Andreas Kapp und Holger Höhne wollen für eine weitere Förderung des deutschen Curlings kämpfen

"Das ist eine Riesensauerei"

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2013 war die deutsche Curling-Welt noch in Ordnung: Skip Andreas Kapp (v.r.), Pia-Lisa Schöll, Petra Tschetsch, Almut Hege-Schöll und Holger Höhne qualifizierten sich für die Europa-Mixed-Meisterschaften in Edingburgh, die sie später gewannen. Jetzt kämpfen Kapp und Höhne für die weitere Förderung des deutschen Curlingsports.

Füssen – Die olympische Disziplin Curling geht in Deutschland schweren Zeiten entgegen. Die Fördergelder sollen gestrichen werden. Dagegen formiert sich nun in Füssen, wo der Curling Verband seine Geschäftsstelle mit Sportdirektor Rainer Nittel eingerichtet hat, massiver Protest.

Dass Allgäuer Teams sich noch vor ein paar Jahren große Titel wie Welt- und Europameister holten, zählt nicht mehr. Wenn tatsächlich für Curling keine Geldmittel mehr bereitgestellt werden sollten, könnte die Ernte für die gute Arbeit des Füssener Clubs im Nachwuchsbereich letztlich ausbleiben. An der Spitze der Kritiker, die sich gegen den drohenden Förderverlust lautstark auflehnen, stehen Andi Kapp und Holger Höhne aus dem Füssener Team Kapp, das 2007 in Kanada Vizeweltmeister wurde. 

Zur aktuellen Situation sagt der Füssener Skip: „Es wäre das erste Mal in der Geschichte des bundesdeutschen Sports, dass ein olympischer Sportverband aus der Förderung genommen würde.“ Mit deutlichen Worten machte Kapp seinem Ärger vor dem Mikrofon eines Reporters Luft, da war die überraschende Nachricht, dass die seit Jahren bereit liegende Finanzspritze fürs deutsche Curling einfach vom Tisch gewischt wird, wenige Minuten alt. 

Auch Tage später hatte sich der Ärger nicht gelegt: „Klar, das ist eine Riesensauerei. Da strengst du dich als kleinster olympischer Verband an, damit du alles erfüllen kannst, was gefordert wird und trotzdem wird das bisschen, von dem du als Curlingverband lebst, an größere Verbände aufgeteilt, um diese noch weiter zu stärken“, begründet Kapp seine Empörung. Ein solcher Vorgang sei – laut Andi Kapp – „einmalig in der deutschen Sportgeschichte und wird ohne gültigen Präsidiumsbeschluss durchgeführt“. 

Die Frage sei vor allem: „Wer erhält das unserem Verband zustehende Geld jetzt zusätzlich?“ Denn es gebe nicht weniger für den Wintersport. „Die Mittel sollen nur anders verteilt werden.“ Kapp hält dagegen alle in einer Pressemitteilung des Deutschen Curling Verbands (DCV) genannten Argumente „pro Förderung“ für wichtig. Aktuell sei vor allem die folgende Tatsache: „Der DCV hat mit hohem Aufwand – unter anderem mit der Ausrichtung des weltweit einzigen Olympia-Quali-Turniers in Füssen – nicht nur die Qualifikation für Sotschi mit den Herren erreicht, sondern auch den Aufstieg in die Europameisterschafts-A-Gruppe geschafft und damit die Voraussetzungen für WM- und Olympiaqualifikationen in Zukunft realisiert.“ 

Kapp betont: Der Deutsche Olympische Sport Bund „kann und will uns nicht helfen. Daher sind die Politik und die Gesellschaft gefragt.“ Es gehe um eine Antwort auf die Frage: „Ist in der Förderung des deutschen Sports eine zweifelhafte Medaillengeilheit wichtiger als die Vielfalt im Sport?“ Von einem Boykott als öffentlichem Protest hält er allerdings nichts: „Dabei sind immer die Athleten die Leidtragenden.“ Der Füssener gibt sich kämpferisch: „Wir Curler lassen uns nicht von ein paar wild gewordenen Sport-Funktionären wegnehmen, was wir 30 Jahre lang aufgebaut haben!“ Mit Holger Höhne aus dem früheren Füssener Erfolgsteam und anderen erfahrenen Curlern kümmert er sich auch weiterhin um Förderung im Nachwuchsbereich. 

Währenddessen erfolgt Zug und Zug der Abbau auf Verbandsebene. Sportdirektor Rainer Nittel musste gekündigt werden. Er betont: Sollte diese Entscheidung, die Förderung ganz einzustellen, umgesetzt werden, sei das deutsche Curling nicht in der Lage, schnell wieder aufzustehen. Nächstes Opfer ist Thomas Lips. Der Schweizer kann internationale Erfolge als Trainer vorweisen, wurde erst vor kurzem als erfahrener Coach für die deutschen Teams der Damen und der Herren verpflichtet – und auch schon wieder verabschiedet. 

Denn der Verband kann ihn nicht halten, wenn Fördermittel eingefroren werden. Füssener Stadträte haben einen Brief an Politiker geschrieben, um mit deren Hilfe den Förderungsverlust noch zu verhindern. Noch vor zwei Jahren wurde neben dem Eisstadion in Füssen der Neubau mit der Geschäftsstelle des Deutschen Curling Verbands eröffnet. Es war das Signal für eine Aufbruchsstimmung. Auch die Ex-Nationalspieler Holger Höhne und Andi Kapp wollen für den Curlingsport kämpfen. Sie haben eine Facebook-Gruppe initiiert. Gesucht werden Mitstreiter. Das Motto der jeden Tag wachsenden Gruppe heißt: „Wir für Curling!“

Chris Friedrich

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