Füssener Athleten sind entsetzt über die Entscheidung des Sport Bundes, Curling nicht mehr zu fördern

Curler wollen "bis zum letzten Stein kämpfen"

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Im Dezember 2013 fand noch die Olympiaqualifikation der Curler mit dem deutschen Frauenteam um Andrea Schöpp (rechts) in Füssen statt. Wie die Zukunft des deutschen Curlingsports ohne Bundesförderung ausschauen wird, ist ungewiss.

Füssen – Alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Deutsche Curling Verband, dessen neue Geschäftsstelle in Füssen ist, komplett aus der Bundesförderung genommen wird.

Zwar fehlt noch der endgültige Bescheid des Bundesministeriums des Inneren (BMI), aber nach Rückmeldungen aus mehreren Quellen im Deutschen Olympischen Sport Bund (DOSB) besteht kaum noch Zweifel daran, dass tatsächlich beabsichtigt wird, Curling wegen der Finanzierungslücke von 350.000 Euro im gesamten Wintersportbereich als erste olympische Disziplin nicht mehr zu fördern. Dem Sportdirektor des Verbands mit Büro in Füssen, Rainer Nittel, wurde bereits gekündigt. 

Trotz der akuten Gefährdung des Spitzensports nimmt jetzt das Team von Skip Daniela Driendl vom Füssener Curling Club (CC) als deutsche Nationalmannschaft an der Europameisterschaft in der Schweiz teil. Das Turnier beginnt am 22. November. Wie das Trainerteam des CC Füssen mitteilt, werden hier aber weiterhin Talente gefördert. Ins Bundesleistungszentrum werden Mädchen und Buben am Donnerstag, 13. November um 16.30 Uhr zum Schnuppern eingeladen, so Gesa Angrick vom örtlichen Club. „Unsere Nachwuchsausbildung der Curling-Talente geht unverdrossen weiter“, so Roland Jentsch, Vorsitzender des CC Füssen. 

Entscheidung ist nicht nachvollziehbar 

Zum Kreis der Nachwuchs-Curlerinnen des Füssener Clubs gehört Mia Höhne. Ihr Vater ist Ex-Nationalspieler Holger Höhne aus dem legendären Team Kapp. Auf Anfrage des Kreisboten erklärt sie: „Ich bin richtig traurig. Es hört sich voll schlimm an was DIE mit dem Curling-Sport machen wollen. Letzte Woche hatten wir noch den ersten Sichtungslehrgang für die Youth Olympics. Und jetzt weiß man nicht, wie es weitergeht. Aber ich trainiere weiter, denn ich hoffe, dass die Politiker und Sportchefs für uns eine Lösung finden werden.“ 

Marika Trettin aus dem Team des Curling Clubs Füssen, das Deutschland bei der Europameisterschaft in der Schweiz vertreten wird, fühlt sich derzeit wie auf der Achterbahn. „Wir freuen uns alle mit Skip Daniela Driendl auf die EM-Teilnahme und haben gleichzeitig den Eindruck, dass man Curling jetzt über die Klinge springen lässt“, sagt die Spitzensportlerin, die schon seit zehn Jahren im Füssener Club aktiv ist. Trettin hat einen Stammplatz in der Damenmannschaft auf der Position als Lead. „Wir sind mitten in der Saison. Was auf der sportpolitischen Ebene passiert, müssen wir einfach ausblenden. Wir müssen uns darauf konzentrieren, was vor uns liegt.“ 

Möglichst gut bei der EM abschneiden, sei das Nahziel der Mannschaft. „Was danach noch auf uns zukommt, kann heute wirklich keiner sagen“, so die Füssenerin. Derzeit profitiert Daniela Driendl mit ihrem Team von den – wie gewohnt – guten Bedingungen auf den Curlingbahnen daheim im Bundes-leistungszentrum (BLZ), um sich auf das europäische Turnier vorzubereiten. Für den BLZ-Leiter Helmar Erlewein ist wie für den Sportbeauftragten der Stadt Füssen, Markus Gmeiner, „nicht nachvollziehbar“, warum dem Curlingsport gerade jetzt der Boden unter den Füßen weggezogen werden soll. „Wenn das passieren sollte, sind unsere Athletinnen und Athleten die Leidtragenden“, sagt Gmeiner. „Wir haben hoffnungsvolle junge Talente, die von erfahrenen Trainern gefördert werden.“ 

Der Curling-Nachwuchs könne sich hier schon länger „auf höchstem Niveau“ zu Spitzensportlern entwickeln. Wie Erlewein ergänzt, wurden in Füssen für den erwünschten Curling-Aufschwung die Voraussetzungen geschaffen. „Jetzt kriegen wir plötzlich was auf die Nase. Vorher hatte das offiziell noch ganz anders geklungen.“ Es könne doch nicht die politische Konsequenz sein, dass die „Nicht-Finanzierbarkeit der gewünschten Mittelerhöhung für gemeinsame Ziele im Leistungssport künftig zur Streichung aller Fördermittel führt. Eine solche Folge wäre katastrophal“, sagt Erlewein. 

Nachricht schockt Curler in Füssen 

Roland Jentsch, Vorsitzender des Curling Clubs Füssen, sagte auf Nachfrage des Kreisboten: „Unsere Mitglieder sind mit dieser Nachricht geschockt worden. Seit 40 Jahren wird der Curlingsport in Füssen betrieben. Großveranstaltungen wie im Dezember 2013 die Qualifikation zu den Olympischen Spielen, die in Japan und China Millionen Zuschauer vor dem TV-Gerät hatten, waren positive Werbung für unseren Sport und unsere Stadt.“ Jentsch meint leicht sarkastisch: „Mit er politischen Entscheidung des Deutschen Olympischen Sport Bundes und dem Bundesinnenministerium werden Herr Hörmann & Co sicherlich nicht den Deutschen Bundeshaushalt entlasten. Sie belasten jedoch den Bundesstützpunkt Füssen sowie Füssen als künftigen Veranstaltungsort.“ 

Die Curling-Gemeinschaft sei in Füssen „und auch national“ bereit „bis zum letzten Stein“ zu kämpfen. Der Deutsche Curling-Verband sieht sich seit 1998 – seit Curling olympisch ist - als festen Bestandteil der Olympiamannschaft. An den Spielen einmal teilnehmen zu dürfen, war für die erfolgreichen Füssener Juniorinnen bisher ein durchaus erfüllbarer Traum. Die heute 25-jährige Corinna Scholz erfüllte ihn sich schon 2010 in Vancouver. Für die nachkommende Generation mit Analena Jentsch, die erst vor kurzem den Sprung zu den Damen geschafft hat, dürften die Winterspiele kaum erreichbar sein, wenn die Förderung tatsächlich komplett auf Eis gelegt werden sollte. 

Die Stadt Füssen hat sofort mit einem Brief an die Entscheidungsträger reagiert. „Wir wollen alle, dass der Förderverlust nicht zum Tragen kommt“, so Sportbeauftragter Gmeiner.

Chris Friedrich

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