Der amtierende Jugendleiter Jakob Ettner wurde zum neuen Präsidenten des SC Fürstenfeldbruck gewählt - Traditionsclub in finanzieller Schieflage 

Neustart des SCF nach schwerer Finanz- und Führungskrise

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Jakob Ettner, der neue Präsident des SC Fürstenfeldbruck, tritt ein schweres Erbe an.

Fürstenfeldbruck – Der seit Monaten in einer schweren Finanz- und Führungskrise steckende SC Fürstenfeldbruck wählte am 12. Mai ein neues Präsidium. Den 97 anwesenden Mitgliedern blieben keine anderen Alternativen, als den amtierenden Jugendleiter Jakob Ettner zu ihrem neuen Präsidenten zu wählen, nachdem im Vorfeld bereits einige potentielle Kandidaten wieder abgesprungen waren und sich am Versammlungsabend kein weiterer Kandidat zur Verfügung stellte. Der im Landkreis Dachau wohnende Ettner und seine neuen Präsidiumsmitglieder treten ein schweres Erbe an: Die Verbindlichkeiten des Traditionsclubs aus der Kreisstadt sollen rund 90.000 Euro betragen.

Nachdem Präsident Eckhart Lutzeier, gesundheitlich schwer angeschlagen, im Februar zurückgetreten war, hatte sich im April auch „Vize“ Antonio DiGorga zurückgezogen. Davor war schon „Vize“ Alfred Kirr ausgeschieden, der kurzzeitig auch als Schatzmeister fungierte. Geschäftsführer Gerhard Knöchel erklärte zwar nicht vorzeitig seinen Rücktritt, stellte sich aber bei den Wahlen nicht mehr zur Verfügung. So blieb zuletzt nur noch „Vize“ Johannes Mühlberger als einziger offizieller Vertreter des SCF-Präsidiums übrig, der sich für die Belange des Vereins bis zu den Wahlen zuständig erklärte. 

Keine Überraschung stellte die „Nicht-Entlastung“ des ausgeschiedenen Präsidiums durch die Mitglieder dar. Als der Kassenrevisor, Brucks FW-Stadtrat Georg Stockinger, den Mitgliedern berichtete, er habe keinen kompletten Einblick in die Kassenvorgänge erhalten, verweigerten die Mitglieder auch wegen des hohen Schuldenberges dem scheidenden Präsidium die Entlastung. Mit einjähriger Verspätung wurde hingegen Lutzeiers Vorgänger, Siegfried Müller, für das Jahr 2012 entlastet, nachdem Ehrenpräsident Hans Hahn dafür plädierte. Nach eingehender Prüfung bescheinigte man Müller nun nachträglich eine ordentliche Vereinsführung für 2012. Im Übrigen habe Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Techno-Märkte Expert, viel Geld in den Verein gesteckt. Der SCF möchte Müller deshalb als Sponsor nicht verlieren. 

So wie man auf der Homepage des Vereins einen Schatzmeister vergeblich sucht (abgesehen davon, dass noch alle längst zurückgetretenen Präsidiumsmitglieder als aktuelle Ansprechpartner vorhanden sind), so trug nicht, wie allgemein üblich, ein für die Kassengeschäfte zuständiger Vereinsfunktionär den Kassenbericht vor, sondern eine externe Steuerberaterin. In dem für die Mitglieder eher verwirrend vorgetragenen finanziellen Rechenschaftsbericht war auf einmal gar von Überschüssen die Rede, so dass sich die Mitglieder fragten: „Woher kommen denn die hohen Schulden?“ Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung enthalte nur die Beträge, die sich steuerlich auswirkten, erklärte die Steuerberaterin dazu. Nicht bezahlte Rechnungen tauchen dabei nicht auf. Der neue Vereinschef Ettner, der sein Amt als Jugendleiter daneben weiterhin ausüben wird, will die Finanzmisere des Vereins gemeinsam mit der neuen Führungsriege, dem Vizepräsidenten Andreas Conrad, Geschäftsführer Thomas Skobowsky sowie Schatzmeisterin Monika Brand, Abteilungsleiter Alfred Thurner und den beiden Beisitzern Manuela Thurner sowie Tobias Masuch, mit Hilfe eines strikten Sparkurses wieder in den Griff kriegen. Neben einer Beitragserhöhung von acht auf zehn Euro im Monat beschloss die Versammlung eine Satzungsänderung, die die Machtbefugnisse des Präsidenten einschränkt. Zukünftig kann der Vereinschef keine Entscheidungen mehr im Alleingang treffen. Ferner soll, sobald der Verein wieder im Plus ist, in der Satzung verankert werden, dass die Vereinskonten nicht mehr überzogen werden dürfen. Nachdem sich die Stockschützen-Abteilung bereits vor einigen Jahren von SCF gelöst und einen eigenen Verein gegründet hatte, forderte Tischtennis-Abteilungsleiter Rudi Lutzenberger das neue Präsidium auf, den bereits seit einigen Wochen vorliegenden Antrag zu bearbeiten. Auch die Abteilung möchte sich vom SCF lossagen, vor allem aus Sorge, dass das Vermögen der in der 2. Bundesliga spielenden Tischtennis-Abteilung ggf. in die Konkursmasse falle, falls der SCF insolvent gehen sollte. Groß war auch das Interesse der Brucker Kommunalpolitiker an der Hauptversammlung. Neben Alt-OB Sepp Kellerer verfolgten der zweite Bürgermeister Erich Raff sowie die Stadträte Beate Hollenbach, Karl Danke, Jan Halbauer, Andreas Ströhle und Florian Weber die Veranstaltung. Kreisrat Michael Leonbacher aus Gröbenzell fungierte als Wahlleiter. Raff sicherte dem Verein zwar weiterhin die Unterstützung der Stadt zu, allerdings werde das Rathaus das Vereinsgeschehen sehr kritisch verfolgen. 

Dieter Metzler

 

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