinger von einer Sozialpädagogin, die die unbegleiteten Minderjährigen betreut, erhalten. Das Geld kommt selbstverständlich den Flüchtlingen zugute, teilte Eichinger mit. Die Verwendung der Spende hat der Verein bis Ende des Jahres dem Verband nachweisen.

Wie sehr sich die Flüchtlinge beim TSV West wohlfühlen, schilderte Eichinger am Fall des Senegalesen Sainey Camara. Nach einer über zweieinhalb Jahre andauernden Flucht aus dem Senegal war der Senegalese in der Erstaufnahmeeinrichtung im Fliegerhorst untergekommen. Vor einigen Wochen wurde der junge Mann jedoch nach Rohrdorf bei Rosenheim in eine Asylunterkunft verlegt. „Seitdem kommt er jeden Sonntag zum Fußball spielen nach Bruck“, erzählte Eichinger. „Da fährt er erst mit dem Radl acht Kilometer zum Rosenheimer Bahnhof und dann mit dem Zug. Wir holen ihn dann vom Bahnhof in Bruck ab.“ Eichinger wollte den jungen Spieler an einen dortigen Verein vermitteln, wie er bereits einem anderen Flüchtling an den FC Bosnien-Herzegowina Rosenheim vermittelt hat. „Das war ein guter Fußballer, den hätte ich selbst gern behalten.“ Doch Sainey Camara hängt am TSV West. „Lieber nimmt er die lange Bahnfahrt auf sich und kommt zu uns“, sagte Eichinger, den er fast als Vaterersatz betrachtet, wie aus dem regelmäßigen SMS-Kontakt unschwer herauszulesen ist. Als Eichinger dem jungen Senegalesen unlängst zum 21. Geburtstag alles Gute wünschte, simste er zurück: „Danke, Günter, hoffentlich habe ich auch ein langes Leben.“ Das Asylantenleben sei sehr hart in der Gemeinschaftsunterkunft und er würde gern arbeiten. Sein größter Wunsch wäre im Augenblick aber, wieder nach Bruck zurückzukommen.

Mit seiner Initiative „1:0 für ein Willkommen“ will der DFB neben der Spende die Amateurvereine vor allem unterstützen, Flüchtlinge schnell und unkompliziert Fußball spielen zu lassen, auch mit Hinweisen, wie etwa Spielgenehmigungs- oder Versicherungsfragen unbürokratisch zu klären sind. 

Dieter Metzler

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