Trotz Verletzungspech verliert Felix Brunner die Paralympics 2018 nicht aus den Augen

Ein Mann kämpft sich zurück

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Dieser Tage sitzt Felix Brunner zum ersten Mal seit seinem Unfall vor einem Jahr wieder in seinem Monoski und zieht seine Bahnen.

Hopferau – Wenn in diesen Tagen im italienischen Tarvisio die Alpinski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, kann Felix Brunner seinen Teamkollegen nur am Fernseher zusehen.

Am Ende der vergangenen Rennsaison stürzte der im Rollstuhl sitzende Skirennfahrer und musste verletzungsbedingten eine Zwangspause einlegen. Nun hat sich der Hopferauer zurückgemeldet: Seit Kurzem zieht er die ersten Schwünge mit seinem Monoski. Dabei hat Brunner noch immer die Paralympics 2018 fest im Blick. 

Es war beim letzten Rennen der Saison im schweizerischen Obersaxen. „Meine erste richtig gute Rennsaison“, erinnert sich der 28-Jährige. Mehrfach hatte Brunner in dieser Rennsaison auf dem Treppchen gestanden. Und galt mit seinen Weltcuppunkten im Slalom/Riesenslalom als einer der Favoriten für die WM in Tarvisio. 

Bis ihn ein Schlagloch im Super-G aus der Bahn warf: „Ich wollte die Schräglage nach der Kurve auflösen“, beschreibt Felix Brunner seinen Sturz, bei dem er ein Loch in der Piste trifft: „Es hat mich regelrecht rausgespickt, ich hab mich einmal um mich selbst gedreht und bin dann mit der Schulter voran auf den Schnee aufgekommen“.

Luxation und Oberarmbruch lautet die Diagnose im Krankenhaus, wohin Brunner sofort mit dem Rettungshubschrauber geflogen wird. Und wie Jahre zuvor muss von jetzt auf gleich alle seine Pläne ändern. 

Schlimmer Sturz

Zur Erinnerung: Es ist ein klirrend kalter Januartag, der 17. Januar 2009, als Felix Brunner, ausgebildeter Rettungssanitäter, der Krankenpflege lernen will, zusammen mit zwei Freunden an einem gefrorenen Wasserfall am Eingang zum Tannheimer Tal Eisklettern geht. 

Auf dem Rückweg rutscht er auf dem vereisten Wanderweg aus und stürzt 30 Meter in die Tiefe. Nur dem raschen Eingreifen der Reuttener Bergretter verdankt Brunner, dass er noch lebt. Monatelang liegt der damals 19-Jährige im Koma, muss mehr als 60 Operationen über sich ergehen lassen, mit denen die Ärzte sein Leben retten. 

Es kommt zu Komplikationen, erneut wird Felix ins Koma versetzt und kommt schließlich nach mehr als einem Jahr nach Hause – im Rollstuhl sitzend. Durch das lange Liegen wurden die Blutgefäße schlecht versorgt, gehen kann Felix nicht mehr. 

Doch der junge Mann resigniert nicht und kämpft weiter für sein Leben. Und meint heute: „Ich bin in einem tollen Leben angekommen, wo ich nichts missen möchte“. Noch nicht einmal den verhängnisvollen Unfall, der heute zu seinem Leben gehört, wie der Hopferauer meint. „Der Unfall hat vieles ermöglicht. So viele geile Sachen haben sich seitdem ergeben“. 

Dazu gehört, dass Felix mit dem Handbike durch Amerika geradelt ist und die Alpen überquert hat. Und eben das Alpinskifahren wieder aufgenommen hat, sitzend allerdings im Monoski, stabilisiert durch zwei kleinere Skier an den Stöcken, die er in der Hand hält. 

Das Geschehen akzeptieren lernen

Dafür allerdings braucht es eine Veränderungskompetenz, wie Brunner, der heute als Motivationsexperte arbeitet, erzählt. „Ich bin bereit für die Veränderungen. Ein Schritt ist die Akzeptanz des Geschehenen. Sonst kann sich das Weitere nicht ergeben“. 

Deshalb sitzt er nun wieder auf seinem Monoski: „Ich fahr einfach los“. Derzeit nicht um zu trainieren oder um Punkte zu kämpfen – die wurden bei seinem Sturz eingefroren. Sobald Felix Brunner aber wieder regulär trainiert oder Rennen fährt, läuft die Uhr wieder an. 

Oder besser gesagt: Er kann durch seine Leistung seine Position verbessern oder verschlechtern. Deshalb auch lässt es Felix momentan eher ruhig angehen. Die vergangenen Monate hat er genutzt für die Reha und die Physiotherapie, war mehrfach die Woche im Kraftraum um die Muskeln wieder aufzubauen und fit zu werden.

Voller Terminkalender

Im Oktober schließlich wurde die Metallplatte aus seiner Schulter operiert. Seitdem kann er sich wieder ein Stück freier bewegen: „Das tut megagut. Und das Gefühl auf dem Ski ist fast so gut wie vor dem März 2016“. Auch sonst lag der Sportler nicht auf der faulen Haut. „Ich hatte einen randvollen Terminplan“, erinnert er sich an die Woche im Krankenhaus. Denn auf den Mund gefallen ist er ja nicht und so tourt der Ostallgäuer mit seiner Schwester als „Krankenschwester“ durch Deutschland und hält seine Motivationsvorträge als wäre nichts gewesen. 

Es geht wieder aufwärts

Es geht wieder vorwärts und das ist auch gut so. Dadurch hat Felix aber auch Zeit, alles wieder mit einem gewissen Abstand zu betrachten. „Ich konnte mich hinterfragen, meine Entscheidungen und Entschlüsse“. Das hat auch mit Selbstrespekt zu tun, weiß der Motivationstrainer. Nur so habe er jetzt auch wieder auf die Ski steigen können. „Es muss gerne gehen“, erzählt er, wobei Felix noch immer die Olympiade, bzw. die Paralympics 2018 in Pyeongchang  in Südkorea im Hinterkopf hat. „Olympia ist mein Traum und ein Ziel. Aber ich bin Realist. Ich will sehen, wo ich am Ende des Winters stehe , ob meine Leistung passt“. 

Denn eines ist auch klar: Noch nie zuvor war die Leistungsdichte so hoch bei den Herren sitzend wie derzeit, sind noch nie so viele Rollstuhlfahrer in den Disziplinen Slalom und Riesenslalom angetreten wie aktuell. Und die WM ist alle zwei Jahre, bis dahin kann sich vieles verändern. 

Wenn die ersten Rennen der nächsten Saison im November starten, will Felix mit dabei sein. Bis dahin hat der Endzwanziger aber noch viel zu tun, vor allem aber viel vor, privat wie beruflich. Momentan ist das vor allem Ski fahren im Tannheimer Tal. „Dort ist das Thema Barrierefrei kein Thema“.

Oliver Sommer

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