Der Kreisbote stellt vor

Der ERC Lechbruck im Vereinsporträt: "Etwas anders als die anderen"

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Erster Vorstand Manfred Sitter (v.l.), Spieler Patrick Völk, Co-Trainer Wolfgang Herpich, Spieler Marcus Köpf, Kapitän Matthias Erhard und Trainer Jörg Peters setzen sich engagiert für ihren Verein ein. Das Ergebnis: Der Aufstieg in die Landesliga.

Lechbruck – „Das hat die Mannschaft und das Trainer-Team aber sowas von verdient!“, kommentiert Manfred Sitter, 1. Vorstand des ERC Lechbruck, die Nachricht des Bayerischen Eishockey-Verbands (BEV), dass Lechbruck als Nachrücker in die Landesliga aufsteigen darf (der Kreisbote berichtete).

„Nachdem wir in der Saison 2018/2019 als Gruppenzweiter und in der Saison 2019/2020 als Gruppenerster in den Play-Offs ausgeschieden sind, freut es mich sehr, dass wir nun in der Landesliga angekommen sind.“ Diesen Erfolg hat sich der Eishockeyclub der 2700-Selen-Gemeinde mit Engagement und einer amibitonierten Nachwuchsarbeit erkämpft. Dabei muss er sich aber auch mit einer Schwierigkeit herumschlagen: Seinem Freiluftstadion. 

Seitdem Manfred Sitter vor gut zwei Jahren zum Ersten Vorstand gewählt worden ist, war es sein Bestreben, die Mannschaft in die Landesliga zu führen. „Mit dem Trainergespann Jörg Peters und Wolfgang Herpich absolut machbar“, urteilt Kristian Kavecky. Der Deutsch-Slowake, der schon in Kaufbeuren, Peiting und Schongau gespielt hat, ist voll des Lobes, wenn es um die Trainer und seine Mannschaftskameraden in Lechbruck geht. „Da passt die Chemie, da geht was, das packen wir!“, ist sich Kavecky sicher. 

Auch das Trainergespann Jörg Peters und Wolfgang Herpich sind von den Lechern begeistert und von deren Können überzeugt. „Ich war eigentlich immer der Meinung, der ERC Lechbruck ist so ein kleiner Hobby-Verein in der Bezirksliga. Aber da hab ich mich gründlich getäuscht!”, sagt Herpich. „Als mich Jörg Peters 2019 gefragt hat, ob ich nicht Co-Trainer hier in Lechbruck machen möchte, hab ich mir zwei, drei Vorbereitungsspiele angeschaut und war von der Mannschaft begeistert. Mit den Jungs macht es als Trainer Spaß zu arbeiten.” 

Daneben stelle die Vorstandschaft um Manfred Sitter zusammen mit den Eltern, Trainern und Betreuern so einiges auf die Beine. Das fange in der Nachwuchsarbeit bei den Kleinsten an und gehe durch bis zur Ersten Mannschaft. „Und vor allem: Hut ab vor Manfred Sitter, wie der sich für den Verein einsetzt und was der alles auf den Weg bringt. Sowas hab ich noch nie erlebt!“, so der gebürtige Füssener. Das bestätigt auch Peters: „Da muss man weit fahren, um so eine vorbildliche Vereinsarbeit mit Vorstandschaft, Trainer und Betreuer zu finden. Ich habe in Füssen, Kempten, Peiting und Sonthofen gespielt, aber diese Zusammenarbeit habe ich so nirgends gesehen.“ 

ERC stellt sechs Nachwuchsteams 

Die Arbeit an der Lechbrucker Bande sei anfangs allerdings etwas seltsam gewesen im Freiluftstadion. Die Trainingseinheiten der Vorbereitung finden deshalb in den umliegenden Stadien statt. „Kein Training vor 21 Uhr. Da ist dann keiner von uns vor 23, 24 Uhr daheim. Und am nächsten Tag wieder arbeiten. Das ist hart. Trotz allem sind die Jungs da und trainieren hart. Das macht die Arbeit mit den Lechern aus: der Spaß mit den Jungs überwiegt alles”, so Peters. Für Sitter ist es eine „Herzensangelegenheit“ den Verein erfolgreich zu führen. So sei er „über den Winter kaum daheim ist“, meint seine Frau augenzwinkernd. „So wachsen unsere Kinder im Eisstadion auf.“ 

Sitter selbst kam auch schon früh zum Eishockey. Bereits mit drei Jahren stand er auf dem Eis, mit vier wurde er Mitglied des damals neugegründeten Lechbrucker Vereins. Anschließend durchlief er sämtliche Nachwuchsmannschaften. Mit siebzehn wechselte er zum EV Füssen in die Juniorenmannschaft und stand später für die Erste Mannschaft des EV Füssen auf dem Eis. 

Beim heutigen Zweitligisten ESC Dresden beendete er schließlich seine Torwart-Karriere. Recht erfolgreich war er in allen Mannschaften. Zum Eishockeyspielen kam der Erste Vorstand – wie wahrscheinlich die meisten Lechbrucker Buben – über seinen Vater. Bernhard Sitter spielte schon in der Oberliga beim TSV Lechbruck und war der erste Torwart im Kasten des ERC Lechbruck. 

Heute bringt Bernhard Sitter auch den Kinder in seiner Kaderschmiede das Eislaufen nahe. Mit zwei, drei Jahren führt er die Kinder spielerisch ans Eislaufen bzw. Eishockey heran. In dieser Laufschule, die Sitter vor vielen Jahren aufgebaut hat, befinden sich 30, 40 Kinder aus Lechbruck und den umliegenden Dörfern. Anschließend tritt ein Großteil der Laufschüler in die Eishockeyschule ein, um dann mit sechs, sieben Jahren in der U9 zu spielen. So kommt der ERC zu seinem Nachwuchs. Die Eishockeyschule trainiert derzeit der Kapitän der Ersten Mannschaft, Hias Erhardt, sowie Maxi Lory und Tobi Ott. Lory und Ott haben selbst auf diese Weise das Eishockeyspielen gelernt und erfolgreich beim ERC gespielt. Das macht den Erfolg der Nachwuchsmannschaften aus: Sie werden meistens von ehemaligen Spielern der Ersten Mannschaft trainiert. 

Dass die Flößer nun als Nachrücker in die Landesliga aufsteigen, ist dieser Nachwuchsarbeit geschuldet. Laut Reglement muss der Verein dafür ein fünf-stufiges-Nachwuchsprogramm erfüllen und mindestens drei Nachwuchsmannschaften stellen. „Und der ERC Lechbruck hat sogar sechs Nachwuchsmannschaften!“, informiert Manfred Sitter stolz. 

Dass die Nachwuchsarbeit sein Credo ist, zeigt sich darin, dass der Vorstand auf Eigengewächse baut. So eines ist Dominik Kösl. Der 24-jährige steht seit 20 Jahren auf dem Eis. Und das ausschließlich in Lechbruck. „Lechbruck isch mei Heimat und es isch einfach schea, wenn ma vor heimischem Publikum spielen darf! Egal, ob des damals bei den Kleinstschülern war, oder jetzt in der Ersten Mannschaft ist”, erklärt der gebürtige Lecher. 

Größte Schwierigkeit: Fehlendes Dach 

Was dem ERC dabei aber besonders zu schaffen macht, ist das fehlende Dach ihres Freiluftstadions. So muss die Mannschaft am Anfang der Saison auf umliegende Stadien in Peiting, Schongau, Füssen und Pfronten ausweichen. Und bei Schnee, Regen und Sturm ist ein Spiel- bzw. Trainingsbetrieb kaum bis gar nicht möglich. „Da wär halt a Dach scho schön!“, heiß es unisono aus den Reihen des ERC. „Dass es in Lechbruck wichtigeres, als unser Dach gibt, ist uns allen bewusst”, sagt Sitter und zählt als Beispiele den Kindergarten und das Feuerwehrhaus auf. „Doch nichtsdestotrotz muss die Gemeinde jetzt Geld in die Hand nehmen. 

Dadurch, dass im Eisstadion in den letzten Jahren auch viel gespart wurde, stehen jetzt längst notwendige Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an.“ Der ERC-Vorstand fügt hinzu: „Wir stehen mit der Gemeinde in einer guten, konstruktiven Zusammenarbeit. Was wir brauchen, wäre ein externer Investor, der neben der Kommune und dem ERC als dritte Kraft einsteigen würde.“ Dass der ERC finanziell gesund dasteht, ist mitunter den wöchentlichen Dämmerschoppen geschuldet, die verteilt über den gesamten Sommer stattfinden. „Gott sei Dank hab ich immer genug Helfer, um die jährlich zwölf bis 15 Abende zu stemmen“, so Sitter.

 An diesen Abenden, die immer donnerstags stattfinden, sorgen Blaskapellen aus der Umgebung für die musikalische Unterhaltung, während Helfer des ERC die Besucher mit Pommes, Grillwürsten, Fleisch und Getränken versorgen. „An so einem Abend kommen da gut und gerne bis zu 400 Besucher!“ Allerdings nicht in diesem Jahr: Aufgrund der Corona-Pandemie fand heuer noch kein einziger Dämmerschoppen statt. Mit diesen Erlösen und der Hilfe der Lechbrucker Sponsoren finanziert der ERC unter anderem seinen Trainings- und Spielbetrieb. 

Darüber hinaus hat er zur vergangenen Saison den Bestand des Ausrüstungslagers komplett erneuert. „In Lechbruck muss sich kein Nachwuchsspieler bis zur U15 um eine eigene Ausrüstung kümmern. Die wird größtenteils vom Verein gestellt”, erklärt Sitter stolz. „Dankbar sind wir für die Unterstützung unserer Sponsoren. Insbesondere sind es die Lechbrucker Unternehmen, die uns schon über viele Jahre treu unterstützen.” Der Verein sehe es deshalb als seine Pflicht an, dieses Vertrauen mit guten Leistungen, sozialer Verantwortung für seine Nachwuchsspieler und einem positiven Außenauftritt zurückzuzahlen. „Gleichzeitig regen wir bei unseren Mitgliedern an, besonders unsere Sponsoren und damit die heimischen Unternehmen beim Einkaufen zu berücksichtigen.“ 

18 Prozent mehr Mitglieder

Dass der Verein kaum Nachwuchssorgen hat, beweist ein Blick auf die Mitglieder. Seit 2018 hat sich ihre Zahl um 18 Prozent erhöht. Der Slogan, den Sitter entworfen hat, bringt es wohl auf den Punkt: „UNSER DORF. UNSER EIS. UNSER VEREIN.” Es dürfte in Deutschland einzigartig sein, dass eine Gemeinde mit nur 2700 Einwohnern seit Jahrzehnten einen Eishockeyverein mit einer ausgeprägten Nachwuchsarbeit, einer ambitionierten Ersten Mannschaft und einem eigenen Eisstadion stellt. 

In einer Zeit, in der es immer mehr Alternativangebote für Jugendliche gibt, bleibt der ERC die gesetzte Größe, das sportliche Aushängeschild der Flößergemeinde. Generationen von Lechbrucker Familien sind mit dem Eishockey tief verwurzelt. Dass der Traditionsclub nicht dem allgemeinen Trend entspricht, macht es wohl aus. Zuschauerzahlen bei Heimspielen zwischen 200 und 300 Besuchern sind keine Seltenheit und würden so manchem größeren Club gefallen. „Wir sind das Eishockeydorf, etwas anders als die anderen, aber sehr stolz drauf!“ meint Sitter.

Silke Zink

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