»Wir brauchen Konstanz«

Die Füssenerin Mia Höhne kämpft mit dem deutschen Curling-Team um ein Ticket für Olympia 2022

Mia Höhne
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Die Füssener Curlerin Mia Höhne möchte mit ihren Teamkolleginnen für Deutschland bei den Olympischen Spielen in Peking antreten.
  • VonChris Friedrich
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Füssen - Mia Höhne aus Füssen kämpft derzeit mit dem deutschen Curling-Nationalteam um die Olympiateilnahme 2022. Deshalb sammelt sie und ihr Team Spielpraxis.

Mia Höhne lebt zur Zeit aus dem Koffer. Die Spitzensportlerin aus Füssen nimmt an zahlreichen Curling-Turnieren im Ausland teil. Im Gespräch mit dem Kreisboten erklärte sie: „Wir sammeln Spielpraxis. Die Leistung unseres Teams soll konstant werden.“ Denn für das deutsche Damenteam mit Skip Daniela Jentsch vom Curling Club Füssen geht es um viel: die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen in China im Februar. Das Mannschaftsticket für Peking muss sich „Germany“ – aus Füssen sind auch Analena Jentsch und Emira Abbes dabei – in einer Qualifikationsrunde besorgen. Das Olympia-Qualifikationsturnier findet vom 11. bis 18. Dezember in den Niederlanden statt. 

Die Chance, sich bei der Weltmeisterschaft im kanadischen Calgary direkt für Peking zu qualifizieren, verpasste das Team. Weil Klara-Hermine Fomm und Emira Abbes wegen positiver Coronatests in Quarantäne mussten, trat die Mannschaft nur zu dritt an. Derart geschwächt, landeten die deutschen Curlerinnen nur auf Platz neun (der Kreisbote berichtete). Das Olympia-Ticket sicherten sich die besten sechs Nationen der WM.

Dass es in Kanada nichts wurde mit der vorzeitigen Qualifikation, warf das Team Jentsch allerdings nicht aus der Bahn. Folglich soll eine weitere Chance in Form eines Ausscheidungsturniers Anfang Dezember genutzt werden. Bei diesem werden noch drei Startplätze für Olympia vergeben.

Deshalb bereitet sich die Mannschaft von Skip Daniela Jentsch intensiv auf den Wettkampf vor. Dazu dienen ihr zahlreiche Turniere, zum Beispiel in den Curlinghochburgen Schottland und Kanada. Bei einem Zwischenstopp in Füssen sprach Mia Höhne, längst Stammspielerin, jetzt mit dem Kreisbote über die aktuelle Situation. „Nach einem zweiwöchigen Kanada-Aufenthalt hatte ich etwas Zeit zuhause“, so die 20-Jährige, deren Vater Holger zum legendären Team Kapp gehörte, das 1997 als Vizeweltmeister glänzte.

Ein weiterer kurzer Blick zurück verrät: Mia Höhne ging zur Sportfördergruppe der Bundeswehr: ein typischer Weg für junge Erwachsene, die seit der Schulzeit als Topathleten aktiv sind. „Alle gesund“, meldeten die vier Füssener Nationalspielerinnen von den European Superserie aus Stirling in Schottland ihren mitfiebernden Familien in Füssen. Sportlich wurde auf der Curlingbahn eine ausgeglichene Bilanz erzielt. Ihr Leistungsvermögen zeigten die Curlerinnen, indem sie dem Team Hasselborg eine Niederlage beibrachten. Der Sieg gegen den Weltranglisten-Dritten Schweden bedeutete der Einzug ins Halbfinale.

Viel Luft nach oben

In Edmonton, Kanada, erreichte das Team in einem Classic-Turnier erneut das Halbfinale. „Wir haben gegen das Team Kim aus Korea gewonnen, das zu den künftigen Konkurrenten auf dem Qualifikationsevent für Olympia gehört“, berichtet Mia Höhne. Das Abschneiden des Teams bei den zurück liegenden internationalen Turnieren bezeichnet sie als „insgesamt zufrieden stellend“. Heißt: da ist noch viel Luft nach oben. „Jede von uns weiß, dass wir Konstanz brauchen“, betont die 1,71 Meter große Curlerin.

Die vergangene Saison sei coronabedingt durch „weniger Reisen und weniger Spiele“ gekennzeichnet gewesen. Mia Höhne hatte sich fit gehalten und ihren Schwerpunkt klar auf Ausdauertraining gelegt. Curling-Begegnungen, die viel Konzentration und Kondition verlangen, dauern immer mehr als 90 Minuten. Das Auf und Ab auf der Eisbahn – wobei der Stein mit dem Curling-Besen begleitet wird – fordert den Akteurinnen alles ab.

Umstellung der Spielpraxis

Aktuell gehe es dem Team von Nationaltrainer Uli Kapp um eine Umstellung auf die Spielpraxis im Rahmen von Turnieren gegen starke Gegnerinnen. „Der Trainingsanteil liegt bei 20 Prozent“, schätzt die junge Sportlerin. Sich mit Topteams messen zu können, sei auch bei der nächsten Reise möglich.

„Da es in Europa nicht viele gut besetzte Damenturniere gibt, sind die Trips nach Kanada zur guten Vorbereitung auf jeden Fall notwendig“, meint sie. Es darf sich nun niemand vorstellen, dass Spitzencurlerinnen in Fünf-Sterne-Hotels logieren. Gewohnt wird meist in Apartments, wo sie sich unabhängig fühlen können und selbst versorgen. Zurück von der Eisbahn ist Relaxen angesagt, aber auch Kochen und Waschen. Höhne möchte sich nach der Olympia Qualifier zurück in Füssen mit Familie und Bekannten an Weihnachten darauf freuen, den Koffer für Peking und die Olympischen Spiele 2022 zu packen.

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