Schwere Turbulenzen beim SCF - Jahreshauptversammlung des Brucker Sportclubs – 50 000 Euro Steuernachzahlung drohen

SCF kämpft ums Überleben

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Das Freundschaftsspiel des FC Bayern München im Jahre 2012 könnte nachträglich dem SC Fürstenfeldbruck zum Verhängnis werden.  

Fürstenfeldbruck – Wie geht es mit dem von schweren Finanzsorgen geplagten SC Fürstenfeldbruck weiter? Darüber gab auch die Jahreshauptversammlung des Brucker Sportclubs am 21. Mai keinen Aufschluss. Eine Antwort auf die für die weitere Existenz des Vereins wohl entscheidende Frage, wo die Einnahmen aus dem Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München im Jahre 2012 geblieben sind, blieben die Funktionäre den knapp 60 erschienenen Mitgliedern schuldig. Das aber genau verlangt das Finanzamt. Ist der SCF nicht in der Lage den Nachweis zu erbringen, werden 50.000 Euro Steuernachzahlung fällig.

  Diese entstanden durch die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für 2012. Dem weiterhin hochverschuldeten Fußballverein in der Kreisstadt droht eine endgültige Zahlungsunfähigkeit. In einer turbulenten Versammlung lieferten sich das amtierende Präsidium und die ehemaligen Vorstandsmitglieder einen verbalen Schlagabtausch, der letztlich ohne Ergebnis endete. Der Verein werde nur überleben, „wenn wir die Egoismen beiseiteschieben und im Sinne des Vereins zusammenarbeiten“, sagte SCF-Präsident Jakob Ettner. Und SCF-Vize Andreas Conrad ergänzte, ihm sei es nicht gelungen, eine Zusammenarbeit mit den ehemaligen Präsidiumsmitgliedern zur Aufklärung der Angelegenheit auf den Weg zu bringen. „Da bin ich an meine Grenzen gestoßen“, gestand Conrad ein. 

Wie sich die Lage des Vereins darstellt, erläuterte die Steuerberaterin des Vereins, Ursula Valier, den Mitgliedern. Nachdem bei einer Steuerprüfung dem Finanzamt die Verwendung der Einnahmen aus dem Bayern-Spiel wegen fehlender Belege nicht nachgewiesen werden konnte, erkannte das Finanzamt dem SCF die Gemeinnützigkeit ab. Das hatte zur Folge, dass die ansonsten steuerfreien Mitgliedsbeiträge des Vereins in Höhe von 120.000 Euro für das Jahr 2012, versteuert werden mussten. Die Steuer-Nachforderung beträgt 50.000 Euro. Wenn der Verein nicht bis spätestens Ende Juli die Nachweise erbringen kann, werde der vom SCF eingelegte Einspruch gegen die Nachforderung als unbegründet zurückgewiesen und die Zahlung der Steuerschuld würde fällig. Einer Klage vor dem Finanzgericht räumte Valier ohne fehlende Belege ebenfalls keine Chance auf einen Erfolg ein. Ex-Vizepräsident Hannes Mühlberger stellte bei der Diskussion die in den Medien genannte Zuschauerzahl von 4.000 infrage. „Das waren höchstens 2.300“, so Mühlberger. Einen Nachweis, wie viele Eintrittskarten der SCF tatsächlich verkauft hat, konnte der Verein aber bis heute nicht beibringen. Auch habe er, so Mühlberger, die Belege über die Verwendung der Einnahmen beim damaligen Schatzmeister des Verein, dem inzwischen in Landshut lebenden Gerhard Fischer, geholt. „Die müssen da sein.“ Auch Ehrenpräsident Hans Hahn, der sich in die Debatte einschaltete, erinnerte sich, entsprechende Unterlagen gesehen zu haben. Dazu klärte Valier auf, dass es sich um Belege handelte, die bereits als Bankbuchung vorlagen. 

Im vergangenen Jahren übernahmen sie noch voller Zuversicht ihre Ämter beim SCF und ahnten nicht welche Probleme auf sie zukommen sollten (v. li.) Andreas Conrad (VizePr), Karsten Lauer (AbtlgL Frauen – bereits ausgeschieden), Alfred Thurner (AbtlgL Fußball), Monika Brand (Schatzmeisterin), Thomas Skobowsky (Geschäftsführer) und Jakob Ettner (Präsident)

Nachweise über die Verwendung des Bargeldes seien jedoch nicht vorhanden. Dann müsse sich Fischer bereichert haben, unterstellte Hahn dem ehemaligen Kassenwart eine strafrechtliche Handlung, die sich letztlich wohl nur durch eine Strafanzeige aufklären lassen würde. Auch um das 70.000 Euro hohe Darlehen, mit dem Hahn vor einiger Zeit dem SCF aus finanziellen Nöten half, entwickelte sich eine heftige Debatte. Präsident Ettner hatte im Dezember des vergangenen Jahres das Darlehen gekündigt und die Ratenzahlung eingestellt, um den „Verein zu retten“ wie er begründete. 45.000 Euro sind noch offen. Für diese Summe müssen nun die sieben Bürgen, überwiegend Mitglieder der ehemaligen Vereinsführung, aufkommen. „Ich will den SCF nicht in die Insolvenz treiben“, appellierte Hahn an das „SCF-Herz“ der Bürgen. Er wäre mit einer Ratenzahlung in Höhe von 150 Euro einverstanden, aber nur, wenn die Bürgen auf eine Rückforderung des Geldes beim SCF verzichten. Mühlberger zeigte sich erbost darüber, dass Ettner das Darlehen gekündigt habe, obwohl ein Beschluss des Präsidiums vorliegt, dass vorrangig vor allen anderen Verpflichtungen das Darlehen zu tilgen ist. „Wir haben im Sinne des Vereins gehandelt“, erwiderte Ettner, „die Bürgen haben mich nicht zu interessieren.“ Hahn leistete dem SCF-Präsidenten Beihilfe. „Ich unterstütze die Entscheidung Ettners.“ Zum aktuellen Schuldenstand des Vereins nannte die Steuerberaterin nachfolgende Summen. Von den 47.000 Euro Schulden kann der SCF langfristig 33.000 Euro mit Ratenzahlung abstottern. Weitere Schulden, für die der Verein keine Ratenzahlung hat, konnten von 33.000 Euro auf rund 13.000 Euro abgebaut werden. „Da sehe ich also Licht am Ende des Tunnels“, machte Valier den Mitgliedern Mut. Wenn da nicht die drohende Forderung des Finanzamtes im Raum stehen würde. Und das restliche Darlehen von Ehrenpräsident Hahn sei natürlich in diesen Zahlen auch nicht enthalten. 

Dieter Metzler

 

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