Curling-Sportdirektor Rainer Nittel erklärt warum Curling gut für Kinder und Jugendliche ist

Teamwork und Umgangsformen

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Rainer Nittel, Sportdirektor des Deutschen Curling Verbandes, wirbt im Kreisboten-Interview für Curling als Sport auch für Kinder und Jugendliche.

Füssen – Rainer Nittel, Sportdirektor des Deutschen Curling Verbands (DCV), und der neue Curling-Bundestrainer Thomas Lips (der Kreisbote berichtete) stellen jetzt die Weichen für die nächsten großen Turniere. 

Parallel dazu – und mit dem Curling Club Füssen als Partner – werden Schulkinder zum Schnuppern auf die drei Eisbahnen vor Ort eingeladen. Sportdirektor Nittel erklärt im Kreisboten-Interview, unter welchen Voraussetzungen die seit 2002 olympische Disziplin Curling auch für Mädchen und Buben der richtige Sport sein kann.

Für den neuen Bundestrainer Thomas Lipp spielt Füssen eine zentrale Rolle für die Zukunft des deutschen Curlingports. Das gilt zunächst für die Topathleten. Doch es sollen auch Mädchen und Buben frühzeitig für diese olympische Disziplin begeistert werden. Ein Team des örtlichen Clubs mit früheren Nationalspielern trainiert hier den Nachwuchs. Was spricht für Curling in der Eishockeyhochburg Füssen, wo Mädchen und Buben auch sehr gern turnen, Fußball spielen oder Karate üben? Nittel: „Jede Sportart kann darauf bezogen sicherlich andere positive Eigenschaften in die Waagschale werfen. Das wird auch bei den jedes Jahr von den örtlichen Vereinen EV Füssen und Füssener Curling Club im Eisstadion veranstalteten Schnuppertagen für die jungen Familien deutlich. 

Curling ist ein Sport, der durch seinen besonderen Geist – diesen Spirit of Curling – definitiv anders ist als andere beliebte Sportarten, für die sich Kinder begeistern können.“ Wie drückt sich der „besondere Sportgeist“ aus? 

Nittel: „Permanentes Teamwork bei gepflegten Umgangsformen ist im Curling ein Muss – ebenso wie Fairness. In den Begegnungen auf der Eisbahn ist zwar ein Schiedsrichter anwesend, er wird aber nur in seltenen Fällen tatsächlich auch mal gebraucht. Fairplay wird bei unseren Sportlern gelebt. Beide Teams können sich in der Regel immer darauf einigen, wie ein Ergebnis ausgeht. Außer Händeschütteln gibt es keinerlei Körperkontakt zwischen den Teams.“ 

Stimmt, es gibt kein Zweikampfverhalten. Der Zuschauer sieht die Curlingspieler oft nur auf dem Eis direkt am Zielkreis stehen und beobachtet Gespräche. Um was geht es dabei? 

Nittel: „Generell sind immer alle vier Spieler an jeder Aktion beteiligt, planen das weitere taktische Vorgehen und im konkreten Fall, wie der nächste eigene Stein gespielt werden soll, der dem Team dadurch gut weiterhelfen könnte. Beim Curling wird auch gelernt, wie man präzise formuliert, um mit den Mitspielern des eigenen Teams solche Probleme zu lösen. Aber dabei sind die Spieler auch immer körperlich gefordert. Auf die Theorie muss die Praxis bei der Steinabgabe folgen.“ 

Curling sieht für den Zuschauer dennoch eher rundum gemütlich aus. Man spricht vom „Schach auf dem Eis“. Täuscht das? 

Nittel: „Beim Wischen, das den Stein auf seinem Weg zum Zielkreis steuert, ist richtig viel Kondition erforderlich. Das Training fördert die Konzentration, die über Stunden auf der Eisbahn anhalten soll. Es muss regelmäßig geübt werden, damit die Bewegungsabläufe gut sitzen. Ein Spiel dauert bis zu drei Stunden und beansprucht Körper und Geist gleichbedeutend. Die Curler sind sehr aktiv, man sollte sich da mit Blick auf eine Eisbahn nicht täuschen lassen.“ 

Was ist aus Ihrer Sicht ein Highlight im Curlingsport? 

Nittel: „Curling ermöglicht internationale Begegnungen. Schon unser Nachwuchs tritt bei Turnieren in Schottland, in der Schweiz oder in Tschechien an. Kinder verbessern ganz praktisch ihr Englisch.“ 

Wie werben Sie in aller Kürze für dieses Spiel mit den Granitsteinen? 

Nittel: „Curling ist definitiv kein Sport für jedermann. Curling ist ein anspruchsvoller Sport für besondere Menschen. Gefordert sind hier Körper, Geist, Teamfähigkeit und anspruchsvollen Umgang. Curling verleiht keine Flügel, Curling erdet.“ 

Ihr Tipp mit Blick auf die Familien? 

Nittel: „Der Füssener Curling Club hat ein erfahrenes und sympathisches Trainerteam für den Nachwuchs. Gesa Angrick, Andi Kapp und Holger Höhne – um an dieser Stelle nur drei bekannte Namen aus einem größeren Kreis zu nennen, freuen sich sehr, wenn Mädchen und Buben nach den Sommerferien zum Schnuppern vorbei schauen.

Chris Friedrich

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