Gewalt gegen Schiedsrichter - Umfrage des Bayerischen Fußballverbandes

Umfrage: 90 Prozent der Schiedsrichter  fühlen sich auf dem Platz sicher 

+
Der Hinweis „Gemeinsam & fair“, den die Schiedsrichter am Oberarm ihres Schiedsrichter-Trikots tragen, soll an einen respektvollen Umgang erinnern.

Fürstenfeldbruck –  Als Schiedsrichter bist  Du der ärmste Mann auf dem Platz. Alle wissen es besser, alle können es besser. Ein falscher Pfiff,  und Du hast alle gegen Dich.  Das Ergebnis einer Umfrage des Bayerischen Fußballverbandes und des Verbands-Schiedsrichterobmanns Rudolf Stark  fiel jedoch überraschend positiv aus, obwohl  zunehmende Verbal-Attacken das größte Problem darstellen. 

 Im Zuge der schon länger anhaltenden öffentlichen Diskussion um das Thema „Gewalt gegen Schiedsrichter“ haben sich Ende des vergangenen Jahres der Präsident des Bayerischen Fußballverbandes (BFV), Dr. Rainer Koch, und Verbands-Schiedsrichterobmann Rudolf Stark an die 12.832 per Mail erreichbaren Schiedsrichter mit der Bitte gewandt, ihre Erfahrungen dem Verband mitzuteilen. 


Wo Fußball und Ehrgeiz aufeinandertreffen, schäumen nicht selten die Gemüter über. Vor allem die Unparteiischen geraten dabei immer wieder in die Schusslinie.  90 Prozent der bayerischen Schiedsrichter fühlen sich auf dem Fußballplatz sicher. 71 Prozent gaben an „ja, es macht Spaß“, 11 Prozent sagten „ja, weil es positiv für meine persönliche Entwicklung ist“ und 9 Prozent macht das „Pfeifen“ nach wie vor wegen der „tollen Kameradschaft“ Spaß. 

 Nur vier Schiedsrichter von den insgesamt 1060 Rückmeldungen (12 Prozent) gaben in ihren Antworten an, dass sie schon einmal Opfer eines tätlichen Angriffs wurden. Auch wenn die Umfrage damit aufzeige, dass Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter die absolute Ausnahme darstellen, so sei schon eine einzige Tätlichkeit gegen einen Schiedsrichter eine zu viel und dürfe nicht geduldet werden, meinte der Dr. Koch. Aber die Umfrage zeige auch, dass Tätlichkeiten und Gewalt auf den Fußballplätzen, entgegen der öffentlichen Meinung, nicht zur Tagesordnung zählen. Dennoch gestand der BFV-Präsident eine generelle Verunsicherung der Referees auf dem Platz ein. 

90 Prozent sagen laut Umfrage zwar, sie fühlen sich sicher, zugleich aber geben über 40 Prozent an, dass sie sich Sorgen machen und neun Prozent davon sogar Angst vor Angriffen haben. Seit 2011 sind die Schiedsrichterzahlen in Bayern rückläufig. 

Das größere Problem, so das Umfrageergebnis, stellen die zunehmend verbalen Attacken gegen die Schiedsrichter dar. 50 Prozent der Referees beanstanden dabei vor allem das Verhalten von Spielern, Trainern, Funktionären, Zuschauern und im Jugendbereich von den Eltern. Der Respekt, der Umgangston, das Fairplay miteinander, haben sich ganz klar zum Negativen entwickelt. 19 Prozent der eingegangenen Antworten wünschen sich zur Attraktivitätssteigerung neben einer Erhöhung der Spesen insbesondere mehr Wertschätzung.

Der Verband werde sich intensiv Gedanken machen, kündigte Schiedsrichterobmann Rudolf Stark an. Geplant sei in ganz Bayern ein „Runder Tisch“, an dem sich Schiedsrichter und Vereine austauschen sollen. Spieler, Trainer, Betreuer und Vereinsfunktionäre gehören wie auch jeder Schiedsrichter einem Fußballverein an, so Stark. Damit sitzen sie alle in einem Boot, wenn es um einen respektvollen Umgang miteinander geht. Dieses Bewusstsein müsse man stärken, meinte der oberste bayerische Schiedsrichter. Die Umfrageergebnisse fließen in die neue Arbeitsgruppe „Schiedsrichter“ ein, die im Rahmen der Kampagne „Pro Amateurfußball“ eingerichtet wurde. Die Arbeitsgruppe befasst sich intensiv mit den Themen Schiedsrichtererhalt und Schiedsrichtergewinnung. Dabei dürfe es keine Denkverbote geben, wenn man sicherstellen will, dass die Schiedsrichter ihre Pfeife nicht vorschnell wieder an den Nagel hängen, so der 70-jährige Verbandsfunktionär Rudolf Stark. 

 Dieter Metzler

 

Auch interessant

Kommentare